Laura Blecken: „Das ganze Jahr in Japan war voll unvergesslicher und bereichernder Erfahrungen“

Laura Blecken war Stipendiatin des Japan-Stipendienprogramms der Studienstiftung © Laura BleckenLaura Blecken war Stipendiatin des Japan-Stipendienprogramms der Studienstiftung © Laura Blecken

Laura Blecken war von 2013 bis 2015 Stipendiatin im Japan-Stipendienprogramm. In dieser Zeit hat sie den Doppel-Master-Studiengang „Deutsch-Japanische Interkulturelle Studien/Japanische Sprache“ an der Universität Halle und der Keio-Universität Tokio/Japan absolviert. Eine bereichernde Erfahrung, die sie bis heute prägt. Inzwischen arbeitet Laura Blecken für die Außenstelle des DAAD in Tokio und promoviert parallel.

Wie sind Sie auf das Japan-Stipendienprogramm aufmerksam geworden?

Ich habe Japan während eines Schüleraustauschs kennen und schätzen gelernt. Nach dem Abitur habe ich zwar auch andere Länder bereist und  mich in meinem Philosophiestudium mit kulturübergreifenden Fragestellungen beschäftigt. Aber letztlich ist Japan immer ein wichtiger Bezugspunkt für mich geblieben. Nach meinem Bachelorabschluss habe ich überlegt, welchen Master ich gerne machen möchte. Dabei ist mir bewusst geworden, dass ich tiefer in die Japanologie einsteigen, Land und Leute besser verstehen und die japanische Sprache endlich richtig lernen möchte. Das Japan-Stipendienprogramm mit seinem Doppel-Master-Studiengang und dem vorangehenden intensiven Sprachunterricht hat da perfekt gepasst.

Wie hat Ihnen das Studium insgesamt gefallen?

Das Studium hat mich enorm bereichert, war aber auch sehr herausfordernd. Das erste Semester an der Universität Halle war das mit Abstand anstrengendste Hochschulsemester, das ich erlebt habe. Der tägliche Japanischunterricht und die Vorbereitungen auf den Japanese Language Proficiency Test (JLPT) haben unter der Woche jede freie Stunde in Anspruch genommen. Da ich von Beginn an hochmotiviert war, meine Japanischkenntnisse auszubauen, war ich einerseits dazu bereit, mich vollkommen auf diese Herausforderung einzulassen. Andererseits hat der Druck, gleichzeitig innerhalb dieses ersten Semesters auch noch das Thema meiner Masterarbeit festzulegen und dazu passend zwei Hausarbeiten zu schreiben, ernsthaft an meinen Nerven gezehrt. Heute bin ich glücklich, dass ich das damals so durchgezogen habe. Denn in dieser intensiven Zeit habe ich die Grundlagen für den weiteren erfolgreichen Verlauf des Programms gelegt

Im zweiten Semester sind Sie an die Keio-Universität Tokio nach Japan gegangen. Wie war es dort?

Großartig, denn sowohl der Intensiv-Sprachkurs an der Keio-Universität als auch der Unterricht im Japanese Language Programme waren meinem Level angemessen und haben mir zu großen Fortschritten verholfen. In den Sprachkursen konnte ich zum ersten Mal mit Studenten aus anderen Ländern zusammen Japanisch lernen, vor allem aus China – und es war sehr spannend zu beobachten, wie sich deren Schwierigkeiten mit der japanischen Sprache von den meinen unterschieden. Ich habe außerdem 2014 am Asientreffen der Studienstiftung in Tokio teilgenommen. Neben einem spannenden Programm – bestehend aus Vorträgen, Workshops und geselligen Elementen – bot sich hier die Gelegenheit, Stipendiaten und Alumni aus ganz unterschiedlichen Regionen Asiens kennenzulernen und sich auszutauschen.

Wie haben Sie in Tokio gelebt?

Ich habe während der Zeit in Japan etwas abseits von Tokio am Meer gewohnt. Die Lebensweise in dieser Gegend unterscheidet  sich stark vom hektischen Alltag in Tokio und ich habe diesen Kontrast sehr genossen. In meiner Freizeit habe ich angefangen Windsurfen zu lernen, was auch sprachlich eine große Herausforderung war, da sich das Vokabular meiner Surflehrer doch fundamental von dem meiner Japanischlehrer unterschied. Auf diese Weise habe ich eine neue Seite von Japan kennen gelernt, die mir das Land noch sympathischer gemacht hat.

