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Porträts
Amira Geuther

Interdisziplinäre Naturwissenschaften
ETH ZürichWas bleibt, wenn eine Woche lang Nobelpreisträger:innen, junge Forschende aus aller Welt, Workshops, Podiumsdiskussionen und persönliche Gespräche aufeinandertreffen? Für Amira Geuther vor allem eines: die Begeisterung für Wissenschaft. Bei der Lindauer Nobelpreisträgertagung erlebte sie Nobelpreisträger:innen nicht nur auf der Bühne, sondern auch im persönlichen Austausch – beim Abendessen, beim Picknick oder beim Spaziergang. Im Kurzinterview erzählt sie von inspirierenden Begegnungen, ihrer eigenen Präsentation auf der großen Bühne und davon, warum Forschung für sie vor allem eines bedeutet: Rätsel lösen.
5 Fragen an … Amira Geuther – unsere Stipendiatin bei der Lindauer Nobelpreisträger:innen-Tagung
Studienstiftung: Liebe Amira Geuther, wie haben Sie die Woche bei der Lindauer Nobelpreisträgertagung erlebt?
Amira Geuther:
Die Woche war unglaublich intensiv und beeindruckend. Unser Programm begann oft schon um 7 Uhr morgens mit Podiumsdiskussionen und Workshops und endete abends mit gemeinsamen Dinnern. Daraus ein einzelnes Highlight auszuwählen, ist fast unmöglich. Was mich aber wie ein roter Faden durch die Woche begleitet hat, war die Begeisterung und Freude, mit der die Nobelpreisträger:innen forschen. Diese Leidenschaft war ansteckend – und für mich sehr bestärkend.
Was hat Sie besonders inspiriert?
Ein ganz besonderer Moment war ein Abendessen, bei dem ich neben Michael Levitt saß, einem Pionier der computergestützten Biologie, der 2013 gemeinsam mit Martin Karplus und Arieh Warshel den Nobelpreis für Chemie erhielt. Ausgezeichnet wurden sie für die Entwicklung von Multiskalenmodellen für komplexe chemische Systeme – ein Gebiet, das meiner eigenen Forschung sehr nah ist.
Obwohl er mittlerweile fast 80 Jahre alt ist, publiziert er weiterhin mit großer Freude. Ich konnte den ganzen Abend mit ihm über meine Forschung und aktuelle Entwicklungen in unserem Feld sprechen. Solche Gespräche zeigen, wie lebendig Wissenschaft bleibt – unabhängig von Karrierestufe oder Alter.
Sie durften auch Ihre eigene Forschung präsentieren. Wie war das?
Am nächsten Tag durfte ich meine Forschung auf der großen Bühne vorstellen. Daraus sind in den folgenden Tagen viele spannende Gespräche entstanden – mit anderen theoretischen Physiker:innen, jungen Wissenschaftler:innen und Nobelpreisträger:innen aus ganz unterschiedlichen Fachgebieten. Es war beeindruckend zu erleben, wie schnell aus einem Vortrag neue Perspektiven, Fragen und Verbindungen entstehen können.
Gab es eine Begegnung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ja, ich durfte Donna Strickland interviewen, die 2018 gemeinsam mit Gérard Mourou den Nobelpreis für Physik erhielt. Ausgezeichnet wurden sie für ihre Arbeiten zur Erzeugung hochintensiver, ultrakurzer optischer Pulse. Donna Strickland war erst die dritte Frau in der Geschichte, die den Physik-Nobelpreis erhielt.
Das Interview hat großen Spaß gemacht und führte später bei einem Abendessen, bei dem ich ihr gegenübersaß, zu einer langen Unterhaltung über Lehre. Ich fragte sie außerdem, was sie so sehr an der Physik begeistert. Ihre Antwort war genau die, die ich selbst immer gebe: „Ich habe Spaß am Rätsel lösen.“ Das von einer Nobelpreisträgerin zu hören, die bereits eine lange wissenschaftliche Karriere hinter sich hat, hat mich unglaublich darin bestärkt, dass Wissenschaft der richtige Weg für mich ist.
Was nehmen Sie über die fachlichen Impulse hinaus mit?
Die Tagung hatte auch einen starken Fokus auf die Verbindung von Wissenschaft und Gesellschaft. Wir haben mit Unterzeichner:innen der Mainau Deklaration über die wieder steigende Gefahr von Atomwaffen gesprochen und konkrete Schritte entwickelt, wie man andere stärker dafür sensibilisieren kann. Saul Perlmutter stellte außerdem seine Initiative vor, mit der er Menschen außerhalb der Forschung in der „scientific method“ schult. Darüber habe ich mit ihm auch mit Blick auf mein langjähriges Engagement beim Roten Kreuz gesprochen.
Sehr bereichernd war für mich auch ein Workshop zu „Breaking Barriers in Science“. Dort habe ich mich mit anderen Frauen ausgetauscht, die sich für Gleichberechtigung in der Wissenschaft einsetzen, und viel über Chancengleichheit für Menschen mit Behinderung gelernt. Eine ganz konkrete Erkenntnis: Ich werde künftig darauf achten, dass meine Abbildungen in wissenschaftlichen Veröffentlichungen auch für farbenblinde Menschen gut lesbar sind. In dieser Gruppe möchte ich mich auch nach Lindau weiterhin im Lindau Alumni-Netzwerk engagieren.
Was bleibt von dieser außergewöhnlichen Woche?
Ich glaube, es wird noch eine Weile dauern, bis ich all diese Eindrücke verarbeitet habe. Sicher ist aber: Diese Woche hat mich bleibend geprägt und inspiriert. Ich bin der Studienstiftung sehr dankbar, dass sie mir diese Erfahrung ermöglicht hat.
Vielen Dank, Amira Geuther, und alles Gute für Ihren weiteren Weg in der Wissenschaft!
Amira Geuther (23) studiert Interdisziplinäre Naturwissenschaften im Masterstudium an der ETH Zürich und ist seit 2022 Stipendiatin der Studienstiftung.
Stand: Juli 2026

