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Berichte

Mercator-Kolleg: Stage bei UNEP in Khartoum

Meine erste Stage verbringe ich bei UNEP in Khartoum. Diese Station habe ich gewählt, um einen besseren Einblick in verschiedene Strategien der Ressourcennutzung in Konflikt/Postkonflikt Situationen zu erlangen. Der Kontakt bestand schon durch meine Forschungstätigkeit im Südsudan, so dass ich schon vor Beginn der Stage mit einigen Arbeitsinhalten der Agency vertraut war.

Da vor zwei Jahren schon ein Mercator Fellow bei UNEP Sudan gearbeitet hat, wurde ich überaus herzlich empfangen – allerdings auch mit sehr hohen Erwartungen konfrontiert. Ich habe das als gutes Zeichen aufgefasst und mich in die Arbeit gestürzt. Das Team ist sehr klein, und hat eher ein Human – als Financial Resources Problem, daher gibt es einige Aufgabenbereiche, die durch mich abgedeckt werden sollen/werden.

Passend zu meiner Projektidee war ich in den ‘Environmental Mainstreaming’ Prozess eingebunden, in dem alle humanitären Projekt in Sudan und Darfur auf ihre negativen Umwelteinwirkungen und Nachhaltigkeit untersucht und bewertet werden. Der Umgang mit den sehr knappen Wasserressourcen ist dabei ein wichtiges Thema. Diese Arbeit hat mir einen guten Überblick über die verschiedenen humanitären Projekte gegeben und gute Kontakte zu anderen Agencies und NGOs hergestellt, die bei der Suche nach einer zweiten Stage sehr wertvoll sind. Zur gleichen Zeit fand die Vorbereitung für die 2013 Darfur Joint Assessment Mission statt, die neue Geber für den Wiederaufbau von Darfur gewinnen möchte. UNEP hatte die Leitung für die Arbeitsgruppe Resource Governance inne, und ich war an der Zusammenstellung und Präsentation der Ergebnisse beteiligt.

Darüber hinaus arbeite ich inhaltlich an einigen Publikationen mit, die in den Bereich Wasser-/Ressourcengovernance fallen. Die inhaltliche Arbeit macht mir viel Spaß und ist eine willkommene Abwechslung zu den vielen administrativen und organisatorischen Aufgaben, die auf meinem Schreibtisch landen, wie zum Beispiel die Betreuung von Consultants, redaktionelle Tätigkeiten für Berichte und die Website und die Unterstützung der Evaluierungsarbeit.

Die dritte ‘Säule’ meiner Tätigkeit ist ein von der EU-finanziertes Projekt zu Disaster Risk Reduction. Das Projekt läuft über drei Jahre, und hat vier Länderkomponenten, die sich durch instabile politische Rahmenbedingungen und Konflikt auszeichnen: Afghanistan, Haiti, Kongo und Sudan. Ich bin der ‚National Focal Point’ für den Sudan. Es soll nach Möglichkeiten gesucht werden, wie Gemeinschaften sich auf Naturkatastrophen vorbereiten können und ihre Verwundbarkeit reduzieren können (im Fall Sudan/Darfur bedeutet dies: Umgang mit Wasser um Dürren zu überstehen) – in einem Umfeld, das sich durch Instabilität und fehlende oder ungenügende Regelungsmechanismen auszeichnet. Der Plan ist, mit Communities in Darfur zusammen zu arbeiten, mit verschiedenen NGOs zusammen, und die Ergebnisse dieser Projekte dann auf nationaler Ebene in den Policy-Dialog einfließen zu lassen. Das Projekt beschäftigt sich also auch mit der Fragestellung, wie lokale und nationale Mechanismen ineinander greifen können – ein weiterer wichtiger Aspekt aus meiner ursprünglichen Projektskizze.

Darüber hinaus vertrete ich UNEP in verschiedenen Kooperationsgremien (Gender, Humanitarian Working Group) – werde also voll in das Programm eingebunden und vertrete uns nach außen.

Die Arbeitsatmosphäre im Büro ist sehr angenehm – fast familiär – da wir in sehr kleines Team sind: sechs Internationals und fünf Nationals (in wichtigen Positionen – wir haben also eine sehr gute Quote, was den Kontakt mit Ministerien sehr einfach macht). Was mir gesagt wurde als ich angekommen bin, war: warte nicht, bis wir ein Projekt vorschlagen, das dich interessiert. Wenn du es willst: nimm es dir und zeig uns, dass du es kannst! Das hat mich zu Beginn sehr angespornt. Letztendlich fiel die Entscheidung für das EU-DRR Projekt dann aber darüber, dass ich zu einer Konferenz nach Genf geschickt wurde, auf der ich dann erfahren habe, dass ich nun für das Projekt zuständig bin – schließlich vertrete ich das Büro ja auf dieser Konferenz.

Insgesamt bewerte ich meine Zeit hier sehr positiv und lehrreich, und ich kann kaum glauben, dass die ersten drei Monate schon vergangen sind.

Trotzdem möchte ich gerne eine Zeit im Feld arbeiten, um die Umsetzung der Projekte zu sehen, mehr von der Konfliktdynamik in Darfur zu verstehen, und ein Gefühl für wirkliche Felderfahrung zu bekommen. Ein Arbeitsaufenthalt in Nyala, Süddarfur hat mir letzte Woche schon erste Einblicke in die Arbeit fernab von Khartoum vermittelt. Außerdem bin ich nach wie vor skeptisch was die schnelle Umsetzung von internationalen ‚Erfolgsgeschichten’ und Projektbeispielen in nationale Strategien und rechtliche Regelwerke angeht. Die Planung des Feldaufenthaltes ist wegen der angespannten politischen Situation und der sehr restriktiven Vergabe von Reisegenehmigungen sehr schwierig – man wird sehen, ob es möglich ist.

Julia Ismar (Zwischenbericht Mercator-Kolleg 2012/2013, 1. Stage: UNEP Post Conflict and Disasters Management Branch, Khartoum)