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27/10/2020

weitergeben – Engagementpreise 2021 gehen an elf gemeinnützige Projekte

In der Kategorie Engagementpreis setzen sich sechs stipendiatische Initiativen durch / Fünf Projekte gewinnen die Starterpreise der Studienstiftung

Bonn, 27. Oktober 2020. Die Stipendiatin Lena Gronbach erhält den Engagementpreis 2021 der Studienstiftung. Fünf weitere Geförderte werden als Finalistinnen und Finalisten geehrt. Bei den Starterpreisen, mit denen ehrenamtliche Initiativen in der Aufbauphase unterstützt werden, setzen sich drei Stipendiatinnen und zwei Stipendiaten mit ihren Projekten durch. Die Preisverleihung findet am 14. Juni 2021 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften statt. Der Verein Alumni der Studienstiftung stiftet die Preisgelder für den Engagementpreis und die Starterpreise.

 

Engagementpreisträgerin


Der mit 5.000 Euro dotierte Engagementpreis 2021 geht an Lena Gronbach und ihre „Africademics“-Initiative. Das Projekt wurde 2019 gegründet und unterstützt Studierende in Afrika bei der Suche nach Finanzierungsoptionen und der Orientierung bei der Studienwahl. „Die Idee, Africademics zu gründen, entstand während meiner eigenen Suche nach einem Stipendium für meine Promotion in Südafrika. Was mich überraschte, war die große Anzahl an Förderprogrammen für afrikanische Studierende, die oft aber ihre Zielgruppe nicht erreichen. Dies liegt sowohl an den begrenzten Ressourcen afrikanischer Hochschulen als auch an allgemeinen Sprach- und Informationsbarrieren und dem oft eingeschränkten Zugang zum Internet“, sagt Gronbach.

„Ich fühle mich durch die Auszeichnung mit dem Engagementpreis 2021 in meinem Einsatz für mehr Bildungsgerechtigkeit bestärkt“, so die 30-jährige Promotionsstipendiatin weiter. Das Preisgeld soll in den Aufbau einer Stipendien-Datenbank sowie den Ausbau eines 2020 gestarteten Botschafterprogramms fließen. Zusätzlich will Gronbach eine Webinar- und Workshopreihe zum Thema Stipendienangebote und -bewerbung für Studierende aus afrikanischen Ländern initiieren.

Lena Gronbach erarbeitet an der Capetown University in Kapstadt eine soziologische Dissertation zum Thema der Digitalisierung von Sozialhilfezahlungen in drei afrikanischen Ländern. Sie wird seit 2019 von der Studienstiftung für ihre Promotion gefördert. 2011 wurde sie bereits in die Studienförderung der Studienstiftung aufgenommen und absolvierte einen Bachelor in Außenwirtschaft an der ESB Business School der Hochschule Reutlingen sowie Master in Development Studies an der University of Pretoria.

Mit ihrem Engagement überzeugte sie die Jury: „Mit ‚Africademics’ ermöglicht Lena Gronbach Studierenden und Studieninteressierten in afrikanischen Ländern Zugang zu Informationen und Gelegenheit zum Austausch. Dieses große Engagement und die gesellschaftliche Dimension von ‚Africademics’ haben mich besonders beeindruckt. Das Projekt agiert in einem international besonders wichtigen Bereich und wirkt in die Zukunft, indem es jungen Menschen neue Perspektiven eröffnet“, sagt Jury-Mitglied Annette Rupp, Gründungsbeauftragte der Kulturstiftung Schloss Wiepersdorf.

Der Verein Alumni der Studienstiftung stiftet das Preisgeld für den mit 5.000 Euro dotierten Engagementpreis.

Engagementpreis-Finalistinnen und -Finalisten

Neben der Preisträgerin Lena Gronbach hat die Jury drei Bewerberinnen und zwei Bewerber als Finalisten in der Kategorie Engagementpreis prämiert:

Christian Hölzer motiviert Schülerinnen und Schüler mit dem Projekt „KI macht Schule“, sich mit Themen des maschinellen Lernens und künstlicher Intelligenz informiert und kritisch auseinanderzusetzen. In der „Corona School“ helfen Maria Matveev und über 10.000 Studierende ehrenamtlich dabei, dass Schülerinnen und Schüler auch während der Pandemie nicht den Anschluss an den schulischen Lernstoff verlieren. Florian Söllner will mit dem „HIV-Präventionsprojekt“ mehr Menschen im kamerunischen Foumban über sexuell übertragbare Krankheiten aufklären. Lisa Trebs eröffnet mit dem Online-Magazin „Critical Edges“ und einem internationalen Redaktionskollektiv kritische Perspektiven auf gesellschaftspolitische Fragen. In der „Refugee Law Clinic Berlin“ bietet Greta Wessing kostenlose und unabhängige Rechtsberatung für Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten in Berlin und auf der griechischen Insel Samos an.

