Pressemitteilungen

30/05/2022

Besonderes leisten

Studienstiftung zeichnet elf Studierende für herausragendes gesellschaftliches Engagement und fünf Forscherinnen und Forscher für wissenschaftliche Exzellenz aus

Bonn, 30. Mai 2022. Die Promotionspreise der Studienstiftung gehen 2022 an die Physikerin Annabelle Bohrdt (Technische Universität München, heute Harvard), den Psychologen Richard Schweitzer (Humboldt-Universität zu Berlin) und die Literaturwissenschaftlerin Cornelia Pierstorff (Universität Zürich). Für ihr herausragendes gesellschaftliches Engagement wird die Psychologiestudentin Emily Wilbrand (Freie Universität Berlin) mit dem Engagementpreis 2022 geehrt.

Die Studienstiftung des deutschen Volkes ehrt in diesem Jahr 16 junge Menschen, die mit ihrer exzellenten Forschung oder mit ihrem außergewöhnlichen gesellschaftlichen Engagement Besonderes im Dienst der Allgemeinheit leisten. Die Promotions- und Engagementpreise 2022 werden während eines Festakts am heutigen Montag,  30. Mai 2022, um 18:30 Uhr in Berlin verliehen. Den Festvortrag „Die Vereinten Nationen am Tropf – Multilateralismus in der Zeitenwende“ hält Martin Kobler, Botschafter a.D.

„Die Studierenden  und Promovierenden haben uns durch die Hartnäckigkeit und den Ideenreichtum beeindruckt, mit denen sie ihre wissenschaftliche Arbeit und ihr gesellschaftliches Engagement unter Pandemiebedingungen fortgesetzt und zu so herausragenden Ergebnissen geführt haben. Wie wichtig dieser Einsatz von Herz, Hirn und Hand ist, führen uns weiterhin die Corona-Pandemie, die Klimakrise und nun auch der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine vor Augen“, sagt Dr. Annette Julius, Generalsekretärin der Studienstiftung.

In einer Broschüre (Download, PDF)  stellen wir Ihnen alle Preisträgerinnen und Preisträger vor. Videoporträts finden Sie online unter www.studienstiftung.de und auf unseren Social Media-Kanälen (@studienstiftung).

Promotionspreise 2022

Die Physikerin Annabelle Bohrdt erhält den Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis für Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften 2022. Bohrdt ist der Frage nachgegangen, wie sich das komplexe Zusammenspiel sehr vieler Quantenteilchen berechnen lässt. In ihrer Arbeit nutzt sie Verfahrensweisen der Vielteilchentheorie in Kombination mit maschinellem Lernen und entwickelt daraus ein mächtiges neues Werkzeug zur theoretischen Modellierung von Quantenmaterialien. Die Dissertation „Probing strongly correlated many-body systems with quantum simulation” entstand im Bereich der Theoretischen Physik an der Technischen Universität München. Heute forscht die 29-jährige Physikerin  am Harvard Smithsonian Center for Astrophysics an der Harvard Universität in Cambridge.

Der Psychologe Richard Schweitzer wird mit dem 2022 erstmals verliehenen Lieselotte Pongratz-Promotionspreis für Gesellschaftswissenschaften ausgezeichnet. Er legt mit seiner Arbeit neue Erkenntnisse zu Bedeutung und Funktion schneller Blickbewegungen vor. Denn trotz dieser permanenten Bewegungen  nehmen wir unsere  Umwelt stabil und ohne Irritationen wahr. Die Dissertation „Perceptual and Motor Consequences of Intra-saccadic Perception” entstand an der Humboldt-Universität zu Berlin.  Der 32-Jährige forscht heute am Exzellenzcluster „Science of Intelligence“ in Berlin. Der Lieselotte Pongratz-Promotionspreis erinnert an die 1923 geborene Hamburger Soziologin und Kriminologin, Alumna und ehemalige Vertrauensdozentin der Studienstiftung Lieselotte Pongratz.

