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Arbeitsgruppe

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Das komplizierteste politische System Europas?

Reformen und Blockaden in Post-Dayton Bosnien und

Herzegowina

Das Dayton-Abkommen von 1995 brachte Bosnien und Herzegowina Frieden und beendete

den fast vierjährigen Krieg. Etwa 100.000 Menschen hatten ihr Leben verloren und fast jeder

Zweite war aus seinem Wohnort vertrieben worden. Die Wirtschaft lag am Boden, die Infra-

struktur war zum Großteil zerstört oder veraltet. 1995 konnte der Wiederaufbau des Landes

beginnen.

Neben dem Frieden brachte das Dayton-Abkommen aber auch ein vollkommen neues po-

litisches System mit sich. Die Republik Bosnien und Herzegowina wurde in einen föderalen

Staat umstrukturiert. Kriegseroberungen und territoriale Aufteilungen wurden durch die neue

föderale Struktur anerkannt. „Ein Gesamtstaat, zwei Entitäten und drei Völker“ – so wird

Bosnien sehr oft zusammenfassend beschrieben.

Tatsächlich ist die Situation aber deutlich komplexer: 14 Regierungen und Parlamente, zehn

Kantone, zwei Entitäten, zwei getrennte Justizsysteme, ein Distrikt, ein schwacher Gesamt-

staat, strenge und komplizierte ethnische und territoriale Veto- und Blockademechanismen

in der Exekutive und Legislative, strenge ethnische Repräsentanz-Quoten, der faktische

Ausschluss all jener Bürger aus dem politischen System, die nicht zu den drei konstitutiven

Volksgruppen zählen. Das sind einige Kennzeichen, die das politische System Bosnien und

Herzegowinas einzigartig machen.

In der Arbeitsgruppe werden wir das politische System des Landes allgemein anschauen,

aber auch konkrete Probleme bearbeiten. Verschiedene Gastvortragende aus Zivilgesell-

schaft und Politik werden zu Kurzvorträgen und Diskussionen eingeladen.

Saša Gavri

ć

Freelancer, Politikwissenschaftler, Sarajevo / Bosnien und Herzegowina

Studierende der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, der Geschichte

sowie der Osteuropa- und Südosteuropa-Studien

Akademien

Expeditionsakademie Sarajevo

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