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Berichte

Frühjahrestagung der Doktorandenforen Natur und Gesellschaft der Studienstiftung des deutschen Volkes im WannseeFORUM Berlin

Aufgrund der tollen Erfahrungen, die ich auf dem Doktorandenforum in Berlin sammeln durfte, möchte ich einen Erfahrungsbericht verfassen, der andere Promotionsstipendiaten dazu ermuntern soll, an zukünftigen Foren teilzunehmen. (Sonja Orth, Kunstpädagogik)

Aufgrund der tollen Erfahrungen, die ich auf dem Doktorandenforum in Berlin sammeln durfte, möchte ich einen Erfahrungsbericht verfassen, der andere Promotionsstipendiaten dazu ermuntern soll, an zukünftigen Foren teilzunehmen. Leider habe ich in meiner bisher 2,5-jährigen Förderzeit erst jetzt zum ersten Mal ein Forum besucht und bedaure es zutiefst, diese Veranstaltung erst so spät wahrgenommen zu haben. Das war wohl einer der größten Fehler meiner gesamten Promotionszeit. Daher kann ich jedem Promotionsstipendiaten – sowohl den frisch in die Promotionsförderung Aufgenommenen als auch den "alten Hasen", die diese Gelegenheit bisher (ebenfalls) verstreichen ließen – empfehlen, unbedingt an einem oder (wenn es euch zeitlich noch möglich ist) mehreren Foren teilzunehmen. Es lohnt sich!

Der Tagungsort und die nähere Umgebung der Frühjahrestagung: Berlin Wannsee

Das Doktorandenforum fand vom 22. bis 25. Mai 2014 im Berliner Stadtteil Wannsee statt. Bereits die Ankunft am S-Bahnhof Wannsee ließ die Vorfreude auf die Tagung noch einmal ansteigen: Das schöne Wetter und die warmen Temperaturen luden geradezu dazu ein, den Weg zum WannseeFORUM, dem Tagungsort der Frühjahrestagung der Studienstiftung, per Fuß und einen Teil der Strecke entlang des Ufers des Großen Wannsees zurückzulegen. Bei gemächlichem Tempo ist dies vom Bahnhof bis zur Tagungsvilla in gut 20 Minuten machbar, alternativ fährt zweimal in der Stunde auch ein Bus in die Richtung der Zieldestination.

Das Tagungshaus (http://wannseeforum.de) befindet sich in einer Straße mit vielen weiteren Villen. Es ist von einem großen Garten umgeben, der an den Pohlsee angrenzt. Die Stipendiaten wurden im Atrium (dem Hauptgebäude) und dem Landhaus in Zwei- bis Vierbettzimmern untergebracht. Die Zimmer waren sauber, Hand- und Badetücher lagen vorbereitet auf den Betten. Das Essen war lecker – auch für Vegetarier gab es ein reichhaltiges Angebot.

Das Programm

Die Tagung wurde von Frau Dr. Dittmar (Forum Natur) und Herrn Dr. Meyer (Forum Gesellschaft) von der Studienstiftung geleitet. Beide eröffneten am Donnerstag Nachmittag um 16 Uhr das Forum, begrüßten die Stipendiaten und machten uns mit den wichtigsten Eckdaten der kommenden Tage vertraut. Eine halbe Stunde später teilte sich die fast 100-köpfige Stipendiatengruppe in vier Arbeitsgruppen auf (Schwerpunkte in AG 1: Biologie, Biomedizin/-chemie, Chemie; AG 2: Psychologie, Erziehungs-/Bildungswissenschaften, Pädagogik, Sport- und Neurowissenschaften; AG 3: Physik, Mathematik, Bauingenieurwesen, Geowissenschaften; AG 4: Jura, Politikwissenschaft). Ein Wechsel zwischen den Arbeitsgruppen war jederzeit möglich. So konnte man als Pädagoge z. B. auch Vorträge der Physiker und Juristen und umgekehrt besuchen.

Vorträge der Doktoranden
Im Mittelpunkt der viertägigen Frühjahrestagung standen die Vorträge der Doktoranden. Das Programm umfasste knapp 60 Vorträge. In der Regel startete der erste Slot um 9 Uhr. Jeder Vortragende hatte 40 Minuten zur Verfügung – 20 Minuten für den Vortrag, 20 weitere Minuten für die Diskussion. Nach zwei Vorträgen fand jeweils eine (Kaffee-) Pause bzw. das Mittag-/Abendessen statt. Für die Vorträge gab es keine strikten Vorgaben. So blieb es dem jeweiligen Redner selbst überlassen, ob er einen Überblick über sein Gesamtprojekt gab, sich auf einen Teilaspekt konzentrierte oder inhaltliche/methodische Fragen zur Diskussion stellte. Auch war es jedem freigestellt, sein Projekt allgemein auch für Fachfremde verständlich darzustellen oder sich eher in einem spezifischen Fachvortrag an die jeweilige Fachcommunity zu richten. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass es nicht zwingend notwendig ist, seine Dissertation zum Thema des Vortrags zu machen. Stattdessen besteht auch die Möglichkeit, Vorträge einzureichen, in denen andere Dinge thematisiert werden – ein Teilnehmer präsentierte z. B. 15 Thesen für mehr Produktivität beim Arbeiten und zeigte anhand eigener Erfahrungen anschaulich auf, wie jeder Einzelne seinen Arbeitsalltag effektiver gestalten kann. Im Abschlussplenum der Tagung betonten Frau Dr. Dittmar und Herr Dr. Meyer nochmals, dass neben Vorträgen über die jeweiligen Dissertationen auch andere Vor- und Beiträge zu begrüßen sind. Außerdem ist es auch möglich, an den Doktorandenforen als Zuhörer teilzunehmen, ohne selbst einen Vortrag einzureichen. Ich persönlich kann jedoch jedem empfehlen, sich aktiv mit einem Vortrag einzubringen. Man kann davon nur profitieren – zum einen übt man sich darin, vor Publikum (s)ein (Promotions-)Thema verständlich und in kurzer Zeit darzulegen. Zum anderen ist es eine gute Übung für die spätere Disputation und für Fachtagungen, sich den Fragen der Zuhörer zu stellen. In meinem Fall war es so, dass ich sehr viele Rückmeldungen erhielt – mehr als auf vielen der bisher besuchten Fachkonferenzen. In jedem Raum lagen zusätzlich Feedbackbögen bereit, die vom Publikum ausgefüllt werden konnten. Auch dies ist eine tolle Möglichkeit, sich differenziertes und individuelles Feedback Einzelner einzuholen.