Insgesamt lagen für den Engagementpreis 28 Bewerbungen vor.

Starterpreisträgerinnen und Starterpreisträger

In der Kategorie Starterpreise lagen der Jury 23 Bewerbungen vor. Drei Stipendiatinnen und zwei Stipendiaten konnten mit ihren Projektideen in besonderer Weise überzeugen:

Merle Grimme fördert mit dem Verein „Connected Differences“ Kunst- und Kulturschaffende aus marginalisierten Gruppen und Minderheiten und macht diese sichtbarer. Mit dem Projekt „Wayweiser“ eröffnet Lennart Lüneborg Schülerinnen und Schülern Perspektiven auf die Zeit nach der Schule. Dafür bringt er sie mit studierenden oder berufstätigen Mentorinnen und Mentoren zusammen. Leonie Scheidt spürt mit dem „Neuen Saarbrücker Kunstverein“ der Bedeutung des öffentlichen Raumes, und hier vor allem ungenutzter Orte, für das Zusammenleben in der Stadt nach. Das Social Startup „Seedloans“ von Merlin Stein vergibt Mikrokredite an ländlich lebende Familien in Uganda in Form von Saatgut. Emily Wilbrand setzt sich mit der Initiative „Lionnes“ innerhalb des Vereins „Woe zon loo“ für Frauengesundheit und den Zugang zu Menstruations-Hygieneprodukten ein.

Das Preisgeld in Höhe von jeweils 1.000 Euro, gestiftet vom Verein Alumni der Studienstiftung, unterstützt die ausgewählten Starterpreis-Projekte bei dem Übergang aus der Konzeptions- in die Praxisphase.

Preisverleihung und Spendenaufruf

Die Engagementpreisträgerin, die Finalistinnen und Finalisten sowie die mit dem Starterpreis Ausgezeichneten werden ihre Initiativen im Rahmen einer Festveranstaltung am 14. Juni 2021 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften präsentieren. Mit den „weitergeben – Engagementpreisen“ würdigt die Studienstiftung des deutschen Volkes den Einsatz ihrer Geförderten für gemeinnützige Projekte, die sie selbst initiiert haben oder für die sie in verantwortungsvoller Position tätig sind.

Auch in diesem Jahr unterstützt die Studienstiftung das gesellschaftliche Engagement der Engagementpreisträgerin und der Finalisten wieder mit einem breit angelegten Spendenaufruf. Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie ab Ende November auf der Homepage der Studienstiftung.

Die Projekte im Einzelnen:

Engagementpreis

Preisträgerin

Lena Gronbach: Africademics

„Africademics“ ist eine Plattform, auf der Informationen zu Stipendien und Wettbewerben gebündelt bereitgestellt werden, sowie der Austausch unter afrikanischen Studierenden, Studieninteressierten und Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern gefördert wird. Ziel des Projektes ist es, mehr jungen Menschen in afrikanischen Ländern den Zugang zu Hochschulbildung zu ermöglichen und ein Netzwerk ehrenamtlicher Unterstützerinnen und Unterstützer an afrikanischen Hochschulen und in Forschungseinrichtungen aufzubauen. Was im Juli 2019 als kleine Facebook-Seite begann, hat sich inzwischen zu einer Plattform mit rund 14.500 Followern sowie einer eigenen Website entwickelt, auf der bereits über 700 Stipendien und Fördermöglichkeiten veröffentlicht wurden. Durch das im Mai 2020 gestartete Botschafterprogramm ist „Africademics“ derzeit mit 24 ehrenamtlichen Botschaftern an 22 Hochschulen in zehn afrikanischen Ländern vertreten.

Lena Gronbach promoviert im Fach Soziologie an der University of Cape Town in Kapstadt, Südafrika.
Weitere Informationen zu Africademics

 

Finalisten

Christian Hölzer: KI macht Schule

Das Programm „KI macht Schule“ bringt die Themen Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen an Schulen in Deutschland. Im Zentrum stehen modulbasierte Workshops, in denen Schülerinnen und Schüler eigenständig datenbasierte Probleme mit maschinellen Lernmethoden lösen und im spielerischen Wettbewerb interaktiv lernen, Algorithmen miteinander zu vergleichen. Ziel ist es, unterschiedliche Ansätze und soziale Auswirkungen von KI zu erklären. In den Workshops lernen die Jugendlichen, wie mathematische Methoden aus dem Unterricht zu interessanten Anwendungen im Alltag führen können. Anschließend diskutieren sie über KI-Ethik und sollen ein Bewusstsein für Datenschutz und Nutzen von KI entwickeln. „KI macht Schule“ bietet so einen Rahmen, in dem Jugendliche KI in allen Aspekten kennenlernen.

Christian Hölzer studierte Physik an der Universität Bonn.
Weitere Informationen zu KI macht Schule

 

Maria Matveev: Corona School e.V.

