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Porträts

Ali Inal

Chemie

Universität Wuppertal

Ali Inal hat bereits vier Interkulturelle Trainings besucht. Das Bildungsformat der Studienstiftung lädt dazu ein, sich intensiv mit einem Land oder einer Region auseinanderzusetzen und kulturelle Perspektiven zu reflektieren. Im Interview erzählt der Chemie-Masterstudent, warum ihn die Trainings immer wieder neugierig machen, wie sie ihm während seines Auslandssemesters in Finnland geholfen haben und was er dabei auch über sich selbst gelernt hat.

Ali Inal: „Die Interkulturellen Trainings halten einem den Spiegel vor“

Studienstiftung: Sie sind inzwischen gewissermaßen „Wiederholungstäter“: Was ist das Besondere an den Interkulturellen Trainings, das Sie immer wieder zur Teilnahme bewegt?

Ali Inal: Die Interkulturellen Trainings präsentieren nicht nur, wie Menschen woanders denken und handeln, sondern halten auch einem selbst einen Spiegel vor und bieten die Gelegenheit, sich selbst zu fragen: Warum denke und handle ich so, wie ich es tue?

Besonders aufgefallen ist mir das beim Training zu Ägypten. Einige Themen kamen mir aus meiner türkischen Familiengeschichte bekannt vor, ohne dass sie mir zuvor bewusst aufgefallen wären. Zum Beispiel die pragmatische Haltung: „Es läuft vielleicht nicht alles gut, aber dann machen wir eben das Beste daraus.“

An welchen Interkulturellen Trainings haben Sie bisher teilgenommen? Was hat Sie jeweils dazu bewogen, sich anzumelden?

Mein erstes Training war Skandinavien – als Vorbereitung auf mein Auslandssemester in Finnland. Das Wissen aus dem Training hat mir während meines Auslandsaufenthalts sehr geholfen, manche Situationen nicht vorschnell zu beurteilen und stattdessen aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Aus den Erfahrungen im Ausland entwickelte sich eine wachsende Neugier auf andere Kulturen.

Südkorea fand ich ebenfalls spannend: Ich hatte koreanische Kollegen in meiner Arbeitsgruppe, und die stärker hierarchisch geprägte Kultur bildete einen interessanten Kontrast zu Skandinavien. Während des Südkorea-Trainings erkannte ich auch, wie vielfältig Kulturen in Asien sind. Das führte mich zum China-Training. Auch während meiner Masterarbeit in einem Unternehmen hatte ich Berührungspunkte mit China. Zum Training Ägypten trieb mich schließlich meine Neugier auf weitere Perspektiven an.

Erinnern Sie sich an eine Übung, ein Gespräch oder einen Moment, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist? Was ist dabei passiert?

Im Training zu China sollten wir in einer Übung eine E-Mail an einen chinesischen Kollegen verfassen. Dabei habe ich versucht, meinen Text an den chinesischen Kommunikationsstil anzupassen. Allerdings kam die Frage auf, was passiert, wenn der chinesische Kollege das Gleiche macht und seine E-Mail möglichst „deutsch“ formuliert. Im schlimmsten Fall redet man dann erst recht aneinander vorbei.

Das war für mich eine wichtige Erkenntnis: Interkulturelle Kommunikation bedeutet für mich nicht, sich zu sehr zu verbiegen, sondern authentisch zu bleiben und das notwendige Verständnis mitzubringen.

Gab es während eines Trainings eine Erkenntnis, die Sie überrascht oder Ihre Sichtweise verändert hat?

Eine große Überraschung hatte ich im Skandinavien-Training mit dem Konzept des „gläsernen Bürgers“. Dass persönliche Informationen dort deutlich leichter zugänglich sind, war aus meiner deutschen Perspektive ziemlich fremd, und ich habe mich gefragt: „Warum würde man so etwas wollen?“ Dadurch habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass ich meine eigenen Vorstellungen für selbstverständlich gehalten hatte, obwohl auch sie kulturell geprägt sind.

Was haben Sie aus den Trainings für Ihren Alltag, Ihr Studium oder Ihr Berufsleben mitgenommen?

Ich habe vor allem gelernt, bei unerwarteten Situationen gedanklich einen Schritt zurückzutreten und sie nicht sofort als seltsam oder falsch abzustempeln. Besonders in internationalen Settings wie im Studium oder Beruf ist es wichtig, sich selbst zu fragen: „Welche Erklärung kann es für dieses Verhalten geben? Wie können wir zusammenfinden?“

Darüber hinaus kann man aus anderen Kulturen auch Dinge für sich selbst mitnehmen. So ist mir in den Interkulturellen Trainings die starke Rücksicht auf die Gemeinschaft positiv aufgefallen.

Haben Sie eine Methode, eine Strategie oder einen Gedanken aus einem Training später konkret anwenden können? In welcher Situation?

