Geförderte /
Porträts
José Miguel León Ninin

Promotionsthema: Arsenakkumulation in Reisfeldern
Universität BayreuthDie Förderung der Studienstiftung und des Elitenetzwerks Bayern ermöglichte José Miguel León Ninin, eigene Forschungsschwerpunkte zu setzen und seinen Karriereweg gezielt zu gestalten.
Auf den ersten Blick wirken Felder eher unspektakulär: meist grüne Pflanzen auf oft braunem Boden. Für José Miguel León Ninin sind sie hingegen ein komplexer Forschungsgegenstand, der darauf wartet, weiter entschlüsselt und verstanden zu werden. Im Zentrum steht dabei weniger das Sichtbare an der Oberfläche, sondern vielmehr das komplexe Zusammenspiel chemischer Prozesse im Boden. Die Bedeutung des Verständnisses dieses „Unten“ für das „Oben“ zeigt der aus Venezuela stammende Forscher in seinem Promotionsprojekt, das er 2025 erfolgreich an der Universität Bayreuth abschloss, am Beispiel von Reisfeldern.
Reis neigt besonders dazu, giftiges Arsen aus dem Boden und Wasser aufzunehmen, jedoch variieren die Werte je nach Region, ohne dass die Ursachen vollständig verstanden sind. Hier setzt das Promotionsvorhaben an. Die These: Regionale Unterschiede in der Arsenakkumulation im Reis lassen sich auf unterschiedliche Kultivationshistorien zurückführen, aus denen sich unterschiedliche chemische Eigenschaften der Böden ergeben. Diese beeinflussen außerdem, wie Böden unter sich verändernden klimatischen Bedingungen Treibhausgase binden und freisetzen – ein Zusammenhang, der auch für Umwelt- und Gesundheitsfragen von großer Bedeutung ist.
Wissenschaft für die Gesellschaft
Schon seit seinem Bachelorstudium in Mérida / Venezuela steht für den Umweltgeochemiker fest, dass er Wissenschaft nicht als Selbstzweck betreiben möchte: „Ich sehe meine Aufgabe nicht nur darin, Wissen zu produzieren, sondern möchte dazu beitragen, dass diese Erkenntnisse angewandt werden, um gesellschaftliche Probleme zu lösen und die Umwelt zu schützen.“ Auch sein Promotionsprojekt, für das er durch ein Promotionsstipendium der Studienstiftung gefördert wurde, verknüpfte in diesem Sinne wissenschaftliche Forschungslücken mit gesellschaftlichen Problemen.
Darüber hinaus konnte er im Rahmen des Marianne-Plehn-Programms eine Lehrveranstaltung parallel zur Promotion konzipieren und durchführen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Chemie des Klimawandels auseinandersetzte. „Während der Recherche für den Seminarplan, den Sitzungen mit den Gastdozierenden und der Leitung der Diskussionen wurde mir nochmals bewusst, dass wir bereits unglaublich viel Wissen zur Lösung aktueller Probleme gesammelt haben, die Umsetzung aber oftmals an fehlenden Kapazitäten, den politischen Entscheidungsprozessen oder an mangelndem Vertrauen in die Wissenschaft scheitert“, blickt der ehemalige Geförderte zurück.
Mérida, Bayreuth, Bonn
Seinen Werdegang betrachtend, betont José Miguel León Ninin die Bedeutung der Förderung durch die Studienstiftung und das Elitenetzwerk Bayern: „Die Unabhängigkeit von den finanziellen Mitteln und Planungen des Lehrstuhls hat es mir ermöglicht, meine eigenen Interessen zu entwickeln und diesen nachzugehen. Ich konnte frei entscheiden, was ich lehren und forschen möchte und welche Konferenzen ich besuche. So konnte ich mein Netzwerk deutlich breiter aufbauen, als es mit einer auf ein Thema festgelegten Promotionsstelle möglich gewesen wäre. Die dadurch angestoßenen Reflexionsprozesse haben mich schließlich in Richtung eines eher umsetzungsorientierten Karrierepfads geführt.“
Sein Wissen und seine Fähigkeiten möchte er nun zunächst außerhalb der Universität einbringen und dort zur Vermittlung von Wissensproduktion und Problemlösung beitragen. So ging es für den ehemaligen Stipendiaten nach der Promotion nach Bonn zur Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, bei der er sich mit Projekten rund um das europäischen Lebensmittel- und Agrarsystem beschäftigt.

