Stipendiaten / 

Berichte

Die ökologische Dienstleistung von tropischen Vögeln und Fledermäusen in Indonesien - ein Forschungsbericht

Die ersten Hähne krähen, als ich mich schon seit über einer Stunde an meinem Arbeitsplatz befinde. Zusammen mit meinen beiden Assistenten prüfe ich noch ein letztes Mal die speziellen Vogelfangnetze, bevor wir gemeinsam die Kakaoplantage verlassen. Jeden Tag besuchen wir eine andere von insgesamt 15 Plantagen, auf denen ich für meine Promotion forsche.


In einer Stunde werden wir zurückkehren und die Fangnetze prüfen. Die Vögel, die sich darin verfangen haben, werden dann wissenschaftlich untersucht und anschließend freigelassen. Riskant oder schädlich ist das natürlich nicht. Im Gegenteil.

Meine Promotion beschäftigt sich mit den ökologischen Dienstleistungen von tropischen Vögeln und Fledermäusen. Diese Dienstleistungen sind unter anderem Samenverbreitung (Renaturierung von Waldflächen), Pflanzenbestäubung und die Reduzierung schädlicher Insekten. Auf dem Bild erkennt man mich mit einer Grünflügeltaube (Chalcophaps indica), ein Samenverbreiter, der in den frühen Morgenstunden in unser Fangnetz ging. Menschen profitieren von diesen Dienstleistungen, oft bilden sie sogar Grundlagen unserer Existenz. Im Hintergrund des Bildes sieht man eine Kakaoplantage und das rot-weiße Absperrband einer Kontrollfläche mit zwei Kakaobäumen. Obwohl Kakao und seine Nebenprodukte zu den bekanntesten Agrarprodukten auf dem Weltmarkt gehören, ist über die Ökologie dieser Plantagen relativ wenig bekannt. Sulawesi ist der drittgrößte Produzent von Kakao weltweit und gleichzeitig ein globaler „Hot-Spot“ des Artenreichtums. Kakaoplantagen sind Schattenbaumsysteme und können bei entsprechender Bewirtschaftung immer noch zahlreiche Vogel- und Fledermausarten beherbergen. Zudem kann die effektive und nachhaltige Nutzung dieser Flächen den Druck auf die angrenzenden Regenwälder mildern.

In einem großflächigen Freilandexperiment untersuchte ich zwanzig Monate lang (2010-2011) den Einfluss von Vögeln und Fledermäusen auf Kakaoplantagen. Wir manipulierten den Zugang von Vögeln und Fledermäusen zu den untersuchten Kakaobäumen, indem wir Käfige um die Bäume installierten, die sich morgens und abends öffnen oder schließen ließen. So gelangten an manche Bäume keine Vögel, keine Fledermäuse oder keiner der beiden Gruppen (Komplettausschluss). Durch die Veränderungen, die wir daraufhin auf den Kakaobäumen beobachten konnten, stellten wir fest, dass Vögel und Fledermäuse dort einen bedeutenden Einfluss haben. Demnach reduzieren beide effektiv zahlreiche Schädlinge und wirken sich positiv auf den Ernteertrag von Kakaofrüchten aus. Diese Ergebnisse verbinden Ökosystemleistungen mit ökonomischen Werten, und liefern nicht nur wichtige Informationen für die Kleinbauern, sondern auch Argumente für den Naturschutz und das Management solcher Landnutzungsgebiete. Dies sind die ersten Daten für die so genannte Alte Welt zu der Indonesien gehört. Außerdem wurden in diesem Experiment erstmals simultane und langfristige Untersuchungen durchgeführt.

Die Tage ähnelten sich stets: Wir standen vor dem Krähen des ersten Hahnes in der Plantage, fingen und untersuchten Vögel, zählten Insekten, Kakaofrüchte, Blätter und nahmen allerhand anderer Daten auf. Am Abend wurden die Vogelfangnetze abgebaut und für den Umzug zur nächsten Plantage fertig gemacht, während ich mich bereits auf die nächtliche Aufnahme der Insekten vorbereitete.

Mein Aufenthalt in Indonesien war geprägt von großer Gastfreundschaft und spannenden Erlebnissen. Für die Unterstützung der Studienstiftung auf diesem Weg bin ich ebenso dankbar wie für den Rückhalt von Familie und Freunden zu Hause in Deutschland und Österreich. Diese unvergessliche Zeit wird auch in Zukunft persönlich wie beruflich ein bedeutender Bestandteil von mir bleiben.

Bea Maas, Agrarökologie , Universität Göttingen. Forschungsbericht zum aktuellen Promotionsvorhaben "Die Bedeutung von tropischen Vögeln und Fledermäusen für die Schädlingsbekämpfung und Produktivität regenwaldnaher Kakaoplantagen in Sulawesi (Indonesien)".