Sagithjan Surendra/Aelius Förderwerk: „Junge Menschen sollen ihr volles Potenzial entfalten können“

Sagithjan Surendra (22) hat 2017 das Aelius Förderwerk gegründet. Ziel ist die Förderung von Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien, um so einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit in Deutschland zu leisten. Der Stipendiat weiß aus seiner eigenen Biographie, welche Hürden sich auf dem Weg zu einem erfolgreichen Bildungsabschluss stellen können.

Herr Surendra, was hat Sie zu Ihrem Engagement motiviert?

Ich habe sowohl auf meinem eigenen Lebens- und Bildungsweg als auch in meinem Bekannten- und Freundeskreis erfahren, dass Bildungschancen in Deutschland ungleich verteilt sind, abhängig zum Beispiel vom Bildungsgrad der Eltern. Ich möchte aber in einer Gesellschaft leben, in der junge Menschen ihr volles Potenzial entfalten können – unabhängig von den Umständen, in die sie zufälligerweise hineingeboren werden. Meine Erfahrungen und diese Vision haben mich motiviert, Aelius zu gründen.

Wie funktioniert Aelius?

Wir unterstützen Schüler*innen aus sozial benachteiligten Familien mit einem Förderprogramm, das auf drei Säulen beruht: Erstens einem ideellen Förderprogramm mit Workshops zu ganz verschiedenen Themen. Damit möchten wir gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und Perspektiven bieten. Zweitens einem Mentoring-Programm, das Schüler*innen auf ihrem Weg zu einem erfolgreichen Schulabschluss begleitet. Und drittens einem Beratungsangebot zu allen Fragen rund um Schule und Studium.

Wie bringen Sie sich konkret ein?

Ich habe das Förderwerk 2017 gegründet und bin seither als Vorstandsvorsitzender tätig. Mein Studium der Molekularen Medizin hat damit nicht viel zu tun. Die Arbeit im Labor ist zwar interessant, aber es fehlt mir, mit Menschen zusammenzuarbeiten und Teil einer gesellschaftlichen Entwicklung zu  sein. Aelius bietet mir diese Möglichkeit und dafür bin ich dankbar. Die Aufgaben sind vielfältig und ich arbeite aktiv an allen Elementen des Förderprogramms mit.

Was haben Sie bislang bewirkt?

Allein 2019 haben wir mit unserem Angebot über 2.000 Schüler*innen erreicht. Mit unseren Angeboten, insbesondere dem Mentoring-Programm, können wir Kindern und Jugendlichen Unterstützung bieten und Perspektiven schaffen, auf ihrem Weg zu einem erfolgreichen Schulabschluss bis hin zu einer Ausbildung oder einem Studium.

Was war Ihre bislang prägendste Erfahrung?

Das gesamte Förderwerk beruht bislang auf dem Ehrenamt seiner Mitglieder, die das vielfältige Angebot stemmen. Ich hätte vorher nicht gedacht, wieviel wir erreichen können. Ich freue mich, wenn ein Schüler erzählt, wie toll das Treffen mit seinem Mentor war, oder eine Schülerin uns anruft, weil sie Hilfe bei der Praktikumssuche benötigt. Das sind die Momente, in denen ich realisiere, dass wir wirklich ein Ansprechpartner sein können, der vorher womöglich gefehlt hat und mit unserer Arbeit dazu beitragen, dass persönliche Ziele, die vorher vielleicht weit weg schienen, erreichen lassen.

Wie sieht das Team aus?

Aelius ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein, dessen Arbeit von einem bunten Team aus ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, Studierenden und Auszubildenden getragen wird. Wir sind aktuell rund 100 Personen, verteilt über ganz Deutschland, die das Angebot von Aelius koordinieren, umsetzen und ausbauen. In einigen Städten gibt es inzwischen auch Regionalgruppen.

Was sind nächste Ziele?

Wir haben unser Angebot aufgrund der Coronakrise vollständig digitalisiert. Dabei haben wir festgestellt, dass viele Formate auch digital sehr wertvoll sind und werden diese in Zukunft fortsetzen und ausbauen. Der nächste große Meilenstein ist eine hauptamtliche Geschäftsführung. Bisher sind ausschließlich Ehrenamtliche bei uns tätig und als bundesweites Förderwerk arbeiten wir an der absoluten Belastungsgrenze, die ehrenamtlich tragbar ist.

Was benötigen Sie, um ihr Projekt in Zeiten von Corona erfolgreich zu gestalten? Wie können interessierte Personen Ihr Projekt konkret unterstützen?

Angesichts der aktuellen Situation  haben wir in kürzester Zeit ein Online-Angebot für Lern- und Nachhilfe aufgebaut. Besonders hierfür fehlt es uns aktuell noch an ehrenamtlichen Mentor*innen und Nachhilfe-Lehrer*innen. Wir freuen uns über jede und jeden, der uns unterstützen möchte! Außerdem benötigen wir Spendengelder, um Schüler*innen vor allem Computer zur Verfügung zu stellen, sonst können viele gar nicht am digitalen Unterricht teilnehmen.

Sagithjan Surendra (22) studiert Molekulare Medizin an der Universität Erlangen-Nürnberg und ist Stipendiat der Studienstiftung.Für seine gemeinnützige Arbeit hat er 2020 bereits den Engagementpreis der Studienstiftung erhalten, außerdem wurde er vom Deutschen Hochschulverband und vom Deutschen Studentenwerk als „Student des Jahres“ ausgezeichnet.

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