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Arbeitsgruppe

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Justiz und Medien – Wer kontrolliert wen?

Die dritte und die vierte Gewalt geraten immer wieder in Konflikt. „Journalisten interessiert

nur der Blick in die Unterhose anderer Leute“, hört man aus der Richterschaft. Im besten Fall

sei die Presse mit ihrer Sensationsgier einfach nur störend, im schlimmsten Fall bringe sie

einen Prozess zum Platzen. Aus Sicht der Journalisten ist die Justiz borniert, behindert die

Medienvertreter bei ihrer Arbeit.

Tatsächlich arbeiten Justiz und Medien nach unterschiedlichen Gesetzen: Für die Justiz geht

es um Fragen von Recht oder Unrecht, während sich Medien nach den Kriterien informa-

tiv / nicht informativ, spannend / langweilig richten. Justiz und Medien stehen dabei in einer

wechselseitigen Abhängigkeit: Die Presse möchte mit aufsehenerregenden Fällen Leserin-

nen und Leser gewinnen, sie beeinflusst dabei die Rezeption von Geschehnissen. Die Justiz

kann aber die Medien nicht aus ihren Gerichtssälen verbannen, weil sie die Öffentlichkeit

repräsentieren. Die Öffentlichkeit des Verfahrens dient nicht zuletzt auch dem Schutz des

Angeklagten, der allerdings ebenso einen Anspruch auf Fairness hat.

Wir wollen uns ausgewählte Fälle (Nationalsozialistischer Untergrund, Deutsche Bank,

Edathy, Kachelmann, Hoeneß, Lohfink) anschauen, die Berichterstattung in verschiedenen

Medien vergleichend analysieren und das Verhalten der Justiz in diesen Fällen bewerten.

Dabei sollen die Teilnehmenden auch selbst in die Rolle des Rechtskommentators schlüp-

fen, dessen schwierigste Aufgabe es ist, komplexe Sachverhalte einfach darzustellen.

Es soll in unserer Arbeitsgruppe auch um die Frage gehen, wie viel Öffentlichkeit die Jus-

tiz braucht und verträgt: Welche Öffentlichkeitsarbeit müssen Gerichte leisten? Sollen

Liveübertragungen aus dem Gerichtssaal zulässig sein? Werden Persönlichkeitsrechte von

Angeklagten und Zeugen hinreichend geschützt? Wo ist die Grenze zwischen (zulässiger)

Berichterstattung und (unzulässiger) Vorverurteilung?

Dr. Helene Bubrowski

Politikredaktion, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt / M.

Corinna Budras

Wirtschaftsredaktion, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt / M.

Studierende aller Fächer

Akademien

Praxisakademie Koppelsberg 1

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