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Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Radermacher

Institut für Anästhesiologische Pathophysiologie und Verfahrensentwicklung,

Universitätsklinikum Ulm

Prof. Dr. Markus Huber-Lang

Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie,

Universitätsklinikum Ulm

Arbeitsgruppe

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Trauma und Schock – von der Zelle zum Organismus

Ein Trauma ist eine physikalische Einwirkung auf das Gewebe, das unmittelbar zu einem

Gewebeschaden führt. (Poly-)Traumen sind die häufigste Todesursache in der Altersstufe

bis 45 Lebensjahre in den Industrieländern, in Deutschland erleiden jährlich rund 10 % der

Bevölkerung ein Trauma mit erheblichen Folgen, auch ökonomischen: 10 bis 15 % der soge-

nannten

disability-adjusted life years

gehen auf Traumen zurück.

Während die ,frühe‘ Mortalität nach einem Trauma (nach 24 bis 48 Stunden) zumeist auf

nicht kontrollierbare Blutungen und / oder schwerste Hirnverletzungen zurückzuführen ist,

ist die ,späte‘ Mortalität überwiegend Resultat eines Multiorganversagens als Folge einer

systemischen Entzündungsreaktion mit konsekutiver Sepsis. Eine Sepsis wiederum ist die

häufigste Todesursache auf Intensivstationen: In Deutschland wird derzeit von circa 350 bis

400 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern ausgegangen, die Mortalität liegt bei etwa

30 bis 50 %, die mittlere Verweildauer von Patienten auf der Intensivstation bei zwei bis drei

Wochen. Dem Verständnis der systemischen Entzündungsreaktion und deren gezielter Mo-

dulation kommt also fundamentale Bedeutung sowohl für die Pathophysiologie als auch für

die Therapie von Trauma, Schock und Sepsis zu.

Die Arbeitsgruppe wird zunächst die Frage bearbeiten, wie ein Schock physiologisch und

biochemisch charakterisiert ist, wobei auch Fragen zu Methoden und Modellen erörtert wer-

den. Danach wird die ,Immunologie‘ des Schocks erarbeitet, das heißt die Interaktion ver-

schiedener Signalsysteme, und die Rolle der gasförmigen Mediatoren diskutiert, also von

Molekülen, die aufgrund ihrer geringen Größe ubiquitäre, zum Teil ,janusköpfige‘ biologische

Wirkungen entfalten können. Ein weiterer Schwerpunkt wird der Bioenergetik gewidmet,

nämlich der Funktion und der (patho-)physiologischen Bedeutung der Mitochondrien bezie-

hungsweise der zellulären Atmungskette.

Kollegs

Lebenswissenschaftliches Kolleg VII

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