Background Image
Previous Page  125 / 324 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 125 / 324 Next Page
Page Background

Arbeitsgruppe

2

Töten und Nicht-Töten

Wir leben in einer Gesellschaft, in der das Töten grundsätzlich verboten ist und als eine Sün-

de gilt. Verankert ist dies im fünften der Zehn Gebote: „Du sollst nicht töten“. Tatsächlich aber

leben wir in einer Welt des grausamen, hinterhältigen, organisierten und industrialisierten

Tötens von menschlichen wie tierlichen Lebewesen.

Juristinnen und Juristen pflegen gute Gründe für das Töten zu entwickeln. Gerechtfertigt

darf man zum Beispiel in Notwehr, im Verteidigungskrieg, als Todesstrafe, zu Zwecken des

Gemeinwohls und in der letzten Phase eines verlöschenden Lebens getötet werden. Tötun-

gen können auch als Kollateralschäden von gerechten Kriegen bewertet werden oder im

Notstand unausweichlich sein.

Mit der Tötung von tierlichen Lebewesen ist es noch radikaler: Hier gelten beispielsweise

das menschliche Bedürfnis nach Fleischverzehr oder der pharmazeutische Fortschritt als

berechtigte Gründe für die Tötung.

Schließlich noch zwei Beispiele für die ethischen Dilemmata des Tötens: Darf eine Drohne

per

remote control

Richtung Afghanistan gesteuert werden, um dort einen ahnungslosen An-

führer der Taliban auf der Fahrt nach Hause samt Mitfahrenden zu liquidieren? Darf ein ent-

führtes Flugzeug, das als Waffe in der belebten Innenstadt von Berlin zum Absturz gebracht

werden soll, mit allen Passagieren und der Besatzung abgeschossen werden?

Wir werden einführende Bücher und Aufsätze zu unseren Themen nennen, die von der

(Rechts-)Philosophie über die Soziologie bis hin zum Verfassungs- und Völkerrecht reichen.

Zu diesen existenziellen Fragen gibt es auch umfangreiche Romanliteratur, Theaterstücke

und Kinofilme, die wir miteinbeziehen möchten. Wir wünschen uns eine intensive Vorberei-

tung der Themenbereiche durch die Teilnehmenden und werden gleich nach Ablauf der An-

meldefrist Lektürelisten und Referatsthemen zur Verfügung stellen.

Prof. Dr. Felix Herzog

Professur für Strafrecht, Grundlagen des Strafrechts und Rechtsphilosophie,

Universität Bremen

Prof. Dr. Sebastian Scheerer

Institut für Kriminologische Sozialforschung, Universität Hamburg

Studierende aller Fächer, insbesondere der Philosophie, der Kultur-, Sprach-, Erzie-

hungs-, Rechts- und Sozialwissenschaften sowie der Psychologie und Theologie

Akademien

Akademie Krakau International

125