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Prof. Dr. Julia Stenzel

Institut für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaft, Universität Mainz

Arbeitsgruppe

2

Mediale Divergenzen. Plurale Medialität und

,postfaktische‘ Zeiten

Plurale Medialität gilt als ein Signum zeitgenössischer Kunst. Doch auch politische Ereignis-

se, Identitäten und Wahrheiten entstehen zusehends in pluralen Medienmilieus; vielerorts ist

von einer transmedialen ,postfaktischen‘ Ästhetik der Oberfläche zu lesen, die das Faktum

zugunsten demografisch messbarer Effekte verabschiede.

Die Arbeitsgruppe will Prozesse des Konvergierens medialer Dispositive von der Divergenz

von Medien und Wirklichkeiten her denken – ein Ansatz, der für zeitgenössische Auffüh-

rungs- und Ausstellungspraxen wie für ethische Aspekte ,postfaktischer‘ Medialisierungen

des Politischen Aufschluss verspricht und es erlauben soll, den Begriff des Postfaktischen

aus medialitätshistorischer und -theoretischer Perspektive zu überprüfen. Vier exemplari-

sche Perspektiven werden erprobt.

1. Transmedialität als ästhetische Strategie

Relikte und Dokumente von Performances stehen der flüchtigen Aufführung in ihrem Ar-

tefakt-Sein entgegen. Wir beobachten, wie ihre Umwertung – etwa in inszenierten Aus-

stellungen – die Hierarchie interagierender Medien wie auch etablierte kulturtheoretische

Konzepte zur Disposition stellt.

2. Dokumentation und Fiktionalisierung

Kunst, Theater und Performance setzen sich zunehmend mit der medialen (Re-)Kon­

struktion des Faktischen auseinander. Wir befragen neben der Autorität des Dokuments

auch die Fiktionalisierung des (scheinbar) Faktischen, die in aktuellen Ansätzen zum Do-

kumentarischen breit diskutiert wird.

3. Ereignis und Medien

Wie werden Ereignisse in verschiedenen Medienmilieus produziert und transformiert?

Die Frage steht im Kontext einer Ethik des Berichtens, die nicht nur im Feld professionel-

ler Reportage eine Rolle spielt.

4. Medialität und ,direkte‘ Demokratie

Wie werden soziale Netzwerke zum Probenraum vermeintlich direkter Demokratie, zum

Ort des Urteilens im Konjunktiv (so in Ferdinand von Schirachs fiktivem Prozess

Terror

)?

Kollegs

Geisteswissenschaftliches Kolleg VII

201