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19/10/2016

weitergeben – Engagementpreise 2017 gehen an fünf Preisträgerinnen und Preisträger


Bonn, 19. Oktober 2016. Der Stipendiat Lukas Kleinhenz erhält den Engagementpreis 2017 der Studienstiftung. Bei den Starterpreisen, mit denen ehrenamtliche Initiativen in der Aufbauphase ausgezeichnet werden, setzten sich vier stipendiatische Projekte durch. Die Preise werden im Rahmen einer Festveranstaltung am 19. Juni 2017 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften verliehen.

Der mit 5.000 Euro dotierte Engagementpreis 2017 geht an Lukas Kleinhenz und sein Projekt „UNI – Unterricht natürlich integrativ“. Gemeinsam mit Kommilitoninnen und Kommilitonen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg bietet er täglich Deutschunterricht für Geflüchtete an. In Kleingruppen vermitteln die Ehrenamtlichen Sprachkenntnisse und bieten gemeinsame Aktivitäten wie Fußball oder Schach an. So wird ein Raum für Austausch geschaffen, der den Geflüchteten zudem Struktur im Alltag gibt.

Kleinhenz startete die Initiative im Sommersemester 2015 zusammen mit zehn Kommilitonen und unterrichtete zunächst vier unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Mittlerweile engagieren sich über 40 Studierende, die gut 60 Geflüchtete begleiten. Das Projekt läuft in Kooperation sowohl mit dem Matthias-Grünewald-Gymnasium Würzburg als auch der Julius-Maximilians-Universität, wo ein wöchentliches Begleitseminar wissenschaftliche Einblicke in die Themenkomplexe Flucht und Migration bietet.

„Der Engagementpreis 2017 ist eine Bestätigung für unser Projekt und gibt uns die Chance, unsere Arbeit auszuweiten und zu intensivieren“, sagt Lukas Kleinhenz. Mit dem Preisgeld sollen unter anderem weitere Lernmaterialien angeschafft und das Angebot an gemeinsamen Aktivitäten erweitert werden. „Mit unserem Projekt versuchen wir einen kleinen ‚Hafen‘ zu schaffen, in dem unsere Schülerinnen und Schüler Erfahrungen der Selbstwirksamkeit machen können“, so Kleinhenz.

Lukas Kleinhenz ist seit März 2015 Stipendiat der Studienstiftung. Der 24-Jährige studiert Sonderpädagogik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Für den Engagementpreis lagen insgesamt 38 Bewerbungen vor. Das Projekt „UNI – Unterricht natürlich integrativ“ überzeugte die Jury dadurch, dass es „wechselseitige Lernerfahrungen von Unterrichtenden und Unterrichteten ermöglicht“, sagt Jury-Mitglied Susanna Krüger, Geschäftsführerin von „Save the Children“ Deutschland. „Die Leistung der Initiatoren ist enorm, sie haben in kürzester Zeit ein Projekt auf die Beine gestellt, das sehr konkret Hilfe leistet und in mehr als eine Richtung wirkt“, begründet Krüger die Entscheidung.

Neben dem Preisträger Lukas Kleinhenz hat die Jury fünf Bewerberinnen und Bewerber als Finalisten in der Kategorie Engagementpreis ausgewählt. Der Preisträger und die Finalisten werden ihre Initiativen im Rahmen einer festlichen Preisverleihung am 19. Juni 2017 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften präsentieren.

In der Kategorie Starterpreise lagen der Jury 31 Bewerbungen vor. Vier Initiativen wurden ausgezeichnet: Das deutsch-ghanaische Projekt „Brain Cycles“, das psychisch Erkrankten neue berufliche Perspektiven eröffnet, das IT-Ausbildungsprojekt „Education for Refugees“ am Karlsruher Institut für Technologie, die Initiative „MPhasis“, die engagierte Mittelschüler in München bei der Ausbildungssuche berät, sowie das Informationsportal für Flüchtlinge und Migranten „We.Inform“ aus Hamburg.

Mit dem Preisgeld in Höhe von 1.250 Euro können die prämierten Projekte aus der Konzeptions- in die Praxisphase durchstarten und so gesellschaftlich relevante Fragen adressieren und Veränderungen bewirken.

Mit den Engagementpreisen würdigt die Studienstiftung des deutschen Volkes den Einsatz ihrer Geförderten in von ihnen initiierten oder maßgeblich getragenen gemeinnützigen Projekten.