Abendvorträge und Workshops der Promovierendenvertretung
Neben den Vorträgen der Doktoranden standen mehrere Abendvorträge auf dem Programm. Am ersten Abend referierte Frau Prof. Dr. Günther von der TU Dresden über das Thema "Rechnet sich Nachhaltigkeit? Empirische Evidenz". Am dritten Abend lud Herr Prof. Dr. Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) dazu ein, sich gemeinsam mit ihm mit der Frage "Can we adapt to climate change?" zu beschäftigen. Beide Referenten waren anschließend für eine Diskussion und für Nachfragen aufgeschlossen. Diese Vorträge stellten eine Art Rahmen für die Frühjahrestagung dar und boten die Möglichkeit, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit näher auseinanderzusetzen. Einen Vortrag der besonderen Art bot Mai-Thi Nguyen-Kim, Studienstiftlerin und Doktorandin der Chemie, dem Gesamtplenum, indem sie auf kurzweilige und anschauliche Weise dem Zusammenhang von Chemie und Hip Hop auf den Grund ging. Ausgehend von der Definition eines Nerds entwickelte sie auf sehr unterhaltsame Weise Formeln für den Zusammenhang zwischen Wissen, Interesse und Coolness. Sie zeigte auf, dass das Fach Chemie auch *cool* sein kann und präsentierte einen selbstgedrehten Clip, in dem sie ihr Promotionsthema tänzerisch und musikalisch im Stile eines Hip Hop-Videos umsetzte (das Video ist online zu finden unter http://vimeo.com/78204820). Ein weiterer Abend wurde von den drei Promovierendenvertretern gestaltet. Neben Neuwahlen fanden zusätzlich Workshops zu den Themen "Soziale Vielfalt in der Studienstiftung", "Satzung und Selbstverständnis der Promovierendenvertreter" und eine offene Diskussionsrunde statt, bei der Anliegen der Stipendiaten gesammelt und diskutiert wurden.

Freizeit
Der Samstagnachmittag (14 bis 18 Uhr) stand uns zur freien Gestaltung zur Verfügung. Bereits im Vorfeld wurden im Foyer auf einem Flipchart Vorschläge und Ideen gesammelt. So konnte man u.a. zwischen zwei Kajak-Touren, Stand-Up-Paddling, einem Ausflug zur Pfaueninsel, einem Frisbee-Angebot und dem gemeinsamen Joggen um den Wannsee wählen. Zudem bestand auch die Möglichkeit, schwimmen zu gehen (das Einpacken von Bade-/Sportkleidung ist daher durchaus empfehlenswert) oder den freien Nachmittag auf dem Gelände des WannseeFORUMS auf der großen Wiese bzw. am Rande des Pohlsees zu verbringen und so das schöne Wetter zu genießen.

Fazit

Wie bereits eingangs erwähnt, kann ich jedem nur raten, eines der halbjährlich stattfindenden Foren zu besuchen. Das Forum bietet nicht nur die Möglichkeit, Anregungen für seine eigene Dissertation zu erhalten und Fragen mit anderen Stipendiaten zu diskutieren. Die Themen- und Fächervielfalt erlaubt zusätzlich einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Da man sonst in der Regel nur an den Konferenzen des eigenen Fachs teilnimmt, stellt das Doktorandenforum der Studienstiftung eine wünschenswerte Möglichkeit zum interdisziplinären Austausch dar und bietet die Gelegenheit, in andere (fremde) Fachbereiche hineinzuschnuppern. Außerdem wird man von den Referenten der Studienstiftung und der Promovierendenvertretung mit Informationen versorgt, die einem ohne den Besuch der Foren womöglich so nicht bekannt gewesen bzw. gar an einem vorübergegangen wären. Abschließend ist auch hervorzuheben, dass ich in den vier Tagen viele neue, offene, interessierte, hilfsbereite und spannende Personen kennen gelernt habe, von denen hoffentlich – um die Rahmenthematik der Tagung noch einmal aufzugreifen – *nachhaltige* Bekanntschaften bestehen bleiben. Daher kann ich jedem nur ans Herz legen, sich für die Foren anzumelden – für mich als Pädagogin war es eine tolle Erfahrung, u.a. naturwissenschaftliche und psychologische Beiträge anzuhören und Vertreter dieser Fächer kennenzulernen.