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Prof. Dr. Thilo Marauhn

Professur für Öffentliches Recht und Völkerrecht, Universität Gießen

Arbeitsgruppe

4

Völkerrechtssoziologie – interdisziplinäre Perspektiven

auf die Dynamiken zwischen- und überstaatlichen

Rechts

Völkerrecht ist anders. Die Herausbildung, die Wirkungsweise und der Untergang zwischen-

und überstaatlichen Rechts lassen sich nicht aus einer rein disziplinären Perspektive er-

schließen. Weder rechts- noch politikwissenschaftliche Erklärungsversuche vermögen für

sich allein zu erklären, warum, wie und unter welchen Bedingungen Recht zwischen den

Staaten und jenseits des Staats existiert und wirkt.

Gerade in Zeiten, in denen viele die Stabilität der internationalen Ordnung bedroht sehen,

stellt sich die Frage nach dem Beitrag des Rechts zum Umgang mit oder zur Bewältigung

von Herausforderungen jenseits des Staats. Sicherung des Friedens, Erhaltung der Umwelt,

Verteilung von Ressourcen – dies alles sind Ziele, deren Erreichung durch Rechtsnormen

unterstützt oder befördert werden kann. Ob und inwieweit das geltende zwischen- und über-

staatliche Recht das Spannungsverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit bewältigt

oder daran zerbricht, ist eine zentrale Frage. Immer wieder haben Wissenschaftlerinnen und

Wissenschaftler sich dazu aus einer interdisziplinären Perspektive genähert, um praktische

Antworten zu generieren.

In der Arbeitsgruppe wollen wir uns mit unterschiedlichen völkerrechtssoziologischen Denk-

schulen – von Max Huber über Georges Scelle und Julius Stone bis hin zu Moshe Hirsch

– auseinandersetzen und dabei auch Methodenfragen (etwa die nach dem Mehrwert em-

pirischen Arbeitens für die Völkerrechtswissenschaft) thematisieren. Auf dieser Grundlage

wollen wir das Potenzial völkerrechtssoziologischer Zugänge zur Bewältigung praktischer

Herausforderungen ausloten und Fallstudien bearbeiten.

Kollegs

Gesellschaftswissenschaftliches Kolleg VII

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