Stipendiaten / 

Porträt

Narin Akay

Soziologie – Europäische Gesellschaften

Freie Universität Berlin

Narin Akay (24) möchte Sozialforscherin werden, um unsere Gesellschaft ein kleines Stückchen besser zu machen. Im Kleinen hat sie schon damit begonnen: Narin Akay kümmert sich um einen syrischen Flüchtlingsjungen. Als sie in die Studienstiftung aufgenommen wurde, war sie überrascht: über die anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten.

Was studieren Sie?

Ich studiere Soziologie, weil ich mich seit der Schule sehr für die Struktur unserer Gesellschaft interessiere. Ich setze mich gerne mit den sozialen Problemen der heutigen Zeit auseinander – zum Beispiel der Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Frauen, Migranten oder Schwerbehinderte sind hier klar benachteiligt. Diskriminierung zu bekämpfen ist nicht nur ein Gebot der Gerechtigkeit, sondern lohnt sich auch aus ökonomischen Gründen.

Was fasziniert Sie an der Soziologie?

Soziologie steht als Disziplin selten für sich allein. Andere Disziplinen wie die Psychologie, Politik oder Wirtschaft werden miteinbezogen, um soziale Probleme von allen Seiten zu beleuchten. Deshalb finde ich die Soziologie so spannend und vielfältig.

Hatten Sie Hilfe bei der Studienwahl?

Nein, ich war weitestgehend auf mich gestellt. Meine Eltern sind beide keine Akademiker, daher konnten sie mich fachlich nicht beraten. Aber ich wusste, dass sie mich mit ihren Mitteln unterstützen werden, egal für welches Studium ich mich letztlich entscheide. Das hat mir auch sehr geholfen. Inhaltlich ausgetauscht habe ich mich im Freundeskreis.

Haben Sie einen Tipp für die Studienwahl?

Ich würde genau das studieren wofür ich mich persönlich am meisten begeistere. Es bringt nichts, etwas zu studieren, um zum Beispiel  die Eltern glücklich zu machen. Die Jahre an der Uni sind eine tolle Zeit im Leben, fachlich aber auch persönlich. Ich würde sie so gestalten wie es am besten zu mir passt!

Wie stellen Sie sich Ihre berufliche Zukunft vor?

Ich hoffe, möglichst viele soziale Probleme erforschen zu können. Gut vorstellen kann ich mir, politische Entscheidungsträger zu beraten, um Antworten auf drängende gesellschaftliche Fragen zu finden.

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Ich verbringe meine Freizeit besonders gerne mit ehrenamtlicher Arbeit. Ich treffe mich regelmäßig mit Laith, einem syrischen Flüchtlingsjungen. Über den Verein kein Abseits! bin ich zu diesem Mentoring-Programm gekommen. Ich helfe ihm dabei, in Deutschland anzukommen, die Sprache zu lernen und die Kultur kennenzulernen.

Was unternehmen Sie zusammen?

In einer Stadt wie Berlin gibt es immer etwas zu sehen und zu tun. Ich lebe selber erst seit einem Jahr hier, deshalb erleben wir vieles gemeinsam zum ersten Mal. Es gibt auch Sachen, die ich ohne ihn nicht gemacht hätte, zum Beispiel einen Glasworkshop. Das war toll!

Wie gefällt Ihnen die ehrenamtliche Arbeit?

Es erfüllt mich  zu sehen, wie gut Laith inzwischen Deutsch spricht und wie er sich seine Lebensfreude nicht nehmen lässt. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie es ist, mit 14 Jahren seine Heimat, seinen Vater zurückzulassen und in ein fremdes Land zu ziehen. Ich empfinde es daher fast schon als meine Pflicht, ihm dabei zu helfen – und erlebe die Begegnung mit ihm zugleich als große Bereicherung für mein Leben.

Was sagen Sie anderen Stipendiaten, die überlegen, sich zu engagieren?

Engagiert euch! Ich rate es jedem, sich in irgendeiner Weise einzubringen, auch wenn die Zeit knapp ist. Es gibt sehr viele Möglichkeiten. Das Schöne dabei ist, dass man nicht nur anderen Menschen hilft, sondern auch selbst glücklicher und zufriedener ist.

Was gefällt Ihnen an der Förderung durch die Studienstiftung?

Das Stipendium ist eine enorme finanzielle Entlastung. Zu wissen, dass ich nach dem Studium nicht verschuldet sein werde,  ist ein gutes Gefühl. Zudem bietet die Studienstiftung eine ideelle Förderung, die ich sehr zu schätzen weiß.

Welche Angebote der ideellen Förderung haben Sie bisher genutzt?

Ich habe an zwei Sprachkursen teilgenommen, Portugiesisch in Lissabon und Spanisch in Málaga, außerdem an einer wissenschaftlichen Tagung in Tutzing. Die Begegnung mit Stipendiatinnen und Stipendiaten aus anderen Disziplinen ist sehr inspirierend. Ich hoffe, im nächsten Jahr an einer Sommerakademie teilnehmen zu können, da ich nur Gutes darüber gehört habe.

Was bedeutet es für Sie, Stipendiatin der Studienstiftung zu sein?

Ich fühle mich privilegiert, weil ich meine ganze Aufmerksamkeit dem Studium widmen kann.

Gibt es etwas, das Sie bei der Studienstiftung überrascht hat?

Die Vielfalt hat mich positiv überrascht. Ich hatte viel mehr Studierende der klassischen Studiengänge wie Jura oder Medizin  erwartet. Das ist aber nicht der Fall. Es sind Studierende aller Fächer vertreten, auch ganz unterschiedliche Persönlichkeitstypen. Die Diskussionen sind spannend. Viele Stipendiatinnen und Stipendiaten machen tolle Sachen, das beeindruckt mich.

Haben Sie Tipps für andere Studierende, die sich für die Studienstiftung interessieren?

Ich würde mich auf jeden Fall bewerben! Auch wenn ich denke, dass ich eh nicht aufgenommen werde, da ich angeblich nicht reinpasse. Es gibt nicht den klassischen Stipendiaten der Studienstiftung! Engagement und sehr gute Leistungen sollte man mitbringen, denn das rechtfertigt meiner Meinung nach die Unterstützung durch die Studienstiftung.

Stand: November 2016