Studienstiftung Jahresbericht 2012 - page 25

Studienförderung
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deutlich der verbreiteten Vorstellung, die Studienstiftung fördere
bevorzugt Akademikerkinder und wähle nach Habitus aus.
Dagegen stehen einem Anteil von 54% Frauen in den Auswahl-
verfahren lediglich 46% Frauen unter den Aufgenommenen ge-
genüber. Worauf diese geschlechtsspezifischen Unterschiede zu-
rückzuführen sind, konnte die Evaluation nicht ermitteln. Sie legt
allerdings nahe, dass es nicht die von der Studienstiftung erwar-
teten Eignungsdimensionen sind, die zum schlechteren Abschnei-
den von Frauen beitragen, sondern eher deren Anwendung in den
Verfahren. Typische Beobachtungsverzerrungen – etwa aufgrund
weniger offensiver Selbstrepräsentation von Frauen – werden da-
her nun in den Gutachterschulungen und in den Hinweisen an die
Auswahlkommissionen explizit thematisiert.
Der Qualität der Auswahlverfahren hat das ZEM die umfangreichs-
ten Analysen gewidmet: Die Übereinstimmung der Auswählenden
in der Beurteilung der Kandidatinnen und Kandidaten wurde an-
hand der protokollierten Punktbewertungen von mehreren hundert
Auswahlseminaren ermittelt. Im Ergebnis wird die Beobachterüber-
einstimmung bei der Auswahl von Stipendiaten als akzeptabel be-
urteilt. Die Befragung der Auswählenden ergab, dass die Eignungs-
dimensionen breit verwendet werden; allerdings gab gut ein Drittel
der Befragten an, nicht in jeder Auswahlsituation (Einzelgespräch
und Gruppenrunde) zu allen fünf Dimensionen gezielt Informa-
tionen zu erfassen. Darüber hinaus wurde deutlich, dass gelegent-
lich auch andere Kriterien für die Auswahlentscheidung eine Rolle
spielen. Diese stehen zum Teil imWiderspruch zu den Kriterien der
Studienstiftung. Eine Qualitätssteigerung erwarten die Evaluatoren
durch eine stärkere Standardisierung der Auswahlgespräche, indem
die zu führenden Gespräche stärker im Hinblick auf die fünf Eig-
nungsdimensionen strukturiert und durch Verhaltensbeispiele ope-
rationalisiert werden. Darüber hinaus gibt die Evaluation wichtige
Anhaltspunkte, welche Inhalte in den Schulungen für Kommissi-
onsmitglieder und in den Handreichungen für Auswählende deut-
licher akzentuiert werden müssen.
Frauenanteil
geringer
Stärkere
Standardisierung der
Auswahlgespräche
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