Stipendiaten / 

Porträt

Oliver Klatt

Biologie, Sozialwissenschaften

Ruhr-Universität Bochum

Beim Auswahlseminar hat er ein Referat zum Thema Chancenungleichheit im Bildungssektor gehalten. Heute engagiert sich Oliver Klatt als Mentor bei ArbeiterKind.de und schätzt die finanzielle Unabhängigkeit, die ihm das Stipendium bietet.

Der Weg in die Studienstiftung begann für den heute 23-jährigen Studenten mit einem Umweg: Weil andere Schüler kein Interesse zeigten, durfte er in der 12. Klasse auf Vorschlag seiner Schule an der Deutschen SchülerAkademie teilnehmen. Während dieser zweiwöchigen Veranstaltung lernte er viele andere engagierte Jugendliche kennen. Zu einem Informationsabend über Stipendien ging Oliver erst gar nicht hin. „Ich war zu der Zeit zwar Schülersprecher, hatte aber keinen 1,0er Schnitt“, begründet er seine damalige Entscheidung. „Im Vergleich mit den anderen tollen Leuten war ich mir sicher: Dafür komme ich eh nicht in Frage.“

Engagements und Persönlichkeit zählen
Von wegen. Beim Abiturvorschlag seiner Schule musste er zwar dem Jahrgangsbesten den Vortritt lassen. Doch Oliver war unter den Teilnehmern der SchülerAkademie positiv aufgefallen und wurde von der Akademieleitung für die Studienstiftung vorgeschlagen. Das Auswahlseminar empfand er, trotz toller Atmosphäre und netter Leute, noch als stressig: „Ich hatte das Gefühl, alles, was man bisher gemacht hat, wird auf den Prüfstand gestellt.“ Doch die Kommission konnte er mit seinen Engagements in Schule und Kirchgemeinde sowie seiner Persönlichkeit überzeugen. Für den Studenten eine große Erleichterung auf dem Weg zum Traumberuf. „Neben dem Studium arbeite ich viel beim Radio. Die brauchen aber nur immer mal wieder jemanden, so dass ich nicht auf ein sicheres Einkommen zählen kann“, berichtet der angehende Journalist. Das Stipendium der Studienstiftung gebe ihm die Freiheit, keinen festen Nebenjob annehmen zu müssen. Dieser würden seinen flexiblen Einsatz in der Radio-Redaktion stark einschränken. Auch schätzt Oliver das „Grundvertrauen“, das die Studienstiftung in ihre Stipendiaten habe: „So lange der grobe Kurs stimmt, muss ich nicht jedes Semester irgendwelche Scheine vorlegen.“

Einsatz für Erstakademiker
Die wenige freie Zeit, die ihm neben langen Tagen im Labor, Uni-Veranstaltungen und den Redaktionsschichten bleibt, investiert der Stipendiat in Projekte, die ihm am Herzen liegen. Eines davon ist die Initiative ArbeiterKind.de. „In meinem Referat für das Auswahlseminar habe ich das Problem ungleicher Bildungschancen analysiert“, berichtet er. „Danach war mir klar: Das möchte ich jetzt angehen.“ So fand er die Initiative ArbeiterKind.de, die sich zum Ziel gesetzt hat, Schüler aus nicht-akademischem Elternhaus zu einem Studium zu motivieren. „Die Option Studium sollte schließlich nicht an Unwissenheit scheitern, weil man noch nie was von Hilfen wie BAFöG oder ähnlichem gehört hat“, betont Oliver. Bei der Gedankenwerkstatt zum neuen Botschafterprogramm der Studienstiftung hat der 23-Jährige dann seine Erfahrungen mit eingebracht. „Es hat mich sehr gefreut, dass auch die Studienstiftung in diesem Bereich etwas unternimmt“, begründet er seinen Einsatz. „Studieren ist schließlich eine Möglichkeit, die man sich in keinem Fall entgehen lassen sollte!“

Stand: November 2011