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25/01/2021

Studienstiftung vergibt Promotionspreise 2021

Arbeiten aus den Neuro- und Rechtswissenschaften ausgezeichnet

Bonn, 25. Januar 2021. Die Promotionspreise der Studienstiftung gehen 2021 an den Neurowissenschaftler Alexander Dieter und den Juristen Christoph Kling. Die Nachwuchswissenschaftler erhalten je 5.000 Euro für ihre mit Bestnote abgeschlossenen Arbeiten.

Die Jury des Friedrich Hirzebruch-Preises für Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften prämiert Alexander Dieters Erforschung neuer neurowissenschaftlicher Verfahren, die mit der optischen Stimulation des Hörnervs die Qualität von Hörimplantaten signifikant verbessern sollen.

Der Johannes Zilkens-Promotionspreis für Geistes- und Gesellschaftswissenschaften geht an Christoph Kling für seine Dissertation zur Entwicklung, Praxis sowie zum Scheitern des preußisch-deutschen Konkursrechts von 1825 bis 1998. Mit seiner rechtshistorischen Analyse leiste er einen wegweisenden Beitrag zur europäischen Harmonisierung des Insolvenzrechts, wie die Jury in ihrer Begründung hervorhob.

Eine besondere Anerkennung sprach die Jury des Zilkens-Promotionspreises der Arbeit des Philosophen Martin Welsch aus, der in seiner Dissertation eine neue Sicht auf Kants Staatstheorie eröffnet: Er erschließt Kants „Metaphysik der Sitten“ als Beitrag zum Verständnis des Spannungsverhältnisses zwischen Partizipation und Repräsentation in demokratischen Systemen. Damit liefert Welsch einen originellen Denkanstoß für gegenwärtige Debatten über Grundfragen des politischen Denkens.

„Die Auszeichnungen gelten methodisch außergewöhnlich breit aufgestellten Arbeiten, die gleichermaßen grundlegende Erkenntnisse in ihrem jeweiligen Fach, als auch Perspektiven für wichtige Anwendungsfelder erschließen“, sagt Dr. Annette Julius, Generalsekretärin der Studienstiftung. „Christoph Kling hat kundig und detailliert die tieferen Ursachen für die Entwicklung einer Rechtspraxis nachvollzogen und gemäß der Open Science-Grundsätze zugleich eine Datenbank geschaffen, aus der nun viele weitere Arbeiten schöpfen können. Alexander Dieters Forschung gibt der Suche nach Alternativen zur herkömmlichen elektrisch-akustischen Stimulation bei Hörimplantaten eine innovative Grundlage.“ Die prämierten Dissertationen zeigten beispielhaft, wie durch die individuelle Förderung besonders begabter und engagierter junger Menschen Freiräume für innovative und hochrelevante Forschung entstehen.

Um die Promotionspreise 2021 bewarben sich insgesamt 93 ehemalige Promotionsstipendiatinnen und -stipendiaten. Entschieden wird über die Vergabe der Preise in zwei Jurys namhafter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Die Studienstiftung vergibt die mit je 5.000 Euro dotierten Promotionspreise seit 2014. Mit den Auszeichnungen werden außergewöhnliche akademische Leistungen von Stipendiatinnen und Stipendiaten sichtbar gemacht.

Der Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis erinnert an den 2012 verstorbenen Bonner Mathematiker, ein langjähriges Ehrenmitglied des Kuratoriums der Studienstiftung, und wird für exzellente Dissertationen in der Mathematik, den Natur- und Ingenieurwissenschaften vergeben.

Der Johannes Zilkens-Promotionspreis für herausragende Arbeiten in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ist nach dem langjährigen Ehrenpräsidenten der Studienstiftung und Gründungsmitglied des Vereins der Freunde und Förderer der Studienstiftung benannt.

Die Preisgelder tragen der Verein „Freunde und Förderer der Studienstiftung des deutschen Volkes“ und die „Theodor Pfizer Stiftung zur Unterstützung der Studienstiftung“.

Die Preisträger im Überblick:

Dr. Alexander Dieter wird für seine Dissertation „Towards Optical Cochlear Implants: Behavioral and Physiological Responses to Optogenetic Activation of the Auditory Nerve” im Fach Neurowissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis 2021 ausgezeichnet.

