Background Image
Previous Page  69 / 324 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 69 / 324 Next Page
Page Background

Arbeitsgruppe

6

Die Idylle als Reflexionsmedium der Moderne

„Der Charakter des Abgeschirmten, Eingegrenzten, Geborgenen bestimmt den Raum der

Idylle.“ So lautet die einschlägige Definition der Idylle von Renate Böschenstein. Die Idylle

scheint derart Entlastung von den Zumutungen der Moderne zu versprechen.

Ein genauerer Blick auf literarische Texte, die mit Momenten des Idyllischen operieren, er-

gibt jedoch ein weitaus komplexeres und ambivalenteres Bild. Idyllische Texte erschließen

nicht nur Räume der Sehnsucht und harmonischen Glücksversprechens, sondern sie pro­

blematisieren dabei Natur-Kultur-Verhältnisse stets so, dass die Idylle als Raum der Kritik

und Reflexion von grundlegenden Erfahrungen der Moderne bestimmt werden kann. Aus-

gehend davon wollen wir in der Arbeitsgruppe thematisch einschlägige Texte der deutsch-

und slavischsprachigen Literaturen einer genauen Lektüre unterziehen und sie mit Blick auf

kulturtheoretische Konzepte der Moderne analysieren.

Es wird ein weiter Bogen vom 18. über das 19. und 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart ge-

spannt werden: Wir fragen dabei nach gattungsgeschichtlich prägenden Konzepten der

Idylle, nach literatur- und kulturgeschichtlichen Perspektiven, nach der Idylle als Imaginati-

onsraum nationaler Identität sowie nach (kritischen) Transformationen des Idyllischen in der

Avantgarde und in der Gegenwartsliteratur. Deutlich wird die Idylle dabei als ein epochen-

und kulturenübergreifendes Reflexionsmedium der europäischen Moderne.

Prof. Dr. Irina Wutsdorff

Slavisches Seminar, Universität Tübingen

Prof. Dr. Barbara Thums

Deutsches Institut, Universität Mainz

Studierende der Geisteswissenschaften, insbesondere der Slavistik, Germanistik,

Literatur-, Kunst- und Kulturwissenschaften sowie der Philosophie, darüber hinaus

der Geografie und Umweltwissenschaften

Akademien

Akademie Neubeuern

69