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„Wir können soziale und ökologische Probleme wirtschaftlich lösen“

Die Studienstiftung hat Henning Siedentopp (31) von 2015 bis 2016 mit dem Hans Weisser-Stipendium gefördert. Damit hat er sein Modelabel Melawear weiterentwickelt. In einer Fabrik in Indien lässt er T-Shirts, Kapuzenpullover und Rucksäcke nähen. Fair und ökologisch, zeitgemäß und erschwinglich.

Wie kamen Sie auf die Idee für ein grünes Modelabel?

Ich habe BWL studiert und danach einige Jahre in Unternehmen gearbeitet. Das war okay, hat mich aber nicht richtig erfüllt. Deshalb habe ich mir eine Auszeit genommen und bin durch Indien gereist. Dort habe ich mir Fabriken und kleine, nachhaltig arbeitende Modelabels angeschaut, die dem Konzept des sogenannten Social Business folgen. Die Idee dahinter, dass man erfolgreich wirtschaften und zugleich Gutes tun kann, hat mich sofort fasziniert.

Wieso haben Sie sich für die Textilbranche entschieden?

Textilien sind nach Lebensmitteln das zweitwichtigste Konsumgut in Deutschland. Ich will zeigen, dass wir die Welt verbessern können, wenn viele Leute es nur ein bisschen besser machen als bisher. Also war schnell klar: Wir wollen nachhaltige Textilien für den Massenmarkt kreieren. Und da die Mehrheit heute oft Kleidung aus Baumwolle trägt und diese primär aus Indien kommt, haben wir dort auch unsere Produzenten gesucht.

Und dann haben Sie Melawear gegründet?

Genau! Wir haben uns in Indien mit Textilfabriken, Zulieferern und Zertifizieren zusammengetan. Für uns war entscheidend, dass die Textilien den Ansprüchen der Zertifizierungsstellen Global Organic Textile Standard (GOTS) und Fairtrade International genügen, also die die derzeit höchsten Nachhaltigkeitsstandards halten. Wir haben Melawear dann eigenfinanziert im Oktober 2014 als GmbH gegründet. Dann folgte bereits die Produktentwicklung und im April 2015 wurde der Vertrieb eröffnet.

Henning Siedentopp im Gespräch auf der Berlin Fashion Week 2016 © mela wear GmbHHenning Siedentopp im Gespräch auf der Berlin Fashion Week 2016 © mela wear GmbH

Was ist das Besondere an Melawear?

Melawear braucht kein angesagtes Logo oder schicke Models. Wir machen hochwertige Textilen, die immer verfügbar sind, zu einem guten Preis. Wir produzieren sämtliche Produkte mit höchsten Nachhaltigkeitsansprüchen. Wir haben beispielsweise den weltweit ersten Rucksack in den Handel gebracht, der Bio- und Fairtrade-zertifiziert ist.

Ein echter Coup!

Ja, das ist zuvor noch keinem anderen nachhaltigen Modelabel gelungen. Wir freuen uns einfach, mit den gängigen Vorurteilen gegenüber fairer und ökologischer Mode aufzuräumen. Viele Menschen denken, sie sei teuer und man sähe in ihr aus wie ein typischer Öko. Das stimmt nicht! Unsere Sachen haben einen urbanen Look, fühlen sich gut an und der Preis stimmt auch.

Wie haben Sie das Hans Weisser-Stipendium genutzt?

Ich habe ein Jahr an der Rotterdam School of Management (RSM) verbracht. Die Niederlande gelten neben dem Vereinigten Königreich als Vorreiter für das Konzept einer Kreislaufwirtschaft, dem sogenannten Cradle-to-Cradle-Konzept. Und die RSM zeichnet sich durch eine enge Zusammenarbeit mit Professor Michael Baungart aus, dem Erfinder dieses Konzepts.

Wie haben Sie von dem Stipendium profitiert?

Ich konnte ein Jahr intensiv daran arbeiten, unsere Produkte zu optimieren. Stoffe, Farben, Garne, Applikationen und Verpackungen sollen vollständig biologisch abbaubar sein. Ziel war und ist es, alle verwendeten Materialen zu einhundert Prozent in Kreisläufen führen zu können.

Welche Angebote der Studienstiftung waren hilfreich?

Der Austausch mit den anderen Stipendiaten war super! Besonders der Kontakt während des Auswahlseminars hat geholfen, andere Gründer kennenzulernen und sich zu vernetzen. Die Auseinandersetzung mit den Projekten Anderer hilft bei der Umsetzung des eigenen Vorhabens und gibt Kraft und Inspiration bei der Verwirklichung eigener Ideen.

Henning Siedentopp unterhält sich über die Produkte von Melawear © mela wear GmbHHenning Siedentopp unterhält sich über die Produkte von Melawear © mela wear GmbH

Welche Ziele haben Sie vor Augen?

Unser Plan ist kontinuierlich und gesund zu wachsen. Händlerkooperationen sind uns da besonders wichtig. Melawear gibt es schon in über 200 Läden in elf Ländern, viele Onlineshops bieten unsere Klamotten an. Und es werden jeden Tag mehr. Mit unseren nachhaltigen Textilien möchten wir die breite Masse erreichen und somit die Branche nachhaltig verbessern. Wir wollen zeigen, dass gesundes, nachhaltiges Wachstum  und finanzieller Erfolg möglich sind.

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