Die Arbeit hat zum Ziel, Menschen mit schwerem Hörverlust wieder ein gutes Hören zu ermöglichen. Heute gelingt dies mit sogenannten Cochlea-Implantaten, die auf elektronischen Reizen basieren, aber eine Reihe von Nachteilen aufweisen. Hier legt Dieters Forschung den Grundstein für Implantate, die mittels einer optischen Stimulation des Hörnervs eine entscheidende Verbesserung erzielen. Mit diesem auf Licht basierenden Verfahren werden die verschiedenen Hörfrequenzen präziser adressiert, wodurch der Nutzer im Vergleich zu klassischen Implantaten ein verbessertes Hörerlebnis erfahren soll. Dazu müssen die Hörnerven in der Cochlea so „umprogrammiert“ werden, dass sie auf optische Reize reagieren, und eine Reihe von Mikro-LEDs im sehr kleinen Cochlea-Organ hochpräzise positioniert werden. Die Jury zeigte sich von Alexander Dieters Ergebnissen beeindruckt: Ihm sei es gelungen, mit 16 optischen Kanälen einen akustischen Reiz mit hoher Frequenzauflösung zu erzeugen und so neue Möglichkeiten der Hörrehabilitation zu eröffnen. In ihrer Begründung der Preisvergabe hob die Jury zudem das breite Methodenspektrum der Arbeit hervor, das von den biochemischen Grundlagen des viralen Transfers bis hin zur Ansteuerung von Mikro-LEDs reiche.

Alexander Dieter studierte Biologie an der Goethe-Universität Frankfurt/Main, der University of Helsinki, Finnland, sowie der International Max Planck Research School for Neuroscience in Göttingen. Nach seinem Masterabschluss begann er, gefördert durch die Studienstiftung, 2015 seine Doktorarbeit am Institut für Auditorische Neurowissenschaften an der Universitätsmedizin Göttingen. Seit 2020 arbeitet Alexander Dieter als Postdoktorand am Zentrum für Molekulare Neurobiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Christoph Kling, LL.M., erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für seine Dissertation Materielles Recht und Verfahrensrecht im Konkurs: Genese, Konzept, Praxis und Scheitern des preußisch-deutschen Konkursrechts (1825–1998)“, die er in den Rechtswissenschaften an der Universität Mannheim anfertigte.

Die ausgezeichnete Arbeit zeichnet die Entwicklung und letztlich das Scheitern des preußisch-deutschen Konkursrechts von 1825 bis 1998 nach. Mit seiner empirischen Analyse historischer Konkursverfahren betritt Christoph Kling Neuland, wie die Jury in ihrer Würdigung der Arbeit feststellt. Auf der Grundlage einer sorgfältigen rechtshistorischen Analyse zeigt der Jurist die Bedeutung auf, die dem Zusammenspiel zwischen materiellem Recht und Konkursverfahrensrecht für ein funktionsfähiges Insolvenzrecht zukommt, und stellt sich damit gegen etablierte Deutungsmuster. Die Erkenntnisse dieser Arbeit sind wegweisend für die Bemühungen um eine europäische Harmonisierung des Insolvenzrechts. Besonders hob die Jury die herausragende analytische Qualität der Arbeit an der Schnittstelle von historischer und empirischer Rechtswissenschaft hervor. Kling hat zudem eine umfassende Datenbank erstellt, die mehr als 55.000 Konkursverfahren dokumentiert sowie über 700.000 digitalisierte Seiten des „Reichsanzeiger“ erschließt, der amtlichen Zeitung Preußens und des Deutschen Reichs. Mit dieser öffentlich zugänglichen Datenbank habe er einen bedeutsamen Beitrag auch für künftige Forschungsarbeiten geleistet, so die Jury in ihrer Begründung.

Christoph Kling studierte von 2007 bis 2012 Rechtswissenschaften an der Universität Mannheim und absolvierte von 2009 bis 2010 ein Auslandsstudium in Genf. Ebenfalls in Mannheim nahm Kling nach der Ersten juristischen Prüfung 2013 sein Dissertationsprojekt auf, das er im Dezember 2019 verteidigte. 2014/2015 absolvierte er ein LL.M.-Studium an der Harvard Law School. Sowohl während seines Studiums als auch während der Promotion erhielt er ein Stipendium der Studienstiftung. Derzeit absolviert Kling die Zweite juristische Staatsprüfung am Oberlandesgericht Karlsruhe.

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