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Arbeitsgruppe

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Über die fantastische Konjunktur und notwendige

Fundamentalkritik der Einsperrung

Noch nie war die Menschheit so mobil wie heute – und noch nie waren so viele Menschen

in den Einsperrungsmilieus von (Flüchtlings-)Lagern, Abschiebungshaft und Gefängnissen

ihrer Bewegungsfreiheit beraubt. Während die Institution des Gefängnisses seit der Geburt

der modernen Freiheitsstrafe von intellektueller Fundamentalkritik begleitet wird, treten aus-

gerechnet die USA – jenes Land also, das das Freiheitsideal repräsentiert – den Beweis an,

dass millionenfache Einsperrung auch in der (Post-)Moderne noch (oder wieder) salonfähig

sein kann. Und während Soziologen einerseits zutreffend die Tendenz zu einer „Sakralisie-

rung des Körpers“ ausmachen, gewinnt andererseits gerade die Entsakralisierung des Kör-

pers in der Form der Folter schleichend neue Anerkennung.

Die Arbeitsgruppe will sich den Paradoxien und der Kritik der Masseneinsperrung mit den

folgenden Leitfragen widmen:

1. Worauf gründen sich die Thesen von der Antiquiertheit des Gefängnisses einerseits und

die faktische Renaissance dieser Institution andererseits?

2. Welche Probleme ergeben sich aus der Aktualität der Freiheitsstrafe unter dem Gesichts-

punkt der Menschenwürde und der Menschenrechte?

3. Wie lässt sich das Phänomen der Folter in den Gesellschaften der Gegenwart beschrei-

ben, rechtfertigen, kritisieren und für die Zukunft verhindern?

4. Was begründet die (fehlende) Attraktivität radikaler Alternativen zur Gefängnisstrafe –

und zur Strafe überhaupt?

5. Wieso bedarf es in Europa heute eines ganz offiziell vom Europarat eingerichteten Komi-

tees zur Verhütung der Folter? Was tut dieses Komitee und wie effektiv ist es?

Ein Besuch bei der Nichtregierungsorganisation Association for the Prevention of Torture

(http: /  /

www.apt.ch

) widmet sich deren Arbeit und öffnet den Blick für weitere Organisati-

onen wie CPT (Committee for the Prevention of Torture), CAT (Committee Against Torture)

und SPT (das erst wenige Jahre alte UN-Subcommittee on Prevention of Torture).

Prof. Dr. Sebastian Scheerer

Kriminologie, Arbeitsstelle für Rehabilitations- und Präventionsforschung, Universität

Hamburg

Prof. Dr. Johannes Feest

Strafrecht und Strafvollzugsrecht, Universität Bremen

Studierende aller Fächer

Akademien

2. bis 6. Semester

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24. bis 31. März 2017

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