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Porträt

Max Sonnenschein

Politik und Wirtschaft

Universität Münster

Bei Max Sonnenschein dreht sich (fast) alles um Politik: Er studiert Politik und Wirtschaft an der Universität Münster und engagiert sich neben dem Studium in der SPD. Aber auch der Film hat es dem 23-jährigen Stipendiaten angetan.

„Politik ist alles andere als langweilig, denn fast alles ist politisch beziehungsweise mit Politik verbunden. Das schließt insbesondere wirtschaftliche, geschichtliche, kulturelle und gesellschaftliche Fragen ein, was ich schon seit meiner Schulzeit immer sehr aufregend gefunden habe", sagt Max Sonnenschein. Und das Politische fängt bereits auf kommunaler Ebene an: Er stammt aus Voerde, einer Kleinstadt am Niederrhein im Kreis Wesel, die seit Jahren hochverschuldet ist und darum kämpft, ihren Haushalt zu konsolidieren. Max Sonnenschein spürt die finanzielle Notlage der eigenen Kommune als junger Mensch an vielen Stellen. Das fängt bei Radwegen an, die so marode sind, dass man sie kaum befahren kann. Jugendzentren, die keine Freizeitangebote mehr gestalten können, da sievollkommen unterfinanziert sind. Oder Sportvereinen, denen selbst wenige Hundert Euro an Fördermitteln noch gestrichen werden.

All das zeigt ihm, wie stark kommunalpolitische Angelegenheiten den Alltag und die Lebensqualität der Menschen bestimmen. „Wir haben diese Probleme natürlich im Freundeskreis diskutiert. Ich habe mich dann 2013 entschieden, einen Schritt weiterzugehen und mich politisch in der SPD zu engagieren, um mich für Themen stark zu machen, die junge und alte Menschen bewegen“, sagt Max Sonnenschein.

Studium von Politik und Wirtschaft

Dabei gehören für ihn politische und wirtschaftliche Fragen zusammen – ein Zusammenhang, den er in der Politik leider oftmals außer Acht gelassen sieht. „Politische und wirtschaftliche Diskurse sollten meiner Meinung nach immer zusammen geführt werden, da sich Politik und Wirtschaft wechselseitig inhärent bedingen, sagt Max Sonnenschein.

Aus diesem Grund schreibt er sich 2015 für den Studiengang „Politik und Wirtschaft’’ an der Universität Münster ein. Hier studiert er sowohl Politikwissenschaft als auch Wirtschaftswissenschaften in einem Studiengang, die über sogenannte Integrationsmodule miteinander verzahnt sind. „Dadurch werde ich mit beiden Perspektiven vertraut, was in der Parteiarbeit und auch in anderen politischen bzw. wirtschaftlichen Organisationen nach wie vor eine Nische ist. Beruflich kann ich mir damit sowohl die Arbeit in der Politikberatung als auch in öffentlichen Institutionen oder Ministerien offenhalten, sagt Max Sonnenschein.

Politisches Mandat in seiner Heimatstadt

Auch in seiner Freizeit steht natürlich die Politik an erster Stelle. Seit dem Jahr 2014 hat Max Sonnenschein mit dem Amt des sogenannten Sachkundigen Bürgers ein Mandat in seiner Heimatstadt Voerde inne und ist Mitglied der dortigen SPD-Fraktion. Diese Art von Amt ist für ihn als Student ein guter Weg, sich direkt an den aktuellen politischen Diskussionen zu beteiligen und die politische Arbeit in seiner Stadt mitzugestalten. Daneben ist er Vorsitzender der Jusos, der Jugendorganisation der SPD, in seiner Heimatkommune.

Was Max Sonnenschein immer wieder feststellt, ist, wie wichtig es ist, sich insbesondere als junger Mensch politisch zu engagieren und die Sichtweise der Jüngeren in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. Eine Perspektive, die er in vielen Stadträten und Parlamenten vermisst. „Die Entscheidungen, die auf allen Ebenen der Politik getroffen werden, betreffen oftmals gerade den Alltag junger Menschen und ihre Zukunft. Deshalb finde ich, dass Parteien, die tatsächlich gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wollen, viel mehr auf Nachwuchs schauen sollten“, sagt Max Sonnenschein.

Als Sachkundiger Bürger setzt sich Max Sonnenschein gemeinsam mit seiner Ratsfraktion 2015, als die Flüchtlingsbewegung nach Deutschland zunimmt und das erste Mal von einer „Krise" die Rede ist, mit der Aufnahme von Flüchtlingen in seiner Kommune auseinander. „Das war gewiss kein leichtes Unterfangen, da die Stadt, wie auch viele andere Kommunen, so gut wie nicht darauf vorbereitet war und nur wenige Wochen Zeit hatte, entsprechende Unterkünfte einzurichten“, sagt Max Sonnenschein.

Die Zahl neuankommender Flüchtlinge ist inzwischen stark zurückgegangen. Was für viele Kommunen wie Sonnenscheins Heimatort  nach wie vor eine enorme Herausforderung darstellt, ist die nachhaltige Integration von Geflüchteten. Eine auch wirtschaftlich relevante Frage, kann die Einbindung von Flüchtlingen doch auch dazu beitragen, die Auswirkungen des demographischen Wandels auf den Arbeitsmarkt besser zu bewältigen. „Ich habe mit vielen Unternehmen gesprochen, die bereits händeringend Auszubildende suchen. Einige von ihnen konnten schon jetzt mit jungen Geflüchteten fündig werden, sagt Max Sonnenschein.

