Stipendiaten / 

Porträt

Artem Bliznyuk

Ingenieurwissenschaften

TU München

Artem Bliznyuk studiert Ingenieurwissenschaften an der TU München – und geht parallel einer Vielzahl von Engagements nach, vor allem als Botschafter der Studienstiftung und Stipendiatensprecher an der Hochschule. Seine Überzeugung: Am Ende wird alles gut – und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.

Artem Bliznyuk sitzt in der Bahn, als er eine SMS von seiner Mutter erhält. Ein Brief von der Studienstiftung sei angekommen, so die Mutter. Nervosität und Ungewissheit, wie sich die Studienstiftung entschieden haben könnte, machen sich breit. Die Sorgen und Zweifel lösen sich jedoch auf als er zu Hause den Brief öffnet und erfährt, dass es mit dem Stipendium geklappt hat. Die Freude ist groß, die Familie stolz.

Doch wie ist Artem Bliznyuk zur Studienstiftung des deutschen Volkes gekommen? Was bedeutet die Studienstiftung für ihn? Wofür und warum setzt sich der Student der TU München ein?

Neue Heimat Deutschland

Artem Bliznyuk wird 1994 in St. Petersburg/Russland geboren. Als er sieben Jahre alt ist, siedelt seine Familie nach Deutschland über. Die Anfangszeit in der neuen Heimat ist für seine Familie nicht einfach. Denn schließlich stehen sie vor der Herausforderung, sich in eine neue Sprache und Umgebung einzufinden und einzuleben. Zu dieser Zeit lebt Bliznyuk zwar in eher bescheidenen Verhältnissen, aber er kommt gut zurecht. Er geht gerne zur Schule, lernt schnell die Sprache und findet neue Freunde.

Auf dem Gymnasium interessieren ihn die naturwissenschaftlich-mathematischen Fächer am meisten. „Diese Leidenschaft verdanke ich vermutlich meinen Eltern. Mein Vater arbeitet als Softwareingenieur, meine Mutter ist Wirtschaftswissenschaftlerin“, sagt Artem Bliznyuk. Sein Wissensdurst wird allein durch den Lernstoff in der Schule nicht gestillt: So besucht er Mathematik-Vorlesungen für Schülerinnen und Schüler an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Außerdem nimmt er regelmäßig an Mathematik-Olympiaden teil, bei den Landeswettbewerben 2009 und 2010 belegt er den zweiten und den dritten Platz. So scheint es nur logisch, dass sich Artem Bliznyuk nach dem Abitur für Ingenieurwissenschaften an der TU München einschreibt.

Aber Schule ist für Artem Bliznyuk viel mehr als nur Unterricht. Er verbringt gerne Zeit mit anderen, hat Spaß daran, sich für die Gemeinschaft zu engagieren. So ist er zum Beispiel Tutor für jüngere Schülerinnen und Schüler, organisiert gemeinsame Aktionen wie Ausflüge oder Feiern, um das Schulleben aufregender zu gestalten. Außerdem spielt Artem Bliznyuk Kontrabass im Orchester und in der Big Band seines Gymnasiums sowie parallel als Bassist bei den „Vivaldi-Tiger“, dem Jugendorchester des Vivaldi-Orchesters Karlsfeld. „Was als Experiment begann, ist heute ein wichtiger Teil meines Lebens. Seit einigen Jahren spiele ich nun auch im ‚erwachsenen‘ Vivaldi-Orchester. Neben den regulären Proben und Konzerten nehmen wir regelmäßig an Wettbewerben wie den bayerischen und bundesdeutschen Orchesterwettbewerben teil – eine tolle Erfahrung!“

Botschafter für mehr Bildungsgerechtigkeit

Nach dem Abitur beginnt Artem Bliznyuk im Wintersemester 2013/2014 den Studiengang Ingenieurwissenschaften an der TU München. Es entpuppt sich schnell als richtige Entscheidung, bietet das Studium doch genau das, was er sich wünscht: möglichst breitgefächert die Grundlagen technischer und naturwissenschaftlicher Fächern kennenlernen.

Neben dem Studium setzt Artem Bliznyuk fort, was er bereits in der Schule gerne getan hat: Er engagiert sich. Zunächst als Leiter der Fachschaft seiner Fakultät, dann auch im Fachschaftenrat, dem höchsten studentischen Gremium an der TU München. Hier geht es um wichtige hochschulpolitische Fragestellungen, die alle Studierende betreffen. Und schließlich, nach Aufnahme in die Studienstiftung im April 2014, bringt sich Artem Bliznyuk ins Botschafterprogramm der Studienstiftung ein.

