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PD Dr. Marcel Lepper

Leiter des Forschungsreferats, Deutsches Literaturarchiv Marbach, und Abteilung

für Neuere Deutsche Literatur, Universität Stuttgart

„After theory“? Nach dem Ende des Kalten Krieges, erst recht nach den Terroranschlägen

von New York 2001, nach den Wirtschafts- und Bankenkrisen sowie der Entstehung neuer

konfrontativer Situationen im postsowjetischen und pazifischen Raum haben sich die Koordi-

naten der großen Debatten in den textbezogenen Fächern verschoben.

Während die Politik- und Sozialwissenschaften neue Diskurshoheit erobert haben, schei-

nen sich die Literaturwissenschaften in frappierendem Umfang an einem älteren Theorie-

kanon zu bedienen, der auf die Ära zwischen den 1960er und 1980er Jahren zurückgeht: Ob

Foucault oder Derrida, ob Bourdieu oder Luhmann, ob Szondi oder Kittler – Grundlagenka-

pitel und Fußnoten, Handapparate und Reader, Begrifflichkeiten und Argumentationsweisen

sehen in den gegenwärtigen Literaturwissenschaften nicht selten so aus, als sei theoretisch

in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr viel passiert. Während die

Novel After Theory

(J. Ryan, 2014) und

Der lange Sommer der Theorie: Geschichte einer Revolte 1960–1990

(Ph. Felsch, 2015) erfolgreich historisiert werden, steht die literaturtheoretische Gegenwart

in der Lehre und in der Forschung oft im Schatten handwerklich gut gebauter, aber theore-

tisch unambitionierter Fallstudien.

Die Arbeitsgruppe gibt die Gelegenheit, radikale und differenzierte Theorieansätze aus der

Zeit nach 2001 zu sichten, zusammen mit Gastdozentinnen und -dozenten aus den literatur-

wissenschaftlichen Fächern konzentriert zu diskutieren, einen Überblick zu gewinnen und

die jeweils eigenen Positionen zu schärfen.

Arbeitsgruppe

1

Literaturtheorie nach 2001

Kollegs

Geisteswissenschaftliches Kolleg VII

200