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Arbeitsgruppe

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Was ist Weltliteratur?

Bereits im Titel seines grundlegenden, 2003 erschienenen Werks fragt David Damrosch:

What is World Literature?

Handelt es sich hierbei um den Kanon weltweit anerkannter Klas-

siker? Um globale Bestseller? Um Texte, die irgendwie von einem Kulturkreis in einen ande-

ren geraten und dort zu Bedeutung gelangt sind? Wie und warum reisen manche Texte um

den Globus? Welche Akteure spielen in diesen Prozessen welche Rolle? Welche wissen-

schaftlichen Positionen zum Phänomen Weltliteratur gibt es?

„Weltliteratur“ ist sicher einer der folgenreichsten Begriffe Goethes, der seit den späten

1990er Jahren verstärkt diskutiert wird. Unzufrieden mit nationalen Grenzen, die häufig den

Analyserahmen für Literatur abstecken, schlägt Pascale Casanova 1999 eine Perspektive

auf global zirkulierende literarische Texte vor, wie die von Franz Kafka, William Faulkner und

James Joyce. Weitere literaturwissenschaftliche Ansätze folgen, die die Mobilität von Texten

und eine verflochtene Literaturgeschichte über Grenzen betonen. In jüngster Zeit wird zu-

nehmend die Kritik laut, dass Weltliteratur gar nicht so global sei, da sie weiterhin Texte aus

dem Westen bevorzuge und damit den globalen Literaturmarkt reproduziere – dabei aber vor

allem den globalen Süden und dessen Verflechtungen vernachlässige.

In der Arbeitsgruppe werden wir grundlegende theoretische Texte zur Weltliteratur disku-

tieren. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf dem Kontakt oder der Verflechtung mit

nicht-westlichen (chinesischen und afrikanischen) Texten liegen. So wurde etwa Henrik Ib-

sens

Nora oder Ein Puppenheim

in der essayistischen Behandlung von Lu Xun zu einem

Schlüsseltext der chinesischen Frauenbefreiung. In Ostafrika ist Bertolt Brechts

Der kau-

kasische Kreidekreis

noch immer Teil des Schulcurriculums und beeinflusste viele Theater-

autoren der Unabhängigkeitszeit. Umgekehrt beflügelten und radikalisierten die Werke Mao

Zedongs die 1968er-Generation in Westeuropa.

Prof. Dr. Lena Henningsen

Institut für Sinologie, Universität Freiburg

Prof. Dr. Clarissa Vierke

Professur für Literaturen in Afrikanischen Sprachen, Universität Bayreuth

Studierende der Geisteswissenschaften, insbesondere der Literatur-, Kultur- und

Sprachwissenschaften, Romanistik, Anglistik, Germanistik und Altphilologie

Akademien

ab dem 5. Semester und Doktoranden

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27. August bis 3. September 2017

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