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Arbeitsgruppe

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Musikwissenschaft: Komponieren im Krieg und

gegen den Krieg – Musik und Weltgeschichte im

20. Jahrhundert am Beispiel von Benjamin Britten

Benjamin Britten komponierte sein

War Requiem

op. 66 für die Wiedereinweihung der im

Zweiten Weltkrieg zerstörten Kathedrale von Coventry im Jahr 1962. Den Text der Missa de

profunctis kombinierte er mit Gedichten von Wilfred Owen, die dieser während des Ersten

Weltkriegs geschrieben hatte, und setzte Owens Worte „My subject is War, and the pity of

War. The poetry is in the pity. All a poet can do is to warn“ auf die Titelseite seines Requiems,

das Dieter Senghaas 2001 in

Klänge des Friedens

zu den „eindrucksvollsten musikalischen

Friedensdokumenten nach dem Zweiten Weltkrieg“ gezählt hat.

Brittens pazifistische Grundhaltung hatte eine lange Vorgeschichte: „I had been […] already

a pacifist at school, and a lot of my feeling about the First World War, which people seem to

see in my War Requiem, came from [Frank] Bridge. He had written a piano sonata in memo-

ry of a friend killed in France“ (1963). Musikalisch spiegelt sich dieses Thema in Brittens Mu-

sik zum Film

Piece of Britain

(1936), dem

Pacifist March

(1937) und in der den Spanischen

Bürgerkrieg thematisierenden

Ballad of Heroes

(1939). Doch erst die

Sinfonia da Requiem

op. 20 von 1940 wird zum Schlüsselwerk. Die japanische Regierung hatte bei Britten wie bei

zahlreichen anderen europäischen Komponisten ein Werk zum 2600-jährigen Jubiläum der

Dynastie in Auftrag gegeben, akzeptierte jedoch das fertige Werk nicht zur Aufführung, da

es aufgrund seiner Melancholie für eine nationale Feier ungeeignet schien. Der Tod seiner

Mutter einige Jahre zuvor, so hat Britten 1942 (im Jahr seiner Kriegsdienstverweigerung)

erläutert, sei der „external stimulus“ des Werks gewesen: „It had an especially powerful emo-

tional effect on me and set me, in self-defence, analyzing my feelings in regard to suffering

and death. To this personal tragedy were soon added the more general world tragedies of

the Spanish and the present wars.“

Die

Sinfonia da Requiem

und das

War Requiem

werden Thema der Arbeitsgruppe sein. Im

Fokus steht dabei ein ideengeschichtlicher Zugang vor allem zu den Themen Musik zu Krieg

und Frieden, Pazifismus, politische Musik, „occasional music“ („almost every piece I have

ever written has been composed with a certain occasion in mind, and usually for definite

performers, and certainly always human ones“ [1964]) und Raum (

War Requiem

– „I calcula-

ted it for a big, reverberant acoustic and that is where it sounds best. […] The text of my War

Requiem was perfectly in place in Coventry Cathedral […] but it would have been pointless in

Cairo or Peking“ [1964]).

Akademien

offen für jedes Studienalter

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28. Juli bis 6. August 2017

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