Während des Studiums in Japan wohnte Laura Blecken außerhalb von Tokio in dem Küstenort Hayama – mit Blick auf den Berg Fuji © Laura BleckenWährend des Studiums in Japan wohnte Laura Blecken außerhalb von Tokio in dem Küstenort Hayama – mit Blick auf den Berg Fuji © Laura Blecken

Welches Ereignis ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Das ganze Jahr in Japan war voll unvergesslicher und bereichernder Erfahrungen. Die Young Leaders Conference (GYLC) 2014 und 2015 stellen sicherlich zwei Höhepunkte dieser Zeit dar. Unvergesslich bleiben auch die 48 Stunden, die ich im Anschluss an eine GYLC mit zwei Kommilitoninnen in Zao ausgeharrt habe. So sind wir direkt nach der Konferenz in einen nahegelegenen Ski-Ort aufgebrochen und gerade rechtzeitig angekommen, um den schlimmsten Schneesturm seit 30 Jahren zu erleben. Über zwei Tage fuhr kein Bus mehr aus dem Ort heraus. Wir sind  zum Glück in einer kleinen Gaststätte bei einem alten Ehepaar untergekommen, die sich rührend um uns gekümmert haben.

Worin besteht für Sie rückblickend der Mehrwert des Japanprogramms?

Die individuelle Betreuung und der intensive Sprachunterricht sind große Pluspunkte. Ich hatte dank der kleinen Gruppe im Japanischunterricht wirklich das Gefühl, jeden Tag etwas Neues zu lernen. Die Betreuung während des Japanaufenthaltes und bei der Master-Arbeit ist hervorragend – und ein wichtiger Grund dafür, dass ich am Ende nicht nur eine deutsche, sondern auch eine japanische Master-Arbeit vorweisen kann. Ohne den Doppel-Master hätte ich mir nur schwer eine berufliche Zukunft mit Japanbezug vorstellen können, die sich so unmittelbar im Anschluss an das Programmende 2015 ergeben hat.

Stichwort Programmende: Wie ging es für Sie danach weiter?

Ich habe noch im Monat der Abschlussfeier eine Anstellung in der Außenstelle Tokio des DAAD gefunden. Als Presse- und Marketingbeauftragte bin ich dafür zuständig, japanischen Studierenden und Graduierten Informationen zum Studium in Deutschland bereit zu stellen. Gerade weil ich selbst erfahren habe, wie spannend und prägend ein Auslandsaufenthalt ist, halte ich diese Arbeit für wichtig und möchte möglichst viele Japanerinnen und Japaner für einen Studienaufenthalt in Deutschland begeistern

Auf der Abschlussfeier des Japan-Stipendienprogramms in Berlin stellten die Absolventinnen und Absolventen ihre Arbeitsergebnisse vor © Laura BleckenAuf der Abschlussfeier des Japan-Stipendienprogramms in Berlin stellten die Absolventinnen und Absolventen ihre Arbeitsergebnisse vor © Laura Blecken

Parallel dazu haben Sie eine Promotion begonnen, bei der Sie am Thema Ihrer Masterarbeit weiterforschen.

Ja, im Master habe ich den japanischen Verantwortungsbegriff analysiert und mit einem Programm zur automatischen Textanalyse ausgewertet, in welchen Bedeutungen das Wort für „Verantwortung" im Japanischen verwendet wird. In meiner Dissertation gehe ich einen Schritt weiter und untersuche den japanischen Begriff „Eigenverantwortung", mit dem hier oft neoliberale Reformen gerechtfertigt und Menschen, die als Verlierer daraus hervorgehen, als Sündenböcke deklariert werden. Die Schnittstelle zwischen Sprache und Gesellschaft hat mich schon immer interessiert und dank des Doppel-Masters habe ich nun auch die Sprachkenntnisse, um japanische Originaltexte linguistisch auszuwerten. Außerdem haben mir die Kontakte aus dem Doppel-Master mir einen einjährigen Forschungsaufenthalt an der Keio-Universität Tokio ermöglicht.

Stehen Sie weiterhin in Kontakt mit anderen Alumni des Programms?

Ja, wir treffen uns des Öfteren in Tokio, meistens, wenn gerade jemand wieder zu Besuch in Japan ist. Es ist spannend zu beobachten, wie alle ihre eigenen Wege zwischen Japan, Deutschland und der Welt gehen. Manchmal trifft man sich auch zufälligerweise auf Veranstaltungen in Tokio – die „deutsche Welt" in Japan ist kleiner als man denkt.

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