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Porträts

Julia Lemp

Öffentliches Gesundheitswesen

Universität Heidelberg

Der Lieselotte Pongratz-Promotionspreis der Studienstiftung 2026 wird verliehen an Dr. Julia Lemp für ihre Dissertation in Öffentlichem Gesundheitswesen am Heidelberg Institute of Global Health der Universität Heidelberg. Ihre Arbeit untersucht die Umsetzung von Lebensstilprogrammen, ihre organisatorischen, sozialen sowie strukturellen Hürden und ihren Beitrag zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit.

Die Forschungsfrage 

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes gehören weltweit zu den häufigsten Ursachen für Krankheit und vorzeitigen Tod. Eine zentrale Rolle spielen dabei Risikofaktoren wie ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Alkoholkonsum. Zwar zeigen randomisierte kontrollierte Studien, dass strukturierte Lebensstilprogramme das Erkrankungsrisiko deutlich senken können. Unklar ist jedoch, ob sich diese Effekte auch im Versorgungsalltag erreichen lassen. In meiner Dissertation habe ich deshalb untersucht, wie solche Programme in der Praxis umgesetzt werden, welche Hürden bestehen und welchen gesundheitlichen Nutzen sie tatsächlich haben. 

Die Methode 

Im Zentrum meiner Arbeit stand die Analyse des englischen Diabetes-Präventionsprogramms anhand von Routinedaten aus über einem Fünftel aller Hausarztpraxen in England. Dafür nutzte ich quasi-experimentelle Methoden – statistische Verfahren, die das Zufallsprinzip randomisierter Studien möglichst gut nachbilden, etwa die Regressions- Diskontinuitäts-Analyse. Solche Ansätze ermöglichen es, auch unter Alltagsbedingungen verlässliche Aussagen über die Wirkung von Interventionen zu treffen. Entscheidend war dabei der Zugang zu umfangreichen Daten aus der Versorgungspraxis, der diese Form der Analyse überhaupt erst möglich machte. 

Die Ergebnisse 

Meine Ergebnisse zeigen, dass Lebensstilprogramme auch im Versorgungsalltag wirksam sein können: Teilnehmende verbesserten unter anderem ihren Langzeitblutzucker, ihr Gewicht und ihre Blutfettwerte in einem Ausmaß, das mit Ergebnissen aus randomisierten Studien vergleichbar ist. Gleichzeitig wird eine zentrale Herausforderung deutlich: Nur ein Drittel der überwiesenen Personen nahm tatsächlich an den Programmen teil, und auch die leitliniengerechte Versorgung bei kardiovaskulären Risikofaktoren blieb häufig unvollständig. 

Ob solche Programme die öffentliche Gesundheit nachhaltig verbessern, hängt daher nicht nur von ihrer Wirksamkeit ab, sondern ebenso davon, wie viele Menschen sie erreichen und dauerhaft nutzen. Meine Arbeit unterstreicht zudem den Wert quasi-experimenteller Methoden für die Evaluation von Public-Health-Maßnahmen – insbesondere dort, wo klassische randomisierte Studien nicht umsetzbar sind. 

Zur Person 

Dr. Julia Lemp studierte Psychologie im Bachelor an der Universität Mainz und im Master an der Universität Heidelberg, einschließlich eines Auslandsjahres an der University of Massachusetts in den USA mit Schwerpunkt Sozialpsychologie. Anschließend wurde sie am Heidelberg Institute of Global Health der Universität Heidelberg promoviert und dabei von 2021 bis 2024 von der Studienstiftung gefördert. Seit März 2024 ist die 31-Jährige Postdoktorandin am Centre for Addiction and Mental Health in Toronto tätig.

Dr. Julia Lemp

julia.lemp(at)posteo(dot)de