Die Covid-19-Pandemie führt seit März zu großen Einschränkungen, etwa im Schulalltag. Schülerinnen und Schüler mussten viele Unterrichtsinhalte zuhause alleine erarbeiten. Um Lernenden in dieser Situation unter die Arme zu greifen, haben engagierte Studierende die Plattform „Corona School" aufgebaut. Über die Website werden Schülerinnen und Schüler mit Studierenden in einem Tandem-System vernetzt, um digital bei Schulaufgaben zu unterstützen. Alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich, das Angebot ist für die Kinder und Jugendlichen kostenlos. Der Erfolg in Zahlen: mehr als 22.000 registrierte Nutzerinnen und Nutzer. Neben der Eins-zu-eins-Unterstützung sind weitere Projekte wie Internationalisierung, Sommer-AGs für Schülerinnen und Schüler und digitale Praktika für Lehramtsstudierende in der Planung und Umsetzung.

Maria Matveev studiert Mathematik an der TU München.
Weitere Informationen zur Corona School

 

Florian Söllner:HIV-Präventionsprojekt

In Kamerun ist fast jeder Zwanzigste am HI-Virus erkrankt. Bei gut 24 Millionen Einwohnern entspricht dies rund einer Million Menschen. Der Verein „Campus for Change“ will dem Mangel an Aufklärungs- und Präventionsarbeit entgegenwirken. In seinem HIV-Präventionsprojekt in Foumban bietet er wissenschaftlich fundierten Aufklärungsunterricht, verteilt Präservative und stellt Informationsbroschüren zur Verfügung. Um einen qualifizierten Aufklärungsunterricht für Schülerinnen und Schüler ab der 7. Jahrgangsstufe mit Fokus auf das Thema HIV gewährleisten zu können, werden sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler ausgebildet. Langfristig möchte das HIV-Präventionsprojekt durch seine Aufklärungsarbeit in der Umgebung Foumbans die Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten reduzieren, ebenso wie die Zahl der ungewollten Schwangerschaften.

Florian Söllner studiert Mathematik an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Weitere Informationen zum HIV-Präventionsprojekt

 

Lisa Trebs: Critical Edges

„Critical Edges“ ist ein studentisches internationales Online-Magazin. Es veröffentlicht Analysen, Geschichten und künstlerische Beiträge, die sich kritisch mit gesellschaftspolitischen Fragen auseinandersetzen. 2016 gegründet, führt das Online-Magazin Studierende aus den verschiedensten Fächern zusammen, die den politischen Diskurs mitgestalten und gemeinsame Aktionen anregen, wie Online-Diskussionen, Forschungsinitiativen sowie die Teilnahme an Konferenzen. Im Fokus stehen Themen wie der Klimawandel, die Covid-19-Pandemie sowie die Black Lives Matter-Bewegung. Das Magazin zielt darauf, mit der Beteiligung von Studierenden unterschiedlichster Hintergründe, Stimmen zu Wort kommen zu lassen, die sonst möglicherweise nicht gehört werden. Langfristig ist angestrebt, die bislang in Amerika, Asien und Europa bestehenden lokalen Redaktionsgruppen auch in Afrika zu etablieren.

Lisa Trebs studiert Entwicklungsstudien an der University of Sussex in Brighton, Großbritannien.
Weitere Informationen zu Critical Edges

 

Greta Wessing: Refugee Law Clinic Berlin e.V.       

Die Refugee Law Clinic Berlin e.V. (RLC Berlin) ist ein studentischer Verein an der Humboldt-Universität zu Berlin, der sich dem Zugang zu Recht für alle verschrieben hat. Über 80 ehrenamtliche Rechtsberaterinnen und Rechtsberater bieten kostenlose und unabhängige Rechtsberatung für Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten in Berlin und auf der griechischen Insel Samos an. Um engagierte Menschen zu Rechtsberatern  auszubilden, bietet die RLC Berlin zudem einen Fortbildungszyklus im Asyl- und Aufenthaltsrecht an. Mit ihren Lehrveranstaltungen schließt sie eine Lücke im universitären Lehrplan. Seit Beginn 2020 unterstützt die RLC Berlin Geflüchtete in ihren Klagen gegen die Zustände in griechischen Flüchtlingslagern vor dem Europäischen Menschengerichtshof.

Greta Wessing studiert Jura an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Weitere Informationen zur Refugee Law Clinic Berlin e.V.

 

Starterpreise

Preisträgerinnen und Preisträger

 

Merle Grimme studiert Dokumentarfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film München

Lennart Lüneborg studiert Wirtschaftswissenschaften an der London School of Economics, London

Leonie Scheidt studiert Freie Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken

  • Merlin Stein:Seedloans

Merlin Stein studiert Wirtschaftswissenschaften an der University of Oxford

Emily Wilbrand studiert Psychologie an der Universität Trier

Weitere Informationen zu den „weitergeben – Engagementpreisen“, zur Jury, den Preisträgerinnen und Preisträgern sowie den Finalistinnen und Finalisten finden Sie hier.