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Neue Therapieansätze für Patienten mit Epilepsie - ein Forschungsbericht

Die Fotografie zeigt mich bei der Planung von Experimenten für meine Dissertation in einem Zellkulturlabor. Nach meinem Studium (Veterinärmedizin) habe ich mich für eine experimentelle, naturwissenschaftliche Arbeit entschieden.

Den Großteil meiner Zeit habe ich hierfür im Labor des Institutes für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der Tierärztlichen Hochschule Hannover verbracht. Mit Unterstützung der Studienstiftung konnte ich zudem eine Studie meiner Dissertation an der UC Davis in Kalifornien durchführen.

Ein typischer Arbeitstag beinhaltete die Sichtung wissenschaftlicher Literatur, die Planung, Durchführung und Auswertung von Experimenten. Zudem habe ich eine Vielzahl nationaler und internationaler Kongresse besucht, um die Ergebnisse meiner Arbeit vorzustellen und mit anderen Wissenschaftlern zu diskutieren. Das Thema meiner Dissertation war es, neue Therapieansätze für Patienten mit Epilepsie zu untersuchen. Der Titel lautete: Fokale Substanzapplikation und Neurotransplantation zur Therapie pharmakoresistenter Epilepsien.

Sowohl beim Menschen als auch beim Hund kommen Epilepsien mit einer Prävalenz von etwa 1% in der Bevölkerung/der Hundepopulation vor. Bei Hunden stellen Epilepsien die häufigste Krankheit des zentralen Nervensystems dar. Epilepsien sind schwere, meist chronische Erkrankungen, die durch spontan auftretende, wiederkehrende Anfälle charakterisiert werden. Die meisten Epilepsieformen führen zu starken Einschränkungen der Lebensqualität der Betroffenen und können unbehandelt zum Tod führen. Üblicherweise werden Epileptiker lebenslang mit sogenannten Antiepileptika behandelt. Dieser Begriff ist nicht ganz korrekt, da es sich um Medikamente handelt, die Anfälle symptomatisch unterdrücken aber nicht ursächlich verhindern können. Etwa 30% der Epilepsie-Patienten werden als pharmakoresistent eingestuft; unkontrollierbare schwere Anfälle treten bei ihnen trotz Behandlung mit modernsten Antiepileptika auf. Die Konsequenzen einer Pharmakoresistenz sind für die Patienten schwerwiegend: Abgesehen von Einschränkungen im Alltag wie etwa beim Führen von Kraftfahrzeugen, treten gehäuft Komorbiditäten wie Depressionen und Angststörungen auf. Die Lebenserwartung der Patienten sinkt. Beim Hund führt eine pharmakoresistente Epilepsie aufgrund mangelnder Therapiemöglichkeiten häufig zur Euthanasie und damit ebenfalls zu einer verminderten Lebenserwartung.

Um sowohl humanen als auch tierischen pharmakoresistenten Patienten helfen zu können, werden weltweit neue Therapieansätze entwickelt und getestet. Eine viel versprechende Möglichkeit stellt die fokale Therapie mittels erregungshemmenden Substanzen oder Zelltransplantaten dar, mit der ich mich im Rahmen meiner Dissertation beschäftige. Der Vorteil der fokalen gegenüber der systemischen Therapie liegt darin, dass die Therapie sich auf die betroffenen Hirnregionen beschränken lässt und so erheblich weniger Nebenwirkungen erwartet werden. Insgesamt gestaltet sich die lokale Verabreichung eines Therapeutikums, sei es eine Substanz oder ein Transplantat, als weit spezifischer als die systemische Gabe. Zunächst haben wir nach geeigneten Zielregionen für fokale Therapie gesucht: Da Epilepsie in einigen Hirnregionen zu einer verstärkten neuronalen Erregbarkeit (Hyperexzitabilität) führt, ist es sinnvoll, diese durch eine Förderung der GABAergen Inhibition zu unterdrücken, um Anfälle zu verhindern. Diese Hemmung haben wir in verschiedenen Hirnregionen mit einem Antiepileptikum erreicht und konnten einen antikonvulsiven Effekt hervorrufen. Mit der Transplantation neuronaler Vorläuferzellen unterschiedlicher Herkunft wollen wir denselben Effekt erzielen. Diesen Zellen ist gemeinsam, dass sie den inhibitorischen Transmitter GABA in unterschiedlichem Maße produzieren. Eine erfolgreiche Neurotransplantation hat gegenüber allen bisherigen Therapieoptionen den entscheidenden Vorteil, dass eine funktionelle Reparatur der geschädigten Areale möglich ist. Dies ist mit Antiepileptika (Antikonvulsiva) oder anderen Arzneimitteln nicht möglich. Weiterhin ist ein potentielles Ziel, Anfallsfreiheit ohne lebenslange Medikation und deren Nebenwirkungen zu erreichen und damit die Lebensqualität der Patienten entscheidend zu verbessern.

Ich hoffe, mit meiner Arbeit einen Beitrag zur Findung neuer Behandlungsstrategien geleistet zu haben und werde auch weiterhin in diesem Bereich forschen.

Sonja Bröer, Neurowissenschaften. Forschungsbericht zum aktuellen Promotionsvorhaben: "Fokale Substanzapplikation und Neurotransplantation zur Therapie pharmakoresistenter Epilepsien".