In diesem Programm engagieren sich Stipendiatinnen und Stipendiaten ehrenamtlich für mehr Chancen- und Bildungsgerechtigkeit. Bei Schulbesuchen, auf Schul- und Hochschulmessen informieren sie über Möglichkeiten der Studienfinanzierung, etwa über Stipendien und erzählen, wie sie selbst den Weg zum Studium gefunden haben. Im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern im persönlichen Kontakt zur Aufnahme eines Studiums und informieren etwa bei Schulbesuchen sowie auf Schüler- und Hochschulmessen insbesondere über die Themen Studienfinanzierung, Stipendienangebote und die Bewerbungsmöglichkeiten bei der Studienstiftung. Auf diese Weise soll insbesondere für Erstakademiker und junge Menschen mit Migrationshintergrund die Hemmschwelle gesenkt werden, ein Studium aufzunehmen und die Möglichkeiten eines Stipendiums auszuschöpfen.

Artem Bliznyuk hofft, viele junge Menschen mit seinen persönlichen Werdegang ermutigen und inspirieren zu können. „Die Studienstiftung gibt mir die Möglichkeit, verschiedene Menschen kennenzulernen, von ihnen zu lernen, um mich dadurch auch selber weiterzuentwickeln. Ich wiederum möchte mein Wissen und meine Erfahrungen ebenfalls weitergeben.

Stipendiatensprecher an der Hochschule

Das tut er in der Studienstiftung neben seinem Engagement als Botschafter auch als Stipendiatensprecher. 2015 wurde er in das Ehrenamt gewählt. Seine Aufgaben: Vor Ort gemeinsame Aktivitäten anstoßen und den Draht zwischen Stipendiaten, Vertrauensdozenten und Geschäftsstelle halten. Etwa bei der Jahrestagung der Stipendiatensprecher. Im Oktober 2016 findet mit rund 160 Stipendiatensprecherinnen und -sprechern aus ganz Deutschland in Köln das bislang größte Treffen statt.

Ein thematischer Schwerpunkt der Veranstaltung ist die Frage, wie die Sprecherteams an ihren Hochschulorten andere Stipendiatinnen und Stipendiaten zum Mitmachen animieren können. Impulse gibt ein Vortrag von Christiane Biedermann, Programm-Leiterin Bürgerstiftungen bei der Stiftung Aktive Bürgerschaft. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit Sprecherinnen und Sprechern unterschiedlicher Hochschulorte tauschen die Teilnehmer der Tagung ihre Erfahrungen und Ideen zu diesem Thema aus.

Auf dem Podium sitzt auch ein gut gelaunter und leidenschaftlich erzählender und diskutierender Artem Bliznyuk. Er fühlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle als Sprecher. Und es läuft auch gut für ihn und das fünfköpfige Sprecherteam der Regionalgruppe München. Das liegt nicht nur an der schieren Masse von fast 800 Stipendiatinnen und Stipendiaten an den Münchner Hochschulen, sondern auch am inhaltlichen Ansatz: „Wir sind für jeden Vorschlag offen, alles ist möglich“, sagt Artem Bliznyuk.

Selbst ein Fan des Gesellschaftsspiels Die Werwölfe vom Düsterwald, organisierte er eine Gruppe von Stipendiaten und Freunden, die sich regelmäßig zum Spielen treffen. Die Angebote an die Stipendiaten sind entsprechend vielfältig und reichen von der selbst organisierten Vorlesungsreihe bis zum Tanzkurs.

Wer etwas auf die Beine stellen möchte, ist in Bliznyuks Augen ein „Aktivitäten-Leiter“. Wer mag, erhält die größtmögliche Unterstützung seitens des Sprecherteams. Aber wer unabhängiger agieren möchte, ist auch gerne gesehen. „Ich finde es sehr wichtig, einer neuen Idee mit der größtmöglichen Wertschätzung entgegenzutreten, das heißt wenn jemand mit einer Idee auf mich zukommt, zum Beispiel bei unserem Stammtisch, dann ist es mir wichtig, die Begeisterung aufzugreifen, zu spiegeln und weiter zu entfachen.“

Stand: August 2017