Die Projekte im Einzelnen:

Kategorie I: Starterpreis

Preisträger

Brain Cycles
Rick Wolthusen, Humanmedizin, TU Dresden
Die Initiative ermöglicht Patienten mit psychischen Erkrankungen in Ghana eine Berufsausbildung als Fahrradmechaniker. „Brain Cycles“ will so den Patienten neue berufliche Perspektiven sowie eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben eröffnen und gleichzeitig die Öffentlichkeit stärker für psychische Erkrankungen sensibilisieren. Parallel zur Konzeption des Ausbildungsprogramms ist geplant, mit Fahrrädern aus Deutschland eine Fahrradwerkstatt in Aflao (Ghana) aufzubauen, die sich nach einem Jahr Betrieb finanziell selbst tragen soll. Die Initiative geht aus dem Verein „On the move e. V.“ hervor, der seit 2015 in Westafrika aktiv ist, um die Bevölkerung stärker über die Funktionen des Gehirns aufzuklären und damit langfristig einer Stigmatisierung psychisch Erkrankter entgegenzuwirken.

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Education for Refugees
Anke Schumacher, Wirtschaftsingenieurwesen, Karlsruher Institut für Technologie
Der Verein „ Education for Refugees“ bietet unter dem Namen „ProRef“ (Programming for Refugees) gezielt Kurse für Flüchtlinge an, in denen sie erste Kenntnisse im Umgang mit Computersoftware und Programmiersprachen erwerben können. Die jeweils 15 Teilnehmenden lernen selbstständig kleine Spiele und Applikationen zu programmieren und erarbeiten sich so Grundkenntnisse in Java. Java ist eine der am weitesten verbreiteten objektorientierten Programmiersprachen. Studierende des Karlsruher Instituts für Technologie schulen die Teilnehmenden ehrenamtlich. Ziel der Kurse ist es, den teilnehmenden Flüchtlingen einen leichteren Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt und bessere Zukunftschancen zu ermöglichen.

MPhasis
Theresa Willem, Masterstudium Medienwissenschaft, Humboldt-Universität Berlin
Tassilo Mürtz, Jura, Ludwig-Maximilians-Universität München

Ziel des Münchner Vereins „MPhasis“ ist es, ein Förderprogramm für talentierte und engagierte Mittelschüler zu etablieren und diese bei der Suche nach geeigneten Ausbildungsstellen zu unterstützen. So soll unter anderem ein breit angelegtes Softskills- und Bewerbungstraining die Geförderten auf die Ausbildung vorbereiten. Der Verein arbeitet außerdem mit mehreren Schulen und Unternehmen zusammen und schafft so ein Netzwerk von qualifizierten Ausbildern und angehenden Azubis aus der MPhasis-Förderung.

Weitere Informationen zu MPhasis

We.Inform
Rebecca Kruse, Jura, Bucerius Law School Hamburg
Studierende und Flüchtlinge haben im Oktober 2015 gemeinsam das ehrenamtliche Pilotprojekt „We.Inform“ ins Leben gerufen, um Informationen zu Angeboten und Aktivitäten für Flüchtlinge in Hamburg besser zu strukturieren und so das Ankommen zu erleichtern. Dafür setzt die Initiative zum einen auf die persönliche Beratung durch ehrenamtliche Mitarbeiter in den Flüchtlingsunterkünften, zum anderen auf mehrsprachige Flyer sowie eine auf die Bedürfnisse der Geflüchteten zugeschnittene Website. Die Ankommenden sollen so in die Lage versetzt werden, die zahlreichen Angebote – von Sprachkursen bis zur Wohnungsvermittlung – in Anspruch nehmen zu können.

Weitere Informationen zu We.Inform

Kategorie II: Engagementpreise

Preisträger

UNI – Unterricht natürlich integrativ
Lukas Kleinhenz, Sonderpädagogik, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
„UNI – Unterricht natürlich integrativ“ ist eine ehrenamtliche Initiative von Würzburger Studierenden für Geflüchtete. Zentral ist hier der täglich stattfindende Deutschunterricht. In nach Leistungsniveau differenzierten Kleingruppen unterrichten die Ehrenamtlichen Menschen verschiedenster Herkunft in Deutsch, Englisch und Mathematik und bieten Raum für sportliche und kulturelle Aktivitäten. Insgesamt 60 Schülerinnen und Schüler nehmen am freiwilligen Programm teil. Das Projekt ist mit der Universität unter anderem über ein wöchentliches Begleitseminar verzahnt. Für den Unterricht stellt das Matthias-Grünewald-Gymnasium Würzburg unentgeltlich Räume zur Verfügung. UNI konnte bereits mehrere Schülerinnen und Schüler an weiterführende Schulen in der Umgebung vermitteln und plant den Ausbau des Unterrichts- und Freizeitangebots.

