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Arbeitsgruppe

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Historisch-psychologische Biografieforschung

Ob die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, der Philosoph Jürgen Habermas oder der

Lyriker Lars Gustafsson – sie alle sind der Aufforderung der altehrwürdigen Akademie für

Sprache und Dichtung in Darmstadt gefolgt, ihr Leben vor illustrem Auditorium in fünf Minu-

ten zu erzählen. Dieser Textkorpus aus Selbstzeugnissen von Künstlerinnen und Künstlern,

Philosophinnen und Philosophen sowie Gelehrten ist ein ebenso faszinierendes wie bislang

unerforschtes Material der Biografie- und Narrationsforschung.

Ziel der Arbeitsgruppe ist es, dieses autobiografische Material mithilfe der mannigfaltigen

Methoden der qualitativen Forschung zu analysieren – sei es nun hermeneutisch, psycho-

analytisch oder inhaltsanalytisch. Folgende Fragen sind leitend:

1. Wie unterscheiden sich die Selbstbeschreibungen verschiedener Generationen? Ist

eine abnehmende Politisierung der Selbstberichte konstatierbar?

2. Wie schildern die Künstler ihren beruflichen Werdegang? Welche Rolle spielen affektiv

aufgeladene Lebensereignisse im Hinblick auf die Berufswahl? Gegen welche Wider-

stände – innere und äußere – muss der Künstler-Beruf behauptet und verteidigt werden?

Lassen sich gängige Berufswahltheorien validieren? Welche Techniken der Selbstin­

szenierung werden eingesetzt?

Neben diesen zentralen Fragen wird der Versuch unternommen, ausgewählte Selbstzeug-

nisse – etwa von Thomas Hürlimann – tiefenpsychologisch, psychoanalytisch und metapho-

risch zu deuten. Im Zentrum der wissenschaftlichen Analyse stehen hierbei unter anderem

widersprüchliche ‚Bewegungen‘ im Text, Aussparungen, Verschiebungen, Verdichtungen

und rätselhafte Raum-Semantiken.

Die Arbeitsgruppe verfolgt die Absicht, das breite Spektrum dezidiert qualitativer Methoden

sichtbar zu machen, einzuüben und kritisch zu reflektieren sowie den erkenntnistheoreti-

schen Wert textanalytischer Verfahren – insbesondere für die Psychologie – aufzuzeigen.

Prof. Dr. Nikolas Westerhoff

Professur für Wirtschaftspsychologie, Business School Berlin

Prof. Dr. Daniel Salber

Professur für Medienpsychologie, Business School Berlin

Studierende der Geisteswissenschaften, Kunstwissenschaften und der Kunst sowie

der Psychologie, Erziehungs- und Sozialwissenschaften

Akademien

ab dem 5. Semester und Doktoranden

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28. August bis 7. September 2017

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