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Porträts
Malin Sonja Wilckens

Geschichte
Universität BielefeldDr. Malin Sonja Wilckens erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis der Studienstiftung 2025 für ihre Dissertation Schädelvergleiche und die Ordnung der Welt – Rassifizierung in der Wissenschaft (1780–1880). Ihre Studie analysiert die wissenschaftlichen Praktiken des Sammelns und Vergleichens von Schädeln im Wechselspiel von Global- und Mikrogeschichte und entwickelt daraus ein neues Verständnis der anthropologischen „Rassentheorien“ des 19. Jahrhunderts.
Die Forschungsfrage
Häufig beginnen (historische) Untersuchungen der „Rasse“-Kategorie mit gedruckten Büchern. Seltener hingegen werden die Entstehung dieser Bücher und ihre materiellen Bezugspunkte perspektiviert. Welche Praktiken führten zu den anthropologischen „Rassentheorien” in der vergleichenden Anatomie in Europa und den USA im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert? In welchem Wechselverhältnis standen diese zuglobalen Dynamiken? Die „Rassentheorien” des Langen 19. Jahrhunderts etablierten eine globale Ordnung der Menschen, die sich erst richtig verstehenlässt, wenn die Sammel- und Vergleichsprozessemenschlicher Schädel aufeinanderbezogen und transnational untersucht werden.
Die Methode
In der globalgeschichtlich ausgerichteten praxeologischen Mikrostudie gehe ich von einem vielschichtigen Beziehungsgeflecht der Gegenstände aus und kann damit nicht nur die Aushandlung globaler Einheiten lokal erfassen, sondern gleichermaßen die globalen Einheiten als Produkt mikrohistorischer Aktivitäten deuten. Konkret habe ich dafür unter anderem handschriftliche Briefe und Forschungsnotizen transkribiert und die Praktiken der Akteure in Wechselwirkung zu lokalen und globalen Kontexten gedeutet.
Die Ergebnisse
Eine Kombination verschiedener Wissenspraktiken beförderte den „Erfolg” von „Rassetheorien”. Das Sammeln menschlicher Schädel beeinflusste das Vergleichen und somit die variablen Klassifikationen und Ordnungsbegriffe. Der Schädel als Sitz des Gehirns stieg zum maßgeblichen Differenzkriterium der naturgeschichtlichen Klassifikationen auf, auch weil er in vielfacher Hinsicht sammel-, mess- und vergleichbar war. Die spätaufklärerisch-koloniale Praxis der Schädelforschungging in eine imperiale und anschließend nationale Wissensproduktion über, die bis in heutige Rassismen nachwirkt.
Zur Person
Dr. Malin Sonja Wilckens studierte im Bachelor Geschichts- und Politikwissenschaft in Göttingen und schloss ihr Masterstudium in Geschichte an der Universität Bielefeld ab. Während ihrer von der Studienstiftung geförderten Promotion an der Universität Bielefeld absolvierte sie Forschungsaufenthalt ean der Stanford University und am Deutschen Historischen Institut in Washington. Nach Stationen als Mitarbeiterin an den Universitäten Bielefeld und Kiel ist die 32-Jährige seit 2023 als Postdoktorandin am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz tätig.
Weitere Informationen
- Preisverleihung der Studienstiftung 2025
Stand: Mai 2025

