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Prof. Dr. Helmut Pulte

Institut für Philosophie, Universität Bochum

Arbeitsgruppe

3

Die anthropologische Relevanz wissenschaftlicher

Revolutionen

Es wäre ein Allgemeinplatz zu sagen, dass die modernen Wissenschaften das Bild des Men-

schen nachhaltig geprägt und immer wieder auch verändert haben. Weniger klar ist, welche

wissenschaftlichen Entwicklungen dieses Bild wie, unter welchen zeitlichen Wirkungsver-

hältnissen und mit welchen dauerhaften Konsequenzen beeinflusst haben. Oft sind es sich

in relativ kurzer Zeit ereignende, radikal erscheinende Umbrüche, die ein neues Weltbild und

damit auch ein neues Menschenbild hervorgebracht haben. In diesem Sinne spricht Sig-

mund Freud von den „großen Kränkungen der Menschheit“, die sich an die Namen von Re-

volutionären wie Kopernikus oder Darwin knüpfen – die kosmologische Dezentrierung des

Menschen wird hier auf eine Stufe mit einer biologischen Dezentrierung gestellt, das heißt

der Einreihung des Menschen in das Tierreich.

In wissenschaftshistorischer Betrachtung erweisen sich solche wissenschaftlichen Revoluti-

onen aber als höchst unterschiedlich in ihrem zeitlichen Verlauf wie auch in ihrer Auswirkung

auf das Selbstverständnis des Menschen als Teil seiner natürlichen und kulturellen Sphäre.

Die Arbeitsgruppe untersucht vier markante wissenschaftliche Umbruchphasen und fragt

nach deren Auswirkungen auf das Selbstbild des modernen Menschen. Wissenschafts- und

ideengeschichtliche Probleme werden ebenso diskutiert wie anthropologische und wissen-

schaftstheoretische Fragestellungen. Die ausgewählten Umbrüche werden in chronologi-

scher Ordnung in den Blick genommen.

1. Die kopernikanische Revolution

Nikolaus Kopernikus hat mit seinem Werk

De revolutionibus

(1543) Geistesgeschichte

geschrieben. Dabei wollte das Werk keineswegs revolutionär sein, und es entfaltete seine

‚Sprengkraft‘ für ein neues Welt- und Menschenbild auch erst allmählich. Eine wichtige

Aufgabe der Arbeitsgruppe wird es sein, den Bedeutungswandel von

De revolutionibus

in

der Neuzeit zu rekonstruieren (mit Prof. Dr. Martin Carrier, Universität Bielefeld).

2. Die newtonsche Revolution

(mit Prof. Dr. Peter McLaughlin, Universität Heidelberg)

3. Die darwinsche Revolution

(Prof. Dr. Eve-Marie Engels, Universität Tübingen; Dr. Ingmar Werneburg, Universität

Tübingen)

4. Von Watson und Crick zu CRISPR / Cas

(Prof. Dr. Christina Brandt, Universität Bochum; Jan Baedke, Ph.D., Universität Bochum)

Kollegs

Geisteswissenschaftliches Kolleg VII

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