Studienstiftung Jahresbericht 2012 - page 64

Studienförderung
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Deutsch-tschechische Beziehungen imWandel – Stipendiatenseminar in Prag
Organisiert von Stipendiaten im Rahmen von „Stipendiaten machen Programm“
trafen sich 32 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom 31. Oktober bis 4. Novem-
ber 2012 zum Osteuropatreffen „Deutsch-tschechische Beziehungen im Wandel“
in Prag.
Zum Auftakt besuchten wir die deutsche Botschaft. Nach einer Einführung in die
tschechische Sprache gab der Stellvertreter des Botschafters, Dr. Ingo von Voss,
Einblicke in seine Arbeit. Bei einem Gespräch mit Stephan Schmid, Leiter des So-
zialreferats, erfuhren wir Details über Sozialsystem und Korruption in Tschechien.
Beim anschließenden Termin im Goethe-Institut ging Leiter Dr. Heinrich Blöme-
ke darauf ein, dass immer weniger Schüler im Land Deutsch lernen.
Prof. Dr. Manfred Weinberg, Germanist an der Karlsuniversität Prag, stellte sein
Forschungsprojekt über Franz Kafka und dessen Prägung durch die jüdische,
tschechische, österreichische und deutsche Kultur vor. Dank der Vermittlung der
Konrad-Adenauer-Stiftung wurde ein Vortrag von Prof. Dr. Jan Sokol möglich.
Der ehemalige Dissident, Schulminister und Präsidentschaftskandidat schilder-
te die Entwicklung des totalitären Regimes. Eine angeregte Debatte folgte auf den
Vortrag von Jaroslav Knapek, Dozent an der Tschechischen Technischen Univer-
sität in Prag. Es ging um erneuerbare Energien und Kernkraftwerke in Grenznähe.
Anschließend informierte die ehemalige Stipendiatin Marie Mrazková, Referentin
in der Ständigen Vertretung der Tschechischen Republik bei der Europäischen
Union, über ihre Arbeit.
Ein geschichtliches Forschungsprojekt stellte Daniel Franzkowski, Doktorand
an der Palacký-Universität Olmütz, vor: Thema sind Migrationserfahrungen der
böhmisch-reformierten Kirchengemeinde „Hussinetz“, deren Identität sich in
Schlesien unter polnischem, böhmischem und deutschem Einfluss herausbildete.
Richard Herrmann, Ethnologe an der Karlsuniversität in Prag, gab einen Überblick
über Emigration während des Totalitarismus und deren Auswirkungen. Neben
den Fachvorträgen konnten die Stipendiaten eigene Aktivitäten vorstellen. So prä-
sentierte eine Gruppe des Studienkollegs zu Berlin ihr Projekt über Street Art als
Protestform in Ost(mittel)europa. Neben den Vorträgen blieb Zeit zum Austausch
zwischen deutschen und tschechischen Teilnehmern.
Eva-Maria Hommel, VWL, Universität Köln
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