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Porträt

Cornelius C. Thaiss

Humanmedizin

Ludwig-Maximilians-Universität München

Cornelius C. Thaiss (22) studiert Humanmedizin an der LMU München. Schon während seiner Schulzeit gründete er eine eigene Webdesign-Firma. Sozialen Einrichtungen wie der „Kinderstiftung Nordstern“ ermöglicht er eine kostenlose Internetpräsenz. Zudem engagiert er sich für die Nichtregierungsorganisation „GoAhead“, die Bildungseinrichtungen in Afrika unterstützt.

Sie haben sich bereits während der Schulzeit selbstständig gemacht. Wie engagieren Sie sich heute neben Ihrem Studium?

Eine Leidenschaft, die mich schon früh außerhalb der Schule fesselte, war das Programmieren. Seit ich von meinen Eltern meinen ersten eigenen Computer geschenkt bekam, ließ mich die Begeisterung für das Erlernen von Programmiersprachen und Design-Software nicht mehr los und ich arbeitete mich in Eigenregie über mehrere Jahre durch die Standardwerke auf diesen Gebieten. Diese große Begeisterung führte im Jahr 2007 zur Gründung meines eigenen Unternehmens „Coinlex Webdesign & Corporate Design“. Seit der Unternehmensgründung berate ich verschiedenste Unternehmen vom neugegründeten Startup über selbstständige Künstler bis zu überregionalen Unternehmen in IT-Fragen und biete die Gestaltung von Internetauftritten, Firmenlogos und Bestandteilen des öffentlichen Auftretens an.

An der selbstständigen Tätigkeit reizt mich die Möglichkeit, eigenständig planen, organisieren und neue Ideen rationell und zügig, aber dennoch kreativ umsetzen zu können. Durch die Kontakte und Netzwerke mit anderen Unternehmern und Geschäftsleuten, die sich im Rahmen der Tätigkeiten des eigenen Unternehmens ergeben, bekomme ich verschiedene Einblicke auch in andere Geschäftssparten und Firmenstrukturen. Gefragt sind hierbei auch eigenes unternehmerisches Denken und Planen, risikobewusstes Kalkulieren und strategische Positionierung am Markt. Gleichzeitig genieße ich aber auch die Freiheit, eigenständig handeln zu können.

Teil meines Angebots ist auch ein so genanntes „ProBono“-Programm, welches sozialen Einrichtungen kostenlose Internetpräsenzen ermöglicht. Im Rahmen dieses Programmes ergab sich die Zusammenarbeit mit der Kinderhilfsorganisation „Kinderstiftung Nordstern“ – eine Tätigkeit, welche mich bis heute begleitet und einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat.

Diese Stiftung, die bedürftigen Kindern in Afrika vor Ort hilft, unterscheidet sich von konventionellen Stiftungen durch die Praxis der Spendenübergabe: die Stiftung reist mit den gesammelten Spendengeldern und einer kleinen Gruppe von Helfern direkt vor Ort – häufig in Kooperation mit anderen Hilfsorganisationen -, um dort die Spenden an die Bedürftigen unmittelbar zu verteilen. Dieses Konzept hat mich überzeugt; und ich bin froh, einen Beitrag dazu leisten zu können. Für mich ist diese Tätigkeit sehr wichtig und sie zeigt nicht zuletzt, welche wertvollen Erfahrungen sich aus den Kontakten ergeben, die ich während der unternehmerischen Arbeit knüpfen kann.

Im Rahmen meiner unternehmerischen Tätigkeit, lernte ich auch die Hilfsorganisation „GoAhead“ kennen, eine Nichtregierungsorganisation, die durch Spenden in Europa finanziert wird und die Gelder sowie hiesiges Fachwissen für den Aufbau von Bildungseinrichtungen in Afrika nutzt. „GoAhead“ arbeitet eng mit den lokalen Hilfsorganisationen wie der südafrikanischen NGO „Heartbeat – Centre for Community Development“ zusammen, die durch lokale Zentren und Schulen Aids-Waisen unterstützt und die neu etablierten Bildungsprogramme mit HIV-Präventionsarbeit verbindet. Für das „Heartbeat“ Programm suchte „GoAhead“ Unterstützung mit Fachkenntnissen im informationstechnischen und medizinischen Bereich, um sowohl das Bildungsangebot für die Aids-Waisen auf den Computer-Bereich auszudehnen als auch eine großangelegte internetbasierte Spendenkampagne zu initiieren. Als Medizinstudent und Webdesign-Unternehmer ließ ich mir diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen, im Hautquartier von „Heartbeat“ in Pretoria diese Aufgaben zu übernehmen, was eine wirklich einmalige Erfahrung gewesen ist.

Was hat Sie motiviert?

Meine beiden großen Interessensgebiete – die Medizin und Informationstechnologie – sind meiner Meinung nach die beiden entscheidenden Felder für die Entwicklungspolitik. Fortschritte in der medizinischen Versorgung und Aufklärung, sowie der Zugang zu Massenkommunikationsmedien werden die Welt in den nächsten zehn Jahren stark verändern. Für mich war und ist es extrem spannend, an dieser Entwicklung teilzuhaben, und mein Engagement für „GoAhead“, „HeartBeat“ und im Rahmen meiner eigenen Firma ermöglichen mir genau diese Einblicke.

Was möchten Sie anderen Stipendiaten auf den Weg geben, um sie bei ihren Vorhaben zu ermuntern?

Auch nach der Studienreform lässt das Studiensystem noch viel Raum für eigene Kreativität in der Gestaltung des Studienwegs. Der Mut zu einem unkonventionellen Studienverlauf kann in vielen Fällen die Türen zu unerwarteten Perspektiven öffnen.

Ein besonderes Erlebnis mit der Studienstiftung?

Ein besonders eindrückliches und motivierendes Erlebnis war die Erfahrung, dass meine Entscheidung, für ein Hilfsprojekt nach Südafrika zu gehen, von der Studienstiftung nicht nur akzeptiert, sondern mit Nachdruck unterstützt wurde. Die Studienstiftung ist einzigartig darin, dass sie am persönlichen Lebens- und Studienweg der Stipendiaten interessiert ist und teilhat, und deshalb eine sehr individuelle Förderung möglich macht.

Stand: Mai 2013