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Berichte
Maximilia Eggle & Lars Großmann: „Das Ziel der Diskussion öfter mal überdenken“

In einem selbst organisierten Seminar setzten sich Geförderte mit der Theorie und Praxis gelingender Debatten auseinander. Maximilia Eggle und Lars Großmann waren Teil des Organisiationsteams des SmP-Seminars „Debattenkultur: Wandel, Herausforderungen und Chancen“ und antworten hier gemeinsam auf unsere Fragen.
Im Rückblick erscheint der Veranstaltungstermin des Seminars „Debattenkultur“ geradezu prophetisch – kurz nach den US-Wahlen und dem Ende der Ampel-Regierung. Wann und vor welchem Hintergrund hatten Sie die Idee zur Organisation des Seminars?
Die Idee zum Seminar entstand nach vielen Gesprächen auf der Sommerakademie in Flensburg 2023. Dort haben wir uns kennengelernt und intensiv über die Debattenkultur in unserem privaten und universitären Umfeld ausgetauscht. Uns fiel auf, dass Diskussionen immer häufiger emotionalisiert, konfrontativ oder sogar destruktiv verliefen – und dadurch oft kein sinnvolles Ergebnis erzielten.
Wir fragten uns, ob dieser Eindruck subjektiv ist oder ob sich ein Wandel in der Debattenkultur tatsächlich belegen lässt. Daraus entstand die Idee, dieses Thema im Rahmen von Stipendiat:innen machen Programm interdisziplinär zu beleuchten und sowohl theoretische als auch praktische Perspektiven einzubringen.
Was haben Sie sich von der Veranstaltung erhofft?
Im Seminar ging es uns einerseits um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Frage, ob es einen Wandel der Debattenkultur gibt, und andererseits darum, welche Chancen und Herausforderungen damit einhergehen. Ziel war es, den Teilnehmenden ein Grundwissen zu diesem Thema aus Sicht verschiedener Disziplinen (juristisch, philosophisch, historisch, kommunikationswissenschaftlich und psychologisch) zu vermitteln. Darauf aufbauend wollten wir den Teilnehmenden Strategien und Tipps an die Hand geben, um gerade in schwierigen Situationen in familiären, universitären oder beruflichen Debatten konstruktiver und zielorientierter zu agieren.
Gab es Schwierigkeiten bei der Vorbereitung oder Durchführung bestimmter Programmelemente?
Wir hatten den Wunsch, dass unser Seminar neben den theoretisch gelagerten Vorträgen auch praktische Elemente enthält. Für den ursprünglich geplanten Workshop zu schwierigen Gesprächssituationen konnten wir jedoch keine:n passenden Dozent:in finden. Stattdessen haben wir eine Gruppenarbeit organisiert. Die Teilnehmenden haben sich anhand ausgewählter Materialien mit verschiedenen Gesprächstechniken befasst – von gewaltfreier Kommunikation und Emotionsregulierung über Argumentationstechniken und konstruktive Kritik bis zum Umgang mit Polarisierung und extremen Meinungen. Die Gruppen haben jeweils ein Poster erstellt, das konkrete Handlungsvorschläge für herausfordernde Debatten enthielt und in Form einer Walking Gallery präsentiert wurde. Wir waren von den intensiven Recherchen und dem ausführlichen Austausch der Teams begeistert!
Was verstehen Sie nach den Erkenntnissen aus dem Seminar unter einer gelungenen Debatte?
Eine gelungene Debatte zeichnet sich für uns dadurch aus, dass sie sachlich, respektvoll und lösungsorientiert geführt wird. Jede:r Beteiligte sollte die Möglichkeit haben, seine Perspektive einzubringen, ohne dass dies in einer emotional aufgeladenen Konfrontation endet. Es geht nicht darum, die eigene Meinung durchzusetzen, sondern vielmehr darum, das Gegenüber wirklich zu hören. Diese Einsicht zog sich als zentrales Element konstruktiver Debattenführung durch unser Seminar.
Haben Sie diesbezüglich einen Tipp für die Leser:innen?
Ein häufiger Fehler in Diskussionen ist der Fokus auf die Überzeugung der anderen Person, ohne ihre Perspektive zu verstehen. Unser Tipp ist daher, das Ziel der Diskussion zu überdenken und langfristiger zu denken. Aktives Zuhören und das Bemühen, die Gegenseite wirklich zu verstehen, sind essenzielle Schritte zu einer konstruktiveren Debatte.