In meinem Auslandssemester in Finnland ist es mir ein paar Mal passiert, dass jemand mitten im Gespräch einfach gesagt hat, dass er jetzt geht – und das tatsächlich auch getan hat. Für mich hat sich das ziemlich abrupt angefühlt, weil ich noch eine Form von Small Talk erwartet hätte.

Dank des Trainings konnte ich diese Situationen allerdings besser einordnen. Es war weniger ein Zeichen von Ablehnung. Im Skandinavien-Training hatten wir besprochen, dass in der finnischen Kultur eher weniger Wert auf Small Talk gelegt wird. Das hat mir geholfen, den Leuten mehr Raum zu geben und dies im Gegenzug auch selbst zu genießen.

In den Trainings geht es nicht nur um andere Kulturen, sondern auch um die Reflexion eigener Vorstellungen und Verhaltensweisen. Was haben Sie dabei über sich selbst gelernt?

Weil ich selbst mit meinem türkischen Migrationshintergrund in Deutschland zwischen zwei Kulturen aufgewachsen bin, habe ich eigentlich erwartet, dass ich interkulturell ziemlich stark aufgestellt bin. Durch die Trainings habe ich aber gemerkt, wie stark auch meine eigene Haltung und mein Verhalten von meiner jeweiligen Umgebung geprägt sind. Solange man von der eigenen Kultur umgeben ist, fällt einem vieles gar nicht auf und erscheint selbstverständlich. Erst durch das Kennenlernen anderer Kulturen wurde mir bewusster, was ich selbst alles mitbringe – zum Beispiel meine relativ direkte Art zu kommunizieren oder auch ganz banale Dinge wie meine Vorliebe für Brötchen zum Frühstück.

Wem würden Sie die Interkulturellen Trainings besonders empfehlen? Lohnt sich die Teilnahme auch für Personen, die noch keinen konkreten Auslandsaufenthalt planen?

Für einen Auslandsaufenthalt sind die Interkulturellen Trainings besonders hilfreich. Ich würde die Trainings aber allen empfehlen, die neugierig auf andere Perspektiven sind. Auch an der Universität, im Beruf und im Alltag begegnen wir ständig Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Kommunikationsstilen.

Beim kommenden Training stehen Australien und Neuseeland, Israel, Kanada, Ostafrika und Polen im Mittelpunkt. Mit welchem Land oder welcher Region werden Sie sich beschäftigen, und worauf sind Sie besonders gespannt?

Das nächste Mal ist Ostafrika dran – gerade weil ich bisher wenig Berührungspunkte mit dieser Region hatte. Besonders gespannt bin ich auf die Vielfalt der Länder, Menschen und Perspektiven in dieser großen Region. Ich freue mich schon darauf!

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der zum ersten Mal an einem Interkulturellen Training teilnimmt?

Mein Rat: Besonders in den Momenten aufmerksam werden, in denen man meint: „Das sehe ich anders.“ Das sind meiner Erfahrung nach die spannendsten Stellen im Training!

Kurz gefragt

Die Interkulturellen Trainings in drei Worten?

Neugier, Blickwechsel und Aha-Momente.

Ihr größter Aha-Moment?

Dass ich bei jedem Training aufs Neue merke, wie viel ich noch zu lernen habe.

Warum kommen Sie wieder?

Weil ich nach jedem Training nicht nur andere Menschen, sondern auch meine eigene Perspektive besser verstehen kann.

Zur Person

Ali Inal (26) studiert Chemie im Master und gehört seit Kurzem zu den Ehemaligen der Studienstiftung. Derzeit arbeitet er am Abschluss seines Masterstudiums. Danach möchte er sich zunächst Zeit zum Reisen nehmen, neue Orte entdecken, mit Menschen vor Ort ins Gespräch kommen und andere Lebensweisen kennenlernen. Anschließend kann er sich eine Promotion als nächsten Schritt gut vorstellen.

Über die Interkulturellen Trainings

Die Interkulturellen Trainings sind dreitägige Präsenzveranstaltungen der Studienstiftung für Geförderte und kürzlich ausgeschiedene Ehemalige. Sie richten sich sowohl an Teilnehmende, die einen Auslandsaufenthalt planen, als auch an alle, die neugierig auf andere Länder, Regionen und kulturelle Perspektiven sind.

Professionelle Trainer:innen vermitteln praxisnahes Wissen für Alltag, Studium und Berufsleben. In Kleingruppen und interaktiven Übungen setzen sich die Teilnehmenden mit eigenen und anderen kulturell geprägten Handlungsweisen auseinander, beschäftigen sich mit Stereotypen und erarbeiten Strategien für interkulturelle Kommunikation und Konfliktsituationen.

Ergänzt werden die Präsenztrainings durch digitale Gespräche mit Geförderten und Ehemaligen, die persönliche Einblicke in Alltag, Studium und Arbeitsleben in den jeweiligen Ländern und Regionen geben.

Beim kommenden Interkulturellen Training im November in Frankfurt am Main stehen Australien/Neuseeland, Israel, Kanada, Ostafrika und Polen im Mittelpunkt.

Weitere Informationen

Stand: 14.09.2026