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Porträt

Sema Gedik

Modedesign und Bekleidungstechnik

Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Auf die Frage, warum sie Mode mit sozialen Aspekten verknüpft, antwortet Sema Gedik: „Mode setzt grundsätzlich Statements, zeigt Präsenz, aber sie wirkt oftmals unnahbar und verkörpert ein ‚unnatürliches Ideal‘. Ich habe mich immer gefragt, wie Mode näher an den Menschen kommen kann.“ (Bild: © Martin Diepold)

Das Ergebnis dieses Denkprozesses ist das Projekt „Auf Augenhöhe“, mit dem sie Bekleidung für Menschen mit Kleinwuchs entwirft und das sie während ihres Bachelorstudiums begonnen hat. Sema Gediks Projekt ist ambitioniert: Ein Ziel im Rahmen ihres Masterstudiengangs ist es, die weltweit erste Konfektionsgrößentabelle für Menschen mit Kleinwuchs zu entwickeln. Dafür hat sie bis jetzt rund 400 Menschen vermessen. Je mehr Daten, desto besser die Passform.

Das Stipendium schafft Perspektiven für ihre Vision

Nach ihrem Bachelorstudium regt ihr Professor die Bewerbung für die Fachhochschulförderung bei der Studienstiftung an. Er ist der erste, der sie auf diese Möglichkeit aufmerksam macht, denn in der Generation ihrer Eltern hat niemand studiert. Und auch nach diesem ersten Gespräch sind sie und ihr privates Umfeld unsicher, ob mit ihrem Migrationshintergrund ein Stipendium bei der Studienstiftung des deutschen Volkes überhaupt realistisch ist. Dies erweist sich als Fehleinschätzung – ihre Bildungsbiografie wird wertgeschätzt, und ihr langjähriges soziales Engagement in den verschiedensten Organisationen sowie ihre sehr guten Noten überzeugen.

Die finanzielle und ideelle Förderung eröffnen ihr viele Wege. Hatte sie schon während des Bachelorstudiums ein Jahr am Amsterdamer Fashion Institute studiert, geht sie jetzt für ein Auslandssemester nach Santiago de Chile. Nach dem Auslandssemester dient der Sprachkurs in Málaga zur Vertiefung der spanischen Sprachkenntnisse.

Sie nutzt von Beginn an intensiv die Möglichkeiten der ideellen Förderung. Auf zahlreichen Treffen ihrer Hochschulgruppe lässt sie sich von Gesprächen und Vorträgen anregen. Politische Themen inspirieren zur Auseinandersetzung mit dem gängigen Mode- und Kunstverständnis. Die Kontakte zu Stipendiaten aus anderen Fachrichtungen erweitern den eigenen Horizont und prägen ihre Arbeit mit der Mode.

„Die Förderung der Studienstiftung ist für mich nicht nur eine Unterstützung meines Studiums, sondern ein ganz wesentlicher Impuls für die Weiterentwicklung einer langfristigen Perspektive meiner Vision: Mode soll nicht an sozialen Dimensionen scheitern.“

Die nächsten Schritte

Sema Gedik hat schon konkrete Pläne für die Zeit nach dem Master. Das Projekt „Auf Augenhöhe“ wird sich weiterentwickeln, da ist sie sich sicher. „Das hatte ich eigentlich nie wirklich vor. Ursprünglich wollte ich in einem großen Modeunternehmen arbeiten. Aber die Selbstständigkeit ist der nächste logische Schritt im Rahmen des Projekts.“

Dazu gestaltet sie „Auf Augenhöhe“ so um, dass es als Unternehmen funktioniert, gemeinsam mit Jan Siegel, der sich um Finanzen und Strategien kümmert, und Laura Knoops, verantwortlich für Marketing und Kommunikation. Unterstützt werden die drei von einem Stipendium des Startup Incubator Berlin, einem Gründungszentrum mehrerer Hochschulen in Berlin.

Die nächsten Ziele sind, die Kollektion und die Konfektionsgrößen über das Internet zugänglich zu machen und sie bei größeren Modefirmen zu platzieren. Dazu gehört auch ihr Plan: eine Tabelle mit Konfektionsgrößen für Schuhe für Menschen mit Kleinwuchs.

Stand: November 2017

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