Athina Ntefidou: „Es wird viel zu viel nicht kompostierbarer Müll in die Natur geworfen. Ein Wahnsinn, was wir alles aus dem Busch ziehen“

Athina Ntefidou organisiert einmal im Monat Müllsammelaktionen in Mainz. So konnten viele Dutzend Säcke Plastik- und Sperrmüll aus Sträuchern und Wiesen entfernt werden. Von verrosteten Dosen und Einwegbechern über Elektroschrott  bis zu Teppichen, Zigarettenkippen,  alten Masken oder auch einer Sonnenliege ist alles dabei. Die 22-jährige Ntefidou sagt, es sei „einfach Wahnsinn“, was sie entlang des Rheins „alles aus dem Busch ziehen“.

Athina Ntefidou ist in der Kleinstadt Maulbronn in Baden-Württemberg aufgewachsen. Nach ihrem Abitur nahm sie 2018 das Studium an der Universität Mainz auf. Die 22-Jährige studiert Physik mit einem Schwerpunkt im Bereich Meteorologie, derzeit befasst sie sich mit Quantenmechanik und Teilchenphysik. Seit 2018 ist sie Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes. Über einen Newsletter der Studienstiftung zum Thema Engagementpreise wurde sie auf das vielfältige gesellschaftliche Engagement von Stipendiatinnen und Stipendiaten aufmerksam und startete vor  einem Jahr selbst die Aktion „Müllsammeln in Mainz“.

    Interview mit Athina Ntefidou

    Frau Ntefidou, Sie sammeln gemeinsam mit weiteren Personen Müll in Mainz. Wie gehen Sie vor?

    Beim Joggen am Rheinufer mit Freunden fiel mir vor zwei Jahren auf, dass so viel Müll in der Natur liegt. Beim nächsten Mal nahmen wir jeder einen Müllbeutel mit – wir waren fünf Minuten joggen und drei Stunden Müllsammeln. Seitdem sammeln wir einmal im Monat in Mainz für einige Stunden Müll – im Park, am Rheinufer, an Straßen und Haltestellen. Auch das verstärkte Aufstellen von Mülleimern führt leider nicht zu mehr Sauberkeit im Stadtbild, es ist Wahnsinn, wie viel Müll wir finden und aus den Büschen ziehen. Wir haben bereits Dutzende Säcke Plastik- und Sperrmüll aus Sträuchern und Wiesen in Mainz entfernt. Dabei nutzen wir spezielle Mülltüten und ausgeliehene Müllgreifer von der Stadtreinigung, die anschließend auch die Müllbeutel entsorgt. Aktuell sind wir etwa zehn bis 15 Personen im Projekt.

    Warum machen Sie das?

    Es wird viel zu viel nicht kompostierbarer Müll in die Natur geworfen, er verschwindet also nie und die Stadtreinigung kann diese Mengen auch nicht allein bewältigen. Daher will ich aktiv Müll entfernen und zudem mehr Problembewusstsein schaffen.

    „Es soll alltäglicher werden, ein Stückchen Müll aufzuheben. Wir können einen Trend entstehen lassen – es sollte cool werden, sich für korrekte Müllentsorgung einzusetzen. Deshalb kommuniziere ich unsere Müllsammelaktionen via Social Media.“

    In Social Media dokumentieren Sie Ihre Müllsammelaktionen, zeigen die Funde in Bilderstrecken – darunter verrostete Dosen, Einwegbecher und Elektroschrott.

    Ich teile die Eindrücke aus dem Müllsammel-Alltag, um zu zeigen: Jeder kann loslegen, jederzeit. Dabei kommentiere ich das ernste Thema mitunter humorvoll, etwa: „Falls ihr eure Wohnung einrichten wollt, schaut doch gerne erst mal im örtlichen Park nach – da findet man manchmal Teppiche im Gebüsch! Bei uns waren es sogar drei. Und wenn man bei dieser kalten Jahreszeit mal die Handschuhe vergisst, macht nix! Ein Blick auf den Boden kann auch so manchen Handschuh bescheren.“ So will ich mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Vermüllung richten. Über Social Media erhalten wir positives Feedback, Bürgerinnen und Bürger erfahren von unseren Müllaktionen und schließen sich uns an, so dass immer mal wieder zwei neue Gesichter bei unseren Terminen mitwirken.

    Wie sind Sie zur Studienstiftung gekommen?

    Meine Schule in Maulbronn hat mich vorgeschlagen – als ich einen Brief der Studienstiftung erhielt, habe ich mich sehr gefreut, aber erst nicht getraut, mich zu bewerben. Ich habe dann versucht, mich nicht unter Druck zu setzen – und mich dem Verfahren erfolgreich gestellt.

    Weitere Informationen

    Stand: Dezember 2021

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