Jil Wendt: „Wir unterstützen Kliniken dabei, ihren Speiseplan für eine gesunde und nachhaltige Ernährung zu optimieren“

Die Stipendiatin Jil Wendt möchte Kliniken dabei begleiten, ihr Speiseangebot zu optimieren. Ziel des Projekts „INGE“ ist es, eine gesunde und nachhaltige Ernährung während eines Krankenhausaufenthalts und damit auch Genesungsprozesse zu fördern, so die Studentin der Humanmedizin.

Jil Wendt ist in Berlin aufgewachsen und hat dort am Französischen Gymnasium das Baccalauréat absolviert. Seit 2017 studiert sie Humanmedizin an der Technischen Universität München und befasst sich insbesondere mit Klimawandel und Gesundheitsprävention. Derzeit forscht sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit im Bereich der Neurologie zur kognitiven Entwicklung von frühgeborenen Kindern. Die 24-Jährige zählt zum erweiterten Gründungsteam des Projekts „INGE“ – der Initiative für nachhaltige und gesunde Ernährung, die das Speiseangebot in Kliniken verbessern möchte. Seit 2020 ist sie Stipendiatin der Studienstiftung.

Interview mit Jil Wendt

Warum setzen Sie sich für ein verändertes Speiseangebot in Krankenhäusern ein?

Ich habe in meinen Praktika im klinischen Alltag erlebt, welche Speisen in Kliniken auf die Teller kommen. Es gibt oftmals helle Brötchen mit Marmelade zum Frühstück, deftige Hausmannskost zum Mittag. Man geht in die Klinik, um gesund zu werden – aber das Klinikessen wird bisher zu selten als Teil des Therapiekonzepts aufgefasst. Dabei kann gerade in Kliniken der Wandel zur Ernährungsumstellung beginnen.

Warum setzen Sie im Klinikalltag an?

Ein Klinikaufenthalt stellt für viele Menschen einen kritischen Lebensabschnitt dar, der auch eine günstige Gelegenheit für eine Ernährungsumstellung bieten kann. In einer Klinik können viele Menschen erreicht werden, nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern auch Beschäftigte in der Kantine. Das Ernährungsverhalten ist etwas, das man selbst aktiv in der Hand hat. Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal genießen ein hohes Vertrauen und können Patientinnen und Patienten die Vorteile einer vollwertigen, pflanzenbasierten Ernährung nahelegen.

„Kliniken können eine Vorbildfunktion einnehmen für eine nachhaltige, gesunde und schmackhafte Ernährung.“

Welchen Ansatz verfolgen Sie in Ihrem Projekt?

Mit „INGE“ wollen wir Kliniken motivieren und begleiten, ihr Speisenangebot hin zu einem gesunden, nachhaltigen und leckeren Essen für Patientinnen und Patienten sowie Beschäftigte zu optimieren. Wir orientieren uns an der „Planetary Health Diet“. Ein Zusammenschluss namhafter Forscherinnen und Forscher verschiedener Disziplinen und Länder hat dieses Ernährungsmodell entwickelt, das die Gesundheit des Menschen und des Planeten gleichermaßen berücksichtigt. Das Speiseangebot sollte idealerweise zur Hälfte aus Gemüse und Obst bestehen, einen hohen Pflanzenteil aufweisen, mehr Nüsse und Vollkornprodukte umfassen und weniger gesättigte Fettsäuren; tierische Proteine und rotes Fleisch sollten reduziert werden. Das aktuelle Ernährungsverhalten in Deutschland wird diesem Modell leider nicht gerecht, eine mangelhafte Ernährung kann zu einer Vielzahl chronischer Erkrankungen führen, darunter Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht.

Was haben Sie mit Ihrem Projekt bereits bewirkt?

Wir haben ein Konzept erarbeitet und dieses Caterern und Klinikleitungen vorgestellt, jetzt startet die Umsetzung. Wir konnten einen Caterer von einem Pilotprojekt überzeugen, den Speiseplan anzupassen, mehr vollwertige Angebote sowie eine komplett pflanzliche Menülinie zu realisieren. Mithilfe dieses Caterers soll das Projekt „INGE“ voraussichtlich im Frühjahr 2022 in einer Klinik in Düsseldorf starten. Hierzu zählt, dass wir Pflegepersonal schulen und Patientinnen und Patienten mit Flyern informieren möchten.  „INGE“ soll zudem  wissenschaftlich begleitet werden.

Wie können interessierte Personen Ihr Projekt unterstützen?

Studierende und Berufstätige aller Gesundheitsberufe sind willkommen, um unsere „INGE“-Gruppe zu verstärken; ebenso Menschen mit Fähigkeiten in den Bereichen Design, Marketing oder Social Media. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung dabei, Essen an Kliniken nachhaltiger und gesünder zu gestalten.

Wie sind Sie zur Studienstiftung gekommen?

Ich kam relativ spät in die Studienstiftung und bin dankbar, dass auch während des Studienverlaufs eine Aufnahme in die Studienförderung möglich ist. Mein Baccalauréat habe ich an einem französischen Gymnasium absolviert, ich kannte niemanden, der über Stipendien informiert hat – das war in der Schulzeit kein Thema. Aufgrund meiner Leistungen  im Physikum wurde ich in die Förderung aufgenommen.

Weitere Informationen

  • Kontakt: Jil Wendt, jil.wendt[at]fs.tum.de und inge[at]pan-int.org
  • Website: Website des Projekts
  • Spenden: Spenden sind möglich über das Spendenkonto von Health for Future Berlin: healthforfuture.de/aktiven-spende/. Wählen Sie bei „Wählen Sie einen Spendenzweck” „H4F Berlin” aus. Schreiben Sie dann eine E-Mail an inge@pan-int.org mit folgenden Infos: Datum und Geldbetrag der Spende. So kann Ihre Spende dem INGE-Projekt zugeordnet werden.

Stand: Dezember 2021

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