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Studienstiftung vergibt Promotionspreise 2018

Arbeiten aus der Mathematik und der Neueren deutschen Literatur ausgezeichnet / Preisverleihung am 4. Juni 2018

Bonn, 23. Januar 2018. Die Promotionspreise 2018 der Studienstiftung gehen an zwei Nachwuchswissenschaftlerinnen: Jessica Fintzen erhält den Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis für ihre Dissertation in der Mathematik. Kathrin Wittler wird für ihre Arbeit in der Neueren deutschen Literatur mit dem Johannes Zilkens-Promotionspreis geehrt.

Beide Preisträgerinnen, deren Dissertationen durch die Studienstiftung gefördert wurden, überzeugten die Jurys durch innovative und hochkomplexe Beiträge in ihren Fachgebieten. So erschließt die Literaturwissenschaftlerin Kathrin Wittler mit ihrer Arbeit neue Perspektiven für das Verständnis der deutschen jüdischen Literatur. Die Dissertation von Jessica Fintzen, Ph.D., kombiniert mit der Zahlentheorie und der Darstellungstheorie algebraischer Gruppen zwei schwierige Gebiete der Mathematik und entwickelt neue Lösungsansätze.

„Die Promotionspreise 2018 gehen an zwei beeindruckende Nachwuchswissenschaftlerinnen, die methodisch äußerst anspruchsvoll arbeiten und die bereits jetzt in ihrem Forschungsfeld Beachtung finden“, sagt Dr. Annette Julius, Generalsekretärin der Studienstiftung. Die ausgezeichneten Dissertationen zeigten exemplarisch, was die individuelle Förderung besonders begabter und engagierter junger Menschen zu bewirken vermag.

Formale Bewerbungsvoraussetzung für die Preise ist eine mit „summa cum laude“ oder „Auszeichnung“ bewertete Promotion. Für die Promotionspreise 2018 wurden insgesamt 110 Arbeiten eingereicht, deren Abgabe zwischen dem 1. April 2016 und dem 30. Juni 2017 lag. Über die Vergabe der Preise entscheiden zwei Jurys aus namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Die Studienstiftung vergibt die mit je 5.000 Euro dotierten Promotionspreise seit 2014. Mit den Auszeichnungen werden außergewöhnliche akademische Leistungen von Stipendiatinnen und Stipendiaten sichtbar gemacht. Der Johannes Zilkens-Promotionspreis für herausragende Arbeiten in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ist nach dem langjährigen Ehrenpräsidenten der Studienstiftung und Gründungsmitglied des Vereins der Freunde und Förderer benannt. Der Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis erinnert an den 2012 verstorbenen Bonner Mathematiker, langjähriges Ehrenmitglied des Kuratoriums der Studienstiftung, und wird für exzellente Dissertationen in der Mathematik, den Natur- und Ingenieurwissenschaften vergeben.

Beide Preise werden im Rahmen einer Festveranstaltung am 4. Juni 2018 in Berlin verliehen. Die Preisgelder werden getragen von dem Verein „Freunde und Förderer der Studienstiftung des deutschen Volkes e.V.“ und der „Theodor Pfizer Stiftung zur Unterstützung der Studienstiftung“.

Die Preisträger im Überblick:

Kathrin Wittler erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für ihre Dissertation „Morgenländischer Glanz. Eine deutsche jüdische Literaturgeschichte (1750-1850)“ im Fach Neuere deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin. In ihrer Arbeit untersucht sie eine beeindruckende Bandbreite der deutschen jüdischen Literatur der Jahrzehnte um 1800 unter der Fragestellung, welche Bedeutung der Orientalismus in dieser Zeit der politischen, sozialen, aber auch semantischen Umbrüche für literarische Selbst- und Fremdzuschreibungen hatte. „Damit liefert Kathrin Wittler die Grundlage für eine Revision geläufiger Annahmen über die Umbruchszeit um 1800 und erschließt neue Perspektiven auf die Literaturgeschichte jener Zeit“, erläutert die Jury ihre Entscheidung. Mit großer Souveränität und einer außerordentlichen Sprachenkenntnis habe die Autorin ein gewaltiges Textkorpus auf äußerst anspruchsvolle Weise aufbereitet. „Dabei ist die Arbeit nicht zuletzt glänzend geschrieben und wird, weil im besten Sinne interdisziplinär hoch informiert, weit über die Literaturwissenschaft hinaus Beachtung und Anerkennung finden“, so die Jury.

Kathrin Wittler studierte von 2005 bis 2011 Deutsche Literatur und Regionalstudien Asien/Afrika an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo sie anschließend bis 2016 am Institut für deutsche Literatur promovierte. An der Humboldt-Universität war sie zunächst als Postdoktorandin im Rahmen der Exzellenz-Initiative tätig. Seit März 2017 arbeitet sie am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin.

Jessica Fintzen, Ph.D., wird für ihre Dissertation „On the Moy-Prasad filtration and stable vectors“ im Fach Mathematik an der Harvard University in Cambridge, USA, mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis ausgezeichnet. Jessica Fintzens Arbeit knüpft an weitreichende Vermutungen an, die der kanadische Mathematiker Robert Langlands Ende der 1960er Jahre formuliert hat. Sie verbinden Zahlentheorie mit der Darstellungstheorie algebraischer Gruppen und bilden die Grundlage für ein bedeutsames aktuelles Forschungsgebiet in der Mathematik. In ihrer Dissertation konnte die Preisträgerin neue Erkenntnisse über die Objekte auf der Seite der Darstellungstheorie gewinnen. „Jessica Fintzen beschäftigte sich mit zwei wichtigen Teilgebieten der Mathematik, deren volles Verständnis tiefgreifende Auswirkungen auf unser tägliches Leben haben könnte, zum Beispiel in der Datenverschlüsselung“, so die Jurorin Professor Dr. Mila Majster-Cederbaum. Die Preisträgerin habe sich schwieriger Fragen zu sogenannten kleinen Primzahlen angenommen und international beachtete Durchbrüche erzielt.

Jessica Fintzen, Ph.D., studierte von 2008 bis 2011 Mathematik und Physik an der Jacobs University Bremen und promovierte anschließend bis 2016 an der Harvard University in Cambridge, USA. Seit dem Abschluss ihrer Promotion war sie als Postdoctoral Assistant Professor an der University of Michigan, USA, tätig sowie als Junior Research Fellow am Trinity College der University of Cambridge in Großbritannien. Derzeit hat sie eine Postdoc-Position am Institute for Advanced Study, einem Forschungsinstitut in Princeton, USA, inne.

Weitere Informationen zu den Promotionspreisen der Studienstiftung