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16/01/2017

Studienstiftung vergibt Promotionspreise 2017: Arbeiten aus der Biologie und Geschichtswissenschaft ausgezeichnet / Preisverleihung am 19. Juni 2017


Bonn, 16. Januar 2017. Die Promotionspreise 2017 der Studienstiftung gehen an die Historikerin Christiane Bürger und den Biologen Kai Schuchmann. Beide Preisträger erhalten je 5.000 Euro für ihre mit Bestnote abgeschlossenen Arbeiten.

Den Johannes Zilkens-Promotionspreis für Geistes- und Gesellschaftswissenschaften erhält Christiane Bürger für ihre vergleichende Analyse, wie in der BRD und DDR die Geschichte des kolonialen Namibias erforscht und geschrieben wurde. Kai Schuchmann überzeugte die Jury des Friedrich Hirzebruch-Preises für Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften mit seiner Dissertation, die biotechnologische Alternativen aufzeigt, Wasserstoff in flüssiger und transportabler Form zu speichern und so konventionelle Batterien zu ersetzen.

„In diesem Jahr prämieren wir die außergewöhnlichen Arbeiten zweier Nachwuchswissenschaftler, denen es gelungen ist, Impulse zu setzen, die weit über die Fachgrenzen hinaus wirken, und die zudem beide gesellschaftlich hochrelevante Fragestellungen bearbeitet haben“, sagt Dr. Annette Julius, Generalsekretärin der Studienstiftung. Die ausgezeichneten Dissertationen stünden beispielhaft für das insgesamt sehr hohe Niveau in der Promotionsförderung der Studienstiftung.

Pro Jahr schließen rund 250 Promovenden ihre von der Studienstiftung geförderten Dissertationen ab. 55 Prozent von ihnen erzielen dabei ein „summa cum laude“. Für die Promotionspreise 2017 wurden insgesamt 101 Arbeiten eingereicht, deren Abgabe zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 31. März 2016 lag. Kriterium für die Auszeichnung ist die wissenschaftliche Qualität der Doktorarbeiten, über die zwei Jurys aus namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beraten.

Seit 2014 vergibt die Studienstiftung die mit je 5.000 Euro dotierten Promotionspreise, um außergewöhnliche akademische Leistungen unterschiedlichster Fachbereiche sichtbarer zu machen. Der Johannes Zilkens-Promotionspreis für herausragende Arbeiten in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ist nach dem langjährigen Ehrenpräsidenten der Studienstiftung und Gründungsmitglied des Vereins der Freunde und Förderer benannt. Der Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis erinnert an den 2012 verstorbenen Bonner Mathematiker, langjähriges Ehrenmitglied des Kuratoriums der Studienstiftung, und wird für herausragende Dissertationen in der Mathematik, den Natur- und Ingenieurwissenschaften vergeben.

Beide Preise werden im Rahmen einer Festveranstaltung am 19. Juni 2017 in Berlin verliehen. Die Preisgelder werden getragen von dem Verein „Freunde und Förderer der Studienstiftung des deutschen Volkes e.V.“ und der „Theodor Pfizer Stiftung zur Unterstützung der Studienstiftung“.

Die Preisträger im Überblick:

Dr. Kai Schuchmann wird für seine Dissertation A hydrogen-dependent CO2 reductase: enzyme properties, applications and implications for the energy metabolism of the acetogenic bacterium Acetobacterium woodii“ im Fach Biologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main ausgezeichnet. Schuchmann greift in seiner Arbeit zwei der zentralen Probleme in der Nutzung erneuerbarer Energien auf, nämlich deren Speicherung und Transport.

Die Jury sprach ihm den Preis für die Entwicklung eines Verfahrens zu, mit dem sich die Energie des molekularen Wasserstoffs als flüssiger Brennstoff kompakt speichern lässt. Möglich wird dies durch eine enzymatische Umwandlung in Bakterien. Schuchmann beschreibt in seiner Arbeit, wie ein Enzymkomplex in sogenannten acetogenen Bakterien den Energieträger Wasserstoff in die Flüssigkeit Ameisensäure umsetzt. Der von Schuchmann identifizierte Enzymkomplex ist zudem in der Lage, die Rückwärtsreaktion – also die Freisetzung von Wasserstoff – zu vollziehen. Die Aufklärung des Mechanismus dieses Biokatalysators eröffnet den Weg zu einer biotechnologischen Alternative, Wasserstoff in flüssiger und beförderbarer Form zu speichern und konventionelle Batterien zu ersetzen. In seiner Arbeit identifiziert Schuchmann zudem ein weiteres Enzym, mit dem sich das Spektrum möglicher Ausgangsstoffe der Energiegewinnung auf Kohlenmonoxid ausdehnen lässt, das als Abgas in vielen industriellen Prozessen anfällt.

Kai Schuchmann forscht seit Anfang 2016 als Postdoktorand an der University of Nottingham, Großbritannien. Von 2006 bis 2011 absolvierte er sein Biologiestudium an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und erhielt von 2009 bis 2011 ein Stipendium der Studienstiftung. Anschließend ging er für einen einjährigen Forschungsaufenthalt an die Yale University, USA, und kehrte 2012 für seine Dissertation in der Abteilung für Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik an die Goethe-Universität zurück. Während seiner Dissertation war Schuchmann von 2012 bis 2014 in der Promotionsförderung der Studienstiftung. Forschungsergebnisse aus seiner 2015 abgeschlossenen Arbeit wurden bereits in der Zeitschrift „Science“ veröffentlicht und mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er 2015 beispielsweise den Promotionspreis der „Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie“.

Dr. Christiane Bürger erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für ihre Arbeit „Kolonialgeschichte(n). Das koloniale Namibia in der Geschichtsschreibung der DDR und BRD“, mit der sie 2015 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg promoviert wurde. Bürger kann zeigen, dass die Geschichte des kolonialen Namibias und die Auseinandersetzung mit dem deutschen Völkermord an den Herero und Nama bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und vor allem während der deutschen Teilung ein in BRD und DDR gleichermaßen vielbeforschtes und in unterschiedlichen Medien – etwa Fachbüchern, Romanen und Fernsehsendungen – kontrovers verhandeltes Thema war. Ihre Arbeit bricht zudem mit dem gängigen Forschungsparadigma einer deutsch-deutschen Systemkonkurrenz und zeigt die komplexen wissenschaftlichen Verflechtungen zwischen beiden deutschen Staaten auf. Mit der Auszeichnung würdigt die Jury einen wichtigen Beitrag, die gegenwärtig anhaltende Forschungsdebatte zu historisieren. Auch zeigte sich das Auswahlgremium beeindruckt von der Themenwahl. Bürger habe eine Arbeit vorgelegt, deren gesellschaftliche Relevanz über die Grenzen Deutschlands hinaus reiche.

Christiane Bürger studierte von 2003 bis 2009 Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg sowie der Universität Wien und promovierte anschließend bis 2015 an der Universität Heidelberg, von 2011 bis 2015 mit Unterstützung der Studienstiftung. Seit Februar 2016 absolviert Bürger ein wissenschaftliches Volontariat in der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und war an der Sonderausstellung „Deutscher Kolonialismus“ beteiligt, die seit Oktober 2016 im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen ist.

Weitere Informationen zu den Promotionspreisen der Studienstiftung

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