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Arbeitsgruppe

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Terroristin Antigone? Mediale und philosophische

Reflexionen

Sowohl filmisch als auch philosophisch ist der antike Stoff der Antigone immer wieder insze-

niert, interpretiert und verwendet worden, um mit ihm gewordene Herrschaftsstrukturen zu

legitimieren – aber auch, um Zeitkritik zu üben und Figuren des Widerstands zu entwerfen

und zu verhandeln. Insbesondere der kanonische sophokleische Text aus dem 5. Jahrhun-

dert vor unserer Zeitrechnung gewinnt so immer wieder neue Aktualität. Motiv und Stoff sind

aber in verschiedenen Sprachen, Kulturen, Genres und Medien jeweils neu aufgenommen

worden.

Aus einer im weiten Sinne philosophischen Perspektive kann man für die Verhandlung von

Herrschaft und Widerstand an Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Jacques Lacan, Luce Irigaray

oder Judith Butler denken; aus einer medienanalytischen Sicht bieten sich unter anderem

spätere Theaterfassungen an, aber auch Filme wie

Deutschland im Herbst

(1978) oder

So-

phie Scholl

(1985; 2005) sowie einzelne Figuren aus populären TV-Serien (u. a.

Deep Space

Nine

, 1992–99;

Westworld

, seit 2016), Comics (u. a. Neil Gaimans

Sandman

, 1989–96) und

Computerspielen (u. a.

Mass Effect 2

, 2010).

Wir werden in der Arbeitsgruppe das Original – auch im Kontext von Sophokles’ Werk und

Zeit – sowie einige der genannten Wiederaufnahmen und Bearbeitungen analytisch in den

Blick nehmen. Dabei geht es uns um folgende Fragen: Welche kommunikativen und drama-

tischen Besonderheiten lassen das zweieinhalbtausend Jahre alte Stück von Sophokles so

vieldimensional schillernd wie aktuell ‚funktionieren‘? Welche seiner Effekte werden in ver-

schiedenen Kontexten aufgenommen, welche ausgeblendet? Welche diskursive Inszenie-

rung wird uns dort zugleich deskriptiv wie kritisch vorgeführt? Aber auch: Welche ethischen

Implikationen werden hier sichtbar?

Prof. Dr. Stephan Packard

Institut für Medienkulturwissenschaft, Universität Freiburg

Prof. Dr. Tatjana Schönwälder-Kuntze

Forschungsverbund Bayern ForGenderCare, LMU München

Studierende aller Fächer

Akademien

ab dem 5. Semester und Doktoranden

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27. August bis 3. September 2017

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