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Porträts

Freya Schwachenwald

Kunstgeschichte

TU Berlin

Der Johannes Zilkens-Promotionspreis der Studienstiftung 2026 geht an die Kunsthistorikerin Dr. des. Freya Schwachenwald für ihre Dissertation an der TU Berlin. In ihrer Studie untersucht sie die Werke deutschsprachiger Künstler und Fotografen, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Ostasien reisten, wie sie den Blick auf Asien prägten, und beleuchtet Reisebilder als Knotenpunkte imperialer Macht- und Wissensordnungen.

Die Forschungsfrage

Die Rolle deutschsprachiger Akteure in den imperialen Netzwerken anderer Nationen ist bislang nur wenig erforscht. In meiner Dissertation untersuche ich diese aus einer kritischen kunsthistorischen Perspektive: Wie prägten die Werke reisender deutschsprachiger Künstler und Fotografen, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Ostasien tätig waren, den europäischen Blick auf Asien? Reisebilder wurden lange entweder romantisiert oder als objektive Darstellungen historischer Realität gelesen. Meine Arbeit zeigt hingegen, wie diese Bilder in konkrete politische Zusammenhänge eingebettet waren – und welche Vorstellungen von Wissen, Kunst und Repräsentation sie transportierten. 

Die Methode 

Grundlage meiner Untersuchung sind historische Bild- und Archivquellen, darunter Reiseberichte, Tagebücher und Regierungsdokumente. Ich habe bewusst unterschiedliche Quellentypen zusammengeführt, um die komplexen Entstehungsbedingungen dieser Bilder sichtbar zu machen. Denn die überlieferten Quellen sind selbst von Machtstrukturen geprägt und weisen entsprechende Leerstellen auf, die ich in der Analyse berücksichtigt habe. 

Die Ergebnisse 

Die Dissertation zeigt, in welchen komplexen politischen und sozialen Kontexten deutschsprachige Künstler und Fotografen in Ostasien arbeiteten. Sie bewegten sich in internationalen Netzwerken, verhandelten ihre eigene Identität und griffen dabei häufig auf weiße, männlich geprägte Heldenbilder zurück. Gleichzeitig waren sie sowohl von kolonialen Infrastrukturen als auch von lokalem Wissen, Arbeitskräften und künstlerischen Praktiken abhängig. Meine Arbeit macht diese Verflechtungen sichtbar und hinterfragt zentrale kunsthistorische Konzepte wie Authentizität und künstlerisches Genie. 

Sie zeigt zudem, wie historische Bildquellen das „Asiatische” als ornamental konstruierten und dabei hierarchische Vorstellungen reproduzierten, die auch Körperbilder und Geschlechterrollen prägten – und teilweise bis heute fortwirken. Damit liefert die Dissertation nicht nur neue Perspektiven für die kunsthistorische Forschung, sondern auch Impulse für Museen, um bestehende Sehgewohnheiten und Erzählmuster kritisch zu reflektieren. 

Zur Person 

Dr. des. Freya Schwachenwald studierte Europäische Medienkultur in Weimar und Lyon sowie Transcultural Studies (Global Art History) an den Universitäten Heidelberg und Yale. Von 2020 bis 2024 wurde sie für ihr Dissertationsprojekt an der Technischen Universität Berlin von der Studienstiftung gefördert. Während dieser Zeit absolvierte sie Forschungsaufenthalte in Hongkong, Singapur und Stanford. Aktuell ist die 32-Jährige wissenschaftliche Volontärin bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Dr. des. Freya Schwachenwald

f.schwachenwald(at)posteo(dot)net