Dokumentarfilm über Flüchtlinge

Bereits im Sommer 2014 setzt sich Max Sonnenschein mit der Flüchtlingsthematik auseinander. Als Teil eines Filmteams des Regisseurs Adnan G. Köse ist er bei der Produktion eines Dokumentarfilms über das Leben von Flüchtlingen in den Kommunen Dinslaken und Voerde dabei. „Von einer ‚Krise‘ war zu diesem Zeitpunkt zwar noch keine Rede. Dennoch ist es mit dem Film gelungen, interessante und auch bewegende Einblicke in die Situation von Flüchtlingen in unserem Land zu liefern“, sagt Max Sonnenschein. Der Film mit dem Titel „Letzte Zuflucht" lief bei verschiedenen Filmfestivals , zum Beispiel den Hofer Filmtagen. „Die Erfahrung des Drehs hat mich politisch durchaus geprägt, da wir als Team direkt mit den einzelnen Schicksalen der Flüchtlinge konfrontiert wurden. Das war nicht immer einfach, hat mir jedoch verdeutlicht, dass es unsere Pflicht sein muss, Menschen, die vor Krieg und Konflikt fliehen, aufzunehmen und ihnen zu helfen. Das ist unsere humanitäre Verantwortung.“

Die Freude am Filmemachen bringt Sonnenschein auch in ganz eigene Projekte ein: Seit seiner Schulzeit dreht er gemeinsam mit Freunden Kurzfilme, am liebsten Dokumentarfilme. Aktuell arbeitet das Hobbyfilmteams an einer lyrischen Auseinandersetzung mit der Industriekultur des Ruhrgebiets, in der es vor allem um die Frage der Wahrnehmung der Vergänglich- und, demgegenüber, Beständigkeit kultureller Elemente geht.

Auslandsstudium in England

Nach vier Semestern in Münster zieht es Sonnenschein ins Ausland: Im Wintersemester 2016/2017 studiert er an der Nottingham Trent University in Großbritannien. Hier lernt er nicht nur das Studium in einem anderen Land kennen, sondern gewinnt auch einen Eindruck der Perspektive der Engländer und Engländerinnen auf Europa bzw. die Europäische Union. „Das Timing meines Aufenthalts in Nottingham war gewissermaßen optimal, da die Diskussionen nach dem Brexit bereits deutlich lauter wurden und man die wirtschaftlichen Konsequenzen des Referendums deutlich zu spüren bekam, zum Beispiel durch das schwache Britische Pfund und Preisanstiege.

Um auch vertrauter mit der parteipolitischen Arbeit vor Ort zu werden, arbeitet Sonnenschein neben seinem Studium als Volunteer im Büro der Labour-Abgeordneten für das südliche Nottingham, Lilian Greenwood. „Das hat mich fachlich beachtlich weitergebracht, weil ich damit unmittelbar in den politischen Alltag in England eingebunden wurde, was insbesondere auch die Debatte um den Brexit betraf. Nach Feierabend ging es dann zumeist noch zum Campaigning mit der lokalen Labour Party. Hier wurde dann selbstverständlich weiterdiskutiert über den Brexit, Trumps Amerika und viele andere relevante Themen.“

Sommerakademie in La-Colle-sur-Loup

Bei der Finanzierung des Aufenthalts haben das Stipendium und die Auslandsförderung der Studienstiftung natürlich geholfen. Schon vorher hat Max Sonnenschein Angebote der Studienstiftung wahrgenommen – zum Beispiel eine Sommerakademie, einen Chinesisch-Sprachkurs und ein Seminar zur Europapolitik. Dabei stellt er immer wieder fest, dass es nicht die typischen Stipendiatinnen oder Stipendiaten der Studienstiftung gibt. „Alle Stipendiatinnen und Stipendiaten, die ich bisher kennengerlernt habe, bringen ihre spezifischen Eigenschaften und Denkweisen mit“, sagt Max Sonnenschein. Deshalb macht es ihm auch großen Spaß, neue Leute innerhalb der Studienstiftung kennenzulernen, zu diskutieren, Gedanken und Ideen auszutauschen.

Die Sommerakademie in La-Colle-sur-Loup/Frankreich, die er 2015 besucht hat, ist dafür ein gutes Beispiel, wie er erzählt: „Meine Gruppe bestand aus Leuten aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen, so dass wir bei der Erarbeitung unseres Ergebnisses, einem Konzept zur Klimapolitik, viele Perspektiven kombinieren konnten. Das war sehr spannend, wobei wirklich jede und jeder, einschließlich unserer Gruppenbetreuer, die bereits selber aus der Wissenschaft kamen, etwas dazulernen konnten. Auch aus diesem Grund rate ich allen neu aufgenommenen Stipendiatinnen und Stipendiaten in jedem Falle an einer Sommerakademie teilzunehmen.“

Stand: Mai 2017