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Stipendiatinnen und Stipendiaten / 

Porträt

Khaled Alkhallawi

© Nicole Wirtz

Architektur

Frankfurt University of Applied Sciences

Khaled Alkhallawi gehört zu den ersten Stipendiatinnen und Stipendiaten, die über den neuen Zugangsweg für Geflüchtete in die Studienstiftung aufgenommen wurden. Geboren in Aleppo, hat er 2013 bereits einen Bachelorabschluss an der dortigen Universität gemacht, bevor er über den Libanon vor dem Krieg floh und 2015 nach Deutschland kam.

Herr Alkhallawi, wie haben Sie vom Stipendium der Studienstiftung erfahren?

Nach meiner Teilnahme an dem Programm „Willkommensjahr Architektur“ der Frankfurt University of Applied Sciences hat die Programmleitung sich entschieden, mich für die Studienstiftung zu nominieren, um mir ein Masterstudium zu ermöglichen. Zu dieser Zeit stand ich vor der Entscheidung, entweder sofort ins Berufsleben einzusteigen oder meine akademische Laufbahn fortzusetzen.

Im April 2018 haben Sie am Auswahlseminar der Studienstiftung teilgenommen. Wie haben Sie das Wochenende erlebt?

Da ich am Tag vor dem Auswahlseminar eine Zusage für ein Stipendium des Hessischen Ministeriums  erhalten hatte, bin ich relativ entspannt in das Seminar gegangen und konnte mich gut auf die Themen konzentrieren, die zur Diskussion gebracht wurden. Die intensive Auseinandersetzung mit den Interviewpartnern hat mich über vieles nachdenken lassen: einerseits über das, was ich bisher erlebt und erreicht habe, andererseits aber auch darüber, was für mich im Leben von Bedeutung ist und was ich in der Zukunft möchte.

Außerdem war es sehr spannend, in so kurzer Zeit viele interessante Menschen kennenzulernen und gleich mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Mit einigen von ihnen bin ich noch gerne in Kontakt. 

Sie sind seit April 2018 in der Förderung der Studienstiftung. Hatten Sie schon Gelegenheit, Ihre Stipendiatengruppe in Frankfurt kennen zu lernen?

Trotz meines zeitintensiven Studiums gelang es mir im Laufe des vergangenen Semesters auf verschiedenen Veranstaltungen in Frankfurt einige Stipendiaten kennenzulernen und mit ihnen in Kontakt zu kommen.

Unser letztes Vertauensdozentengruppentreffen haben ein anderes Mitglied und ich organisiert, was mir viel Spaß gemacht hat. Wir haben uns bei dem Treffen mit der Herkunft von Namen beschäftigt und so viel voneinander erfahren.

Sie haben in Aleppo bereits ein Bachelorstudium im Fach Architektur absolviert. Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten fachlichen Unterschiede zwischen dem Architekturstudium in Syrien und in Deutschland?

Da das Architekturstudium an jeder Universität auch innerhalb eines Landes anders ist, bleibe ich bei dem Vergleich zwischen Aleppo und Frankfurt.

Die Hauptfächer in Aleppo waren Entwerfen, Konstruieren und Städtebau. Das Lernziel bestand darin, funktional zu bauen und die in Aleppo vorhandenen Baumaterialien einzusetzen. Ausgehend vom Grundsatz „Form follows function“ wurde viel Zeit in die Planung von Grundrissen investiert, Modellbau war von untergeordneter Bedeutung. Über die allgemeine Architektur hinaus wurde fundiertes Grundwissen in Gebäudetechnik verlangt.

Die Studentinnen und Studenten in Frankfurt konzentrieren sich hauptsächlich auf das Entwerfen und Konstruieren, wobei man mit einer Vielzahl von Konstruktionsweisen und Materialien experimentiert und jeden Schritt anhand von Modellen visualisiert. In den Entwurfsplänen wird ein hoher Detaillierungsgrad erwartet. Exkursionen und Entwurfsbesprechungen regen die Kreativität an und stellen einen Praxisbezug her.

Konnten Sie Unterschiede im Hochschulsystem feststellen, also zum Beispiel im Umgang mit den Lehrenden oder der Studierenden untereinander?

In Syrien war das Hochschulsystem stark hierarchisch geprägt, ein konstruktiver Dialog zwischen Lehrenden und Studierenden war kaum möglich. Deswegen entstand ein verschultes System, in dem Dozenten befehlen und Studenten zuhören sollten.

Der gegenseitig respektvolle Umgang von Lehrenden und Studierenden in Frankfurt ermöglicht eine entspannte Lernatmosphäre und lässt viel Raum für kreative Entfaltung. Der multikulturelle Hintergrund der Dozenten und Studenten bereichert die Zusammenarbeit.

Unter den Studenten besteht sowohl in Aleppo als auch in Frankfurt ein lockeres Verhältnis.

Was war für Sie die besondere Herausforderung  in den ersten Monaten in Frankfurt bzw. in den ersten Monaten an der Hochschule?

Mein Bachelor in der Heimat aus dem Jahr 2013 beinhaltete naturgemäß einige andere Inhalte und Vorgehensweisen als das Studium in Deutschland, so dass ich mir im ersten Semester das fehlende Wissen (zum Beispiel über die Qualität der Architektur und die Bauweise in Deutschland) aneignen musste. Dank der guten Kontakte zu einigen DozentenInnen und Studierenden habe ich es im Endeffekt geschafft, auf dem gleichen Niveau arbeiten zu können.

Was bedeutet Ihnen das Stipendium der Studienstiftung?

Dank des Stipendiums der Studienstiftung habe ich nicht nur die finanzielle Sicherheit, mich ganz auf mein Studium konzentrieren zu können, sondern durch die Nutzung des Bildungsangebotes auch die Möglichkeit, meinen Horizont in vielfältigen Bereichen zu erweitern und mich mit anderen Stipendiaten auszutauschen.

Haben Sie schon bestimmte Veranstaltungen oder Aktivitäten im Bildungsangebot der Studienstiftung ins Auge gefasst, an denen Sie gerne teilnehmen möchten?

Aufgrund meines besonderen Interesses an fremden Ländern und Kulturen möchte ich vor allem das Sprachkurs- und Exkursionsangebot nutzen. Ich habe mich sehr über Zusage für den Spanischsprachkurs in Barcelona gefreut.

Stand: August 2019