Studienstiftung Jahresbericht 2012 - page 6

Vorwort des Präsidenten
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BILDUNG
Die durchschnittliche Lebenserwartung ist seit 1840 um 2,5 Jahre
pro Dekade gestiegen. Und sie steigt immer noch weiter. Nach An-
gaben des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in
Rostock wird – wenn dieser Trend anhält – mehr als die Hälfte der
seit 2000 in Deutschland geborenen Kinder ihren 100. Geburtstag
feiern können. (Leben wir also bald auf der neuen Erde, von der es
bei Jesaja 65,20 heißt, es seien keine Alten mehr da, „die ihre Jahre
nicht erfüllen; sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt,
und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht“?)
Gleichzeitig verschiebt sich der Alterungsprozess. Das heißt, die
meisten Menschen bleiben länger gesund und leistungsfähig als
früher. Damit wird auch die Lebensarbeitszeit steigen. Paradox ist,
dass junge Menschen gleichzeitig immer früher in das Arbeitsleben
eintreten. Abitur nach acht Jahren, keine Verpflichtung zu Wehr-
dienst, Zivildienst oder sozialem Jahr, Verdichtung und Verkür-
zung des Studiums durch den Bologna-Prozess in Hochschulen,
die nach Ansicht des Hamburger Universitätspräsidenten Gefahr
laufen, immer stärker zu berufsqualifizierenden Fertigungsstraßen
zu mutieren: All dies trägt dazu bei, dass sich die Lebensarbeits-
zeit auch nach vorne hin verlängert, dass aber die Zeit zum Aufbau
der intellektuellen, moralischen und emotionalen Ressourcen für
eine sinnvolle Gestaltung der eigenen Biographie immer knapper
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