Wie ein literarischer Text im Erzählen eine eigene Welt erzeugt, untersuchte Cornelia Pierstorff am Beispiel des Erzählwerks Wilhelm Raabes. Mit ihrer Dissertation „Ontologische Narratologie. Welt erzählen bei Wilhelm Raabe” hat die Literaturwissenschaftlerin der Universität Zürich ein Referenzwerk für die Realismusforschung geschaffen und wird mit dem Johannes Zilkens-Promotionspreis für Geisteswissenschaften 2022 geehrt. Die 34-Jährige forscht als Wissenschaftliche Oberassistentin am Zürcher Deutschen Seminar.

Aufgrund der Vielzahl herausragender Bewerbungen sprachen die die Jurys in diesem Jahr zusätzlich zwei besondere Anerkennungen aus:

Johannes Morstein forscht im Bereich der Chemischen Biologie und beschäftigte sich in seiner Dissertation mit der Entwicklung lichtschaltbarer Lipidmoleküle, mit denen sich Zellaktivitäten steuern lassen. Für seine Dissertation „Optical Control of Lipid Signaling” an der  New York University sprach die Jury des Friedrich Hirzebruch-Promotionspreises 2022 eine besondere Anerkennung aus. Heute forscht der 32-Jährige an der University of California in San Francisco.

Der Soziologe Philipp Schäfer untersuchte auf kommunaler Ebene, wie die Unterbringung Geflüchteter im Jahr 2015 in Städten und Gemeinden organisiert und geregelt wurde. Für die Dissertation „Etablierte Provisorien. Die Regierung von Flucht und Geflüchteten in lokalen Migrationsregimen” an der Universität Konstanz sprach die Jury des Lieselotte Pongratz-Promotionspreises 2022 eine besondere Anerkennung aus. Der 35-jährige arbeitet heute als PostDoc am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück.

Engagementpreise 2022

Emily Wilbrand erhält den Engagementpreis 2022 der Studienstiftung. Mit dem Verein Woé zon loo e.V. und dem togolesischen Partnerverein International Volontaire en Action hat sie das Sozialunternehmen Lionne in Kpalimé aufgebaut. In Serienproduktion stellen Näherinnen aus secondhand-T-Shirts wiederverwendbare Stoffbinden her. 100 Frauen wurden zu Beraterinnen ausgebildet, die ihr Wissen über den weiblichen Zyklus teilen und Binden in Kpalimé und weiteren Orten zum Kauf anbieten. Ziel ist, dass mehr Jugendliche und Erwachsene während ihrer Menstruation am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Die 24-jährige Stipendiatin studiert Arbeits-, Organisations- und Gesundheitspsychologie im Master an der Freien Universität Berlin.

Im Hinblick auf das gesellschaftliche Engagement würdigt die Studienstiftung neben der Hauptpreisträgerin in diesem Jahr fünf Finalistinnen und Finalisten, deren Projekte die Jury in besonderem Maße beeindruckt haben:

Dominik Herold gründete den Verein mehr als wählen e.V., der sich für mehr demokratische Beteiligung einsetzt. Mit Projekten wie dem Demokratiekonvent oder dem DemokratieWagen, einem 20 Meter langen umgebauten Nahverkehrsbus, wirbt der Stipendiat in Frankfurt am Main dafür, Demokratie aktiv zu leben. Der 30-Jährige forscht zur Zeit als Promotionsstipendiat der Studienstiftung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Clara Yiting Lauer hat die Website Planet-N entwickelt, auf der sich Jugendliche mit Ideen für eine nachhaltige Zukunft beschäftigen. In interaktiven Kurzgeschichten und 250 Lerneinheiten können sich Jugendliche mit Themen der globalen Gerechtigkeit, Energie oder des Klimawandels auseinandersetzen. Sämtliche Inhalte sind frei zugänglich, orientieren sich an den Lehrplänen aller Schularten und Bundesländer und können von Lehrkräften genutzt werden. Die 22-jährige Stipendiatin studiert Interdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaften in Barcelona.

Urlaub im Pflegeheim: Mit der Studierendeninitiative Care & Travel bringt Alexander Popp Jung und Alt zusammen. In Pflegeheimen, etwa in Trier, Erlangen und Wallerstein, verbringen junge Reisende Zeit mit Seniorinnen und Senioren und erhalten im Gegenzug Verpflegung und Unterkunft. Auf diese Weise können sie gleichzeitig eine Stadt ihrer Wahl erkunden und von viel Lebensweisheit profitieren. Der 24-jährige Stipendiat Alexander Popp studiert Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnburg.