Finalisten

Bridging Gaps e. V.
Marlene Gärtner, Masterstudium Kulturelle Grundlagen Europas, Universität Konstanz
Friederike Horlacher, Masterstudium Psychologie, London School of Economics
Juliane Hoss, Masterstudium Psychologie, London School of Economics

Die Idee hinter dem 2014 von Juliane Hoss gegründeten Projekt ist es, gesellschaftliche Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland und Südafrika gleichermaßen abzubauen. So engagiert sich der Verein in der Jugend- und Bildungsarbeit in Südafrika, organisiert regelmäßig Camps, bei denen Jugendliche aus verschiedensten Umfeldern sechs Tage zusammen verbringen und in Workshops zum Themenkomplex Rassismus arbeiten, um anschließend als Multiplikatoren in die Gesellschaft hinein zu wirken. In Deutschland macht der Verein unter anderem mit Ausstellungen und einem selbstgedrehten Film auf Alltagsrassismen aufmerksam.

Weitere Informationen zu Bridging Gaps e.V.

Friedenskreis Syrien e. V.
Amer Katbeh, Promotionsstudium in Friedens- und Konfliktforschung, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg
Der „Friedenskreis Syrien e. V.“ wurde 2013 gegründet und setzt sich für eine friedliche Konfliktkultur und den Dialog in Syrien ein. Die 14 ehrenamtlich Engagierten stammen zum Teil selbst aus Syrien oder haben hier längere Zeit gelebt. Das interdisziplinäre Team bietet Workshops, Diskussionsreihen und Vorträge an, in denen Themen wie Identität, Partizipationsmöglichkeiten und Friedensperspektiven verhandelt werden. Da weiterhin geflüchtete Menschen nach Deutschland kommen, sieht sich der Verein zudem vor die Aufgabe gestellt, den interkulturellen Austausch zu fördern.

mpito school network e. V.
Patrick Kletzka, Masterstudium Wirtschaftswissenschaft, Bildungswissenschaft, Bergische Universität Wuppertal
Der Verein „mpito school network“ hat Ende 2014 ein Netzwerk von und für Gemeindeschulen in den Slums von Nairobi (Kenia) etabliert. mpito unterstützt die Schulen dabei, mit lokalen wie internationalen Partnern in Verbindung zu treten und setzt innovative Schulprojekte um. Zur gemeinschaftlichen Entwicklung der intra- oder interschulischen Projekte wird den Schulleiterinnen und Schulleitern im sogenannten „mpito lab“ ein Forum zum kollegialen Wissensaustausch geboten. Ziel von mpito ist eine nachhaltige Gemeindeentwicklung durch Bildung. Derzeit nutzen sieben Grundschulen mit insgesamt mehr als 1.600 Lernenden die Plattform.

Weitere Informationen zu mpito school network e.V.

Snehalayam e. V.
Leonie Geigis und Anna-Lena Lang, Medizin, Charité Berlin
Der Verein „Snehalayam“ unterstützt das Waisenhaus-Projekt „Tojo´s Snehalayam“ in Indien, in welchem obdachlose Kinder und ältere Hilfsbedürftige ein Zuhause finden. Das Projekt wurde 2009 gegründet und zählt inzwischen 115 Mitglieder, die Fundraising-Veranstaltungen planen, Interessierte für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Snehalayam vorbereiten und entsenden und den Kontakt nach Indien pflegen. Dank der Unterstützung des Vereins kann den Kindern der Schulbesuch ermöglicht und die Hilfsbedürftigen versorgt werden.

Weitere Informationen zu Snehalayam e.V.

Workeer
Flora Luisa Bolm, Masterstudium Sozial-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie, FU Berlin
Sophie Kloos, Masterstudium Political Science and International Relations, Istanbul

Mit über 2.800 aktiven Bewerbern, 2.100 öffentlichen Arbeitgeberprofilen und 2.300 Jobinseraten ist Workeer Deutschlands erste und bislang größte Jobbörse für Geflüchtete. 2015 gegründet, zählt Workeer inzwischen neun feste Teammitglieder und 20 Ehrenamtliche. Mit Hilfe von Arbeitgeber- und Bewerberprofilen, sowie Job-, Praktikums- und Ausbildungsangeboten vernetzt Workeer arbeitssuchende Geflüchtete und interessierte Arbeitgeber bundesweit direkt und kostenfrei. Workeer arbeitet zudem mit Organisationen zusammen, die Geflüchteten und Arbeitgebern bei arbeitsrechtlichen Fragen oder im Bewerbungsprozess beratend zur Seite stehen. Ziel ist es, geflüchteten Menschen durch den Zugang zum Arbeitsmarkt den Weg in eine selbstbestimmte Zukunft in Deutschland zu ebnen und Unternehmen den Zugang zu Menschen mit interessanten Potenzialen zu erleichtern.

Weitere Informationen zu Workeer

Weitere Informationen zu den Engagementpreisen, zur Jury, den Preisträgerinnen und Preisträgern sowie den Finalisten finden Sie hier.