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Berichte

Inspirationsquelle während der Promotion: Doktorandenforum der Studienstiftung in Frankfurt

Promovierende verschiedener Fachbereiche zum Austausch zusammen zu führen, das ist die Kernidee der Doktorandenforen der Studienstiftung. Jährlich bietet die Promotionsförderung vier dieser Veranstaltungen. Promotionsstipendiat Andreas Pernpeintner hat vom Forum „Gesellschaft, Kultur und Natur“ in Frankfurt inspirierende Eindrücke mitgenommen.

Ein Forschungskolloquium am eigenen Lehrstuhl ist wichtig. Darüber herrscht wohl Einigkeit. Man sitzt in vertrauter Runde, die Doktormutter/der Doktorvater leitet die Diskussion, alle Beteiligten und alle Themen stammen aus dem eigenen Fach. Es geht ums Eingemachte. Man äußert fachspezifisch Gescheites, manche noch Gescheiteres. Und alle spitzen die Ohren, ob die Frau Professorin/der Herr Professor einen Hinweis gibt, welcher für die Dissertation wichtig sein könnte. Denn sie bzw. er wird selbige ja korrigieren.

Warum soll ein Musikwissenschaftler über Biologen-Forschung reden?

Was aber soll ein Doktorandenforum der Studienstiftung bringen? Eines, das für sämtliche Fachbereiche offen ist. Ein Zusammentreffen von Mathematikern, Soziologen, Biologen, Literaturwissenschaftlern, Maschinenbauern, Historikern und Musikwissenschaftlern. Was habe ich als Musikwissenschaftler davon, mir anzuhören, womit Biologen ihre Promotionszeit verbringen? Eine solche Frage kann nur stellen, wer ein Doktorandenforum wie jenes, das kürzlich in Frankfurt am Main stattfand, noch nicht erlebt hat. Denn jeder von den rund 200 Teilnehmern dort profitiert enorm von den anderen – mal ganz davon abgesehen, wie faszinierend es ist zu hören, wie manche Studienstiftler für ihre Promotion durch die Welt reisen, in Indonesien Kakaopflanzen beackern, während man selbst gerade im Archiv über altem Papier kauert. 

Plötzlich eröffnen sich neue Zugangsmöglichkeiten
Sich über die verschiedensten Ausprägungsformen von „ich promoviere“ klar zu werden, sich selbst zu zwingen, das eigene, spezifische Thema in einem Referat möglichst allgemeinverständlich darzustellen – dies sind die angenehmen wie wichtigen Herausforderungen, vor die einen ein Doktorandenforum stellt. Und plötzlich kommen aus dem Auditorium Anregungen auf einen zu, die man von Fachgenossen kaum bekommen hätte: Begriffe und Methoden aus anderen Fächern, die plötzlich eine andere Zugangsmöglichkeit zum eigenen Thema eröffnen (manch solcher Gedankenanstoß reift in der Folgezeit fort und schafft es sogar in den Untertitel der Doktorarbeit). Und schließlich stellt man fest, dass man mit einer ganzen Reihe von Schwierigkeiten bei der Bearbeitung des großen Berges Promotion nicht alleine auf der Welt ist, dass die Probleme von Doktoranden anderer Fächer gar nicht so weit von den eigenen entfernt sind.

Daher sollte festgehalten werden: Eine Veranstaltung wie das Doktorandenforum aller Foren mit seinen vielen Referaten, Diskussionsmöglichkeiten, Workshops, Professorenvorträgen und Freizeitaktivitäten ist eine großartige Inspirationsquelle für jeden Dissertationsforscher.

Andreas Pernpeintner, Musikwissenschaft, LMU München