Mit der Initiative DIVERSITRY möchte ein Team um Tiaji Maynell Sio für mehr Diversität und Inklusion in der Bundesverwaltung sorgen. Ihr Ziel: Die Vielfalt der deutschen Gesellschaft soll sich in Politik und Verwaltung widerspiegeln. Sio ermutigt junge Menschen mit Migrationsgeschichte, sich im öffentlichen Dienst zu bewerben. Die 25-jährige Stipendiatin ist Mitgründerin des Projekts DIVERSITRY. Seit 2021 studiert sie als McCloy-Stipendiatin der Studienstiftung an der Harvard University – John F. Kennedy School of Government, Cambridge, USA.

Lizge Yikmis bietet mit dem Verein Haydee! e.V. eine kostenlose digitale Eins-zu-eins-Nachhilfe an. Zu Beginn der Corona-Pandemie gründete sie mit weiteren Frauen den Verein mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen aus sozioökonomisch schwächeren Familien die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe durch Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Das ehrenamtliche Team betreut über 650 Kinder in ganz Deutschland. Die 26-jährige Stipendiatin studiert an der Freien Universität Berlin sowie der London School of Economics.

Mit den Starterpreisen 2022 unterstützt die Studienstiftung fünf innovative Vorhaben in der Anfangsphase:

Die Doktorandin Verena Katharina Fisch setzt sich mit der Endometriose Vereinigung Deutschland e.V. für eine bessere medizinische Versorgung von Betroffenen der chronischen Krankheit Endometriose ein. Die Erkrankung betrifft etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter, ist bisher aber nur wenig bekannt und erforscht. Die 27-jährige Stipendiatin arbeitet an ihrer Dissertation an der Glasgow Caledonian University.

Johannes Gereons setzt sich mit dem Verein Salam e. V. dafür ein, dass im Leipziger Osten Menschen mit und ohne Migrationserfahrung zusammenkommen. Die Ehrenamtlichen bieten behördliche Beratungen, Gruppentreffen zum Beispiel für Eltern und gemeinsame Kochtreffen an. Der 26-jährige Stipendiat studiert Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität Leipzig.

Unter dem Motto „Medizin für Alle!“ baut der 24-jährige Medizinstudent Tanzeel Ahmad Khan zusammen mit Frankfurter Studierenden in der Initiative wemedyoucate Barrieren zum Gesundheitswesen ab. Über soziale Medien wollen sie Informationen zu Krankheitsentstehung, Therapie und Prävention verständlich in Videos vermitteln. Die Videos sollen neben leicht verständlichem Deutsch auch unter anderem auf Arabisch, Türkisch oder Polnisch angeboten werden. Khan studiert Medizin an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Etwa 50 Studierende sowie junge Berufstätige engagieren sich seit 2020 als humanitäre Logistiker im Verein Aid Pioneers e.V. Sie bringen Hilfsgüter an Orte, wo diese dringend gebraucht werden. So transportierten sie während der COVID19-Pandemie medizinisches Gerät nach Beirut. Zurzeit bringen sie mit 40-Tonnen-LKWs Nahrungsmittel in die Ukraine, um Kriegsopfer zu versorgen. Der 22-jährige Stipendiat Benedikt Leidner, Jura-Student der Ludwig-Maximilians-Universität München, hat den Verein mitgegründet.

Die 25-jährige Stipendiatin Leonie Sendker setzt sich mit dem Verein Klima-Mitbestimmung JETZT e. V. für demokratische Partizipation in der Klimapolitik ein. Seit 2019 klärt sie über das Konzept der Bürger:innenräte auf und setzt sich dafür ein, dass Bürgerinnen und Bürger mit ihren verschiedenen Sichtweisen in die gesellschaftlichen Transformationen hin zu mehr Nachhaltigkeit eingebunden werden. Sendker studiert im Master Environmental Engineering an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.

Die Preisgelder werden getragen von der Theodor Pfizer Stiftung, dem Verein Freunde und Förderer der Studienstiftung des deutschen Volkes e.V. sowie dem Verein Alumni der Studienstiftung e.V.

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