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Berichte

Der Blick über den Bücherrand: Stipendiaten organisieren Seminar im Senegal

In den Wissenschaftlichen Kollegs der Studienstiftung finden Stipendiaten fachliche Vertiefung. Zwei Jahre lang haben sich Filip Bubenheimer und Kerstin Dembsky mit Verfassungsentwicklungen in Afrika beschäftigt. Danach stand die Idee für ein ganz besonderes Projekt: ein Seminar im Senegal.

Im Rahmen des Gesellschaftswissenschaftlichen Kollegs führte uns unsere Arbeitsgruppe „Verfassungsentwicklungen und Governance-Strukturen in Afrika“ vier Mal jeweils eine Woche lang in das barocke Ellwangen und nach Schmöckwitz, in den tiefen Osten Berlins. In der Abgeschiedenheit ließ sich gut diskutieren: über gesellschaftliche und politische Entwicklungen in afrikanischen Staaten, Merkmale moderner Staatlichkeit, Rechtspluralismus, Demokratiemessungen und unterschiedliche Verfassungsverständnisse. Zum Ende des Kollegs gab unser Arbeitsgruppenleiter, Professor Thilo Marauhn, den Anstoß, unseren Erfahrungshorizont über den Bücherrand hinaus zu erweitern: bei einem Seminar mit Jurastudierenden im südsenegalesischen Ziguinchor.

Begeistert vom Programm der senegalesischen Studenten
Gut ein Jahr dauerte die Vorbereitung für das Seminar. Dass es am 26. Dezember 2011 dann wirklich losgehen würde, hätten viele zu Anfang nicht geglaubt. Umso begeisterter waren wir über das reichhaltige wissenschaftliche und kulturelle Programm, das zwölf engagierte Studentinnen und Studenten der Universität Ziguinchor für die elf Tage vorbereitet hatten. Unterstützt wurde das Projekt vom Evangelischen Entwicklungsdienst (eed). In drei Arbeitsgruppen zu den Themen Rechtsstaatlichkeit, Dezentralisierung und Demokratie, Kultur und Sprache arbeiteten jeweils deutsche und senegalesische Studenten zusammen, verglichen die Verfassungen und gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen ihrer Länder, kommentierten und diskutierten angeregt. Am Ende der Arbeitsphase wurden die Ergebnisse vor Professoren und Studenten der Universität Ziguinchor präsentiert.

Kultureller Austausch bei Frikadellen und Kartoffeln
Während unseres Aufenthaltes lernten wir jedoch weit mehr kennen als die Unterrichtsräume der Universität: Unterwegs im Uni-Bus erhielten wir im Dorf Enampor einen Einblick in die ländlichen Strukturen der Casamance-Region, besuchten die Wahlkommission CEDA und das Büro der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Ziguinchor. Für kulturellen Austausch sorgten ein „deutsches Abendessen“ mit Frikadellen und Kartoffeln sowie ein gemeinsamer Tag am Cap Skirring, einem der schönsten Strände Westafrikas. Im Anschluss an das Seminar verbrachten wir eine Woche in der Hauptstadt Dakar, bei Gesprächen mit dem deutschen Botschafter Christian Clages, deutschen politischen Stiftungen und der senegalesischen Menschenrechtsorganisation Raddho. Ein Ausflug zur Insel Gorée, dem Weltkulturerbe vor den Stränden Dakars, rundete das Programm ab. 

Baldiges Wiedersehen in Deutschland
Nach den intensiven Tagen konnte nur die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen in Deutschland den Abschied erträglich machen. Nun wollen wir die senegalesische Gruppe für ein weiterführendes Seminar und eine Studienreise nach Deutschland einladen. Im Dezember 2012 sollen vor allem Fragen aus der ersten gemeinsamen Arbeitsphase vertieft werden. Besonders die Lebenswirklichkeit der Studierenden in Ziguinchor, die stark vom Konflikt um die Eigenständigkeit der Region Casamance im Süden des Senegals geprägt ist, soll dabei eine Rolle spielen.

Filip Bubenheimer, Politikwissenschaft, FU Berlin
Kerstin Dembsky, Philosophie, FU Berlin