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Berichte

Sie trauten sich – prägende Erlebnisse auf der Managementakademie Koppelsberg

Mit einwöchigen Managementakademien ergänzt die Studienstiftung ihr Programm um mehr praxisorientierte Angebote. Während der diesjährigen Akademiewoche am Plöner See wurden dabei nicht nur Wissenschaft und Praxis unter die Haube gebracht, wie Promotionsstipendiatin Silke Schmidt berichtet.

Mucksmäuschenstill ist es in dem großen Saal Vortragssaal der Plöner Akademie. Alle schauen gespannt nach vorne auf die Bühne. Dort tut sich wenig. Ganz hinten im Saal dagegen sind nun Pianoklänge zu hören. Die Melodie erinnert an den Einmarsch eines Brautpaares in der Kirche. Ein Raunen geht durch die Reihen, die Blicke wenden sich nach hinten. Und da ist es auch schon - einträchtig schreitet das Hochzeitspaar den Gang zur Bühne entlang. 

"Frauengruppe" auf den Stühlen
Was anmutet wie eine Trauung ist in Wirklichkeit der erste Abend der stipendiatischen Abschlusspräsentationen. Die Gruppe 6 "Ethisches Handeln von Unternehmen und Managern" hat sich entschlossen, ihre Ergebnisse in Form der Verheiratung von Ethik und Wirtschaft zu verbildlichen. Das Publikum ist begeistert - mehrmals gibt es Applaus, es wird viel gelacht. Auch die anderen Gruppen sind am heutigen Abend ganz anders als sich mancher die braven Nachwuchsakademiker und zukünftigen Manager der Studienstiftung vorstellt. Die sogenannte "Frauengruppe" alias "Gruppe 2: Managementkulturen und Frauen im internationalen Vergleich" präsentiert Ausschnitte ihrer Arbeit auf den Stühlen stehend. Wie sich in der anschließenden Fragerunde zeigt, sehen es jedoch nicht alle gelassen, wenn die Damen in dieser für deutsche Manager ungewohnten Position auf die Herren der Schöpfung herabschauen und von Handlungsbedarf sprechen. Zuspruch gibt aber es auch: "Ist doch auch wieder typisch, dass in der Ethikgruppe die Frau "Ethik" war und der Mann "Wirtschaft", raunt ein Teilnehmer. 

Diskussionen in der Mittagspause 
Insgesamt wurden auf der diesjährigen Managementakademie vom 14. bis 20. August, eine von zwei solcher Akademien, sieben Arbeitsgruppen angeboten. Die Themenbreite reichte von "PR und strategische Kommunikation" über "Herausforderungen für Universitäten" bis hin zu "Beziehungsmanagement in der Schule". Insgesamt 130 Stipendiaten, darunter Studierende und Doktoranden, fanden den Weg zur Veranstaltung am idyllischen Plöner See. Einige davon waren bereits Wiederholungstäter. Doch von eingefahrenen Methoden oder Langeweile ist nichts zu spüren. Im Gegenteil, oft wurden die inhaltlichen Diskussionen auch in der Mittagspause weitergeführt. Dabei war nicht jeder mit seinem Arbeitspensum zufrieden. "Die anderen Gruppen machen pünktlich Schluss und wir überziehen ständig und haben dazu noch Nachtarbeit", hörte man einige in der Kaffeepause fluchen. 

Vorträge im Käfig der Löwen 
Doch anscheinend gehörte das zu der Taktik der Akademie. Nur wer hart arbeitet, wird auch mal Manager, schien die Botschaft zu sein. Vorbilder gab es zu diesem Thema auch zu bewundern. An mehreren Abenden boten ehemaligen Studienstiftler, die es "geschafft haben", Vorträge. Gleich am ersten Abend wagte sich einer der Arbeitsgruppenleiter in den Käfig der Löwen, um über Ethik in der Finanzwirtschaft zu referieren. Nicht alle Zuhörer konnten am Ende erkennen, wo die Ethik in all den Zahlen, Statistiken und wortreichen Powerpoint-Slides lag. Entsprechend heftig wurde anschließend gefragt, diskutiert, ja, man könnte sogar sagen - kritisiert. Doch auch der Nachwuchs stellte sich des Rolle der Vortragenden und präsentierte an den Nachmittagen eigene Projekte und Möglichkeiten des Engagements. An der Pinnwand in der Lobby der Akademie wurden zudem fleißig Unternehmungen von Stipendiaten angekündigt. Diese reichten vom frühmorgendlichen Joggen auf die nahe gelegene Prinzeninsel bis hin zum Tango-Kurs am späten Abend. 

Heimliche Geliebte ruiniert Hochzeit 
So ganz war die Harmonie allerdings nicht überall angekommen, schaut man sich den Verlauf der Hochzeitszeremonie an. Bei Herrn Wirtschaft und Frau Ethik jedenfalls platzte am Ende eine Geliebte des Noch-Nicht-Gatten samt unehelichem Kind herein und Frau Ethik ist in Tränen aufgelöst. Ein bisschen Abstraktionsvermögen traut die Gruppe dem Publikum aber wohl zu, sollte dieses doch aufgrund einer humorvollen Darstellung nicht alles auf die Realität übertragen. Eigentlich seien die Ergebnisse aus der Gruppe sehr positiv, war später in der Diskussion zu hören. Ethisches Handeln und Managertum könne man durchaus miteinander vereinbaren. 

Silke Schmidt, Publizistik, Universität Marburg