Kompositionsresidenz

Die Studienstiftung des deutschen Volkes vergibt seit 2013 in Kooperation mit dem Beethoven-Haus fünfwöchige Residenzstipendien für junge Komponistinnen und Komponisten. 

Jährlich stehen in der Regel zwei Stipendien zur Verfügung.

Mit diesem Förderformat unterstützt die Studienstiftung Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie Jungalumnae und -alumni aus der Musikerförderung, in einer ebenso konzentrierten wie inspirierenden Arbeitsumgebung zu komponieren und sich über individuelle Frage- und Problemstellungen mit einer Mentorin oder einem Mentor auszutauschen.

Als Mentorinnen und Mentoren der jungen Komponistinnen und Komponisten konnten von 2013 bis 2014 Manfred Trojahn, von 2015 bis 2017 Jan Müller-Wieland und ab 2018 Charlotte Seither gewonnen werden.

Zum Programm gehört ein öffentliches Abschlusskonzert. Hier werden die neu entstandenen Werke uraufgeführt und vorgestellt.

8. Komponistenresidenz mit digitalem Abschlusskonzert zu Ende gegangen

Die achte Kompositionsresidenz der Studienstiftung in Kooperation mit dem Beethoven-Haus Bonn fand am 26. September 2020 mit der Uraufführung der Werke der Komponistin Lina Posėčnaitė und des Komponisten Jakob Raab einen beeindruckenden Abschluss.

Aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen fand das Konzert in diesem Jahr auf digitalem Wege statt. Mattia Bonafini und Andraž Malgaj präsentierten „Mühe(los)“ von Lina Posėčnaitė für Helmholtz’sches Lochsirenenfahrrad und Akkordeon; das rein elektronische Werk „Ambulance“ von Jakob Raab wurde von einer Videoinstallation von Samuel Cho begleitet.

Beide Stücke wurden während der fünfwöchigen Residenz komponiert, wenngleich in diesem Jahr nicht in Bonn, sondern an den Wohn- und Studienorten der beiden Geförderten. Abermals begleitete Dr. Charlotte Seither, freischaffende Komponistin und Mitglied im GEMA-Aufsichtsrat sowie Präsidium des Deutschen Musikrats, die beiden Stipendiat*innen als Mentorin bei ihrer Arbeit. Beim Abschlusskonzert sprach sie mit den beiden Komponist*innen über den Schaffensprozess sowie die jeweiligen Arbeiten und ermöglichte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern somit Einblicke in die Komponisten-Werkstatt, auf die ein abermaliges Anhören beider Werke folgte.

Lina Posėčnaitė
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Lina Posėčnaitė

© Veronica Bremer

Lina Posėčnaitė wurde 1995 in Klaipėda/Litauen geboren, wo sie ihre erste musikalische Ausbildung an der Jeronimas Kačinskas Musikschule und nach dem Abschluss zunächst am Stasys Šimkus Konservatorium mit dem Hauptfach Geige erhielt. Von 2014 bis 2019 folgte ein Bachelorstudium in Komposition an der Hochschule für Künste Bremen in der Klasse von Prof. Jörg Birkenkotter (Kompositionsunterricht weiterhin bei Daniel Smutny, darüber hinaus Unterricht in elektroakustischer Komposition bei Prof. Kilian Schwoon). Ab Herbst 2019 setzte Frau Posėčnaitė ihr Studium an der Hochschule für Musik FHNW in Basel in der Klasse von Prof. Caspar Johannes Walter fort.

Ihre Kompositionen wurden in verschiedenen Konzerten und auf Festivals in Deutschland, Schweiz und Litauen aufgeführt, auf CDs veröffentlicht (drop the beat von DEGEM – Deutscher Gesellschaft fur Elektroakustische Musik e.V., Martynas Švėgžda von Bekker: Lithuanian XXI Cent. Expressions for Violin) und im Rundfunk gesendet (CKCU FM 93.1, nordwestradio, Radio Angrezi). Sie ist Preisträgerin des 13. Internationalen Kompositionswettbewerbs Citta di Udine 2020 (Italien). Sie hat an diversen Meisterkursen und Workshops, wie impuls.11. Internationale Ensemble- und Komponistenakademie fur zeitgenössische Musik | 2019, Darmstädter Ferienkurse, Next Generation von Donaueschinger Musiktage, Labor von Wittener Tage für neue Kammermusik teilgenommen und Kompositionsunterricht von Enno Poppe, Fredrick Gifford, Clara Iannotta, Alberto Posadas, Mark Andre, Lisa Lim, Isabel Mundry, Pierluigi Billone, Karlheinz Essl sowie Ansgar Beste erhalten. Lina Posėčnaitė ist Mitglied der projektgruppe neue musik bremen (pgnm).

In ihrer kompositorischen Arbeit ist es ihr wichtig, jedem Klang und jedem musikalischen Gestus Raum zu lassen, sich zu entfalten und wahrgenommen zu werden. Das Innere des Klangs, aber auch räumliche Aspekte sind gleichermaßen ihre Interessen. Für ihre Musik ist ein gewisser Minimalismus im Sinne von strenger Selektion und Abgrenzung in der Auswahl des Klangmaterials charakteristisch.

Jakob Raab
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Jakob Raab

© Jakob Raab

Jakob Raab (*1995) studierte Komposition, Klavier und Musiktheorie in Karlsruhe und Saarbrücken. Von seinen Lehrern Arnulf Herrmann und Wolfgang Rihm erhält er seit 2014 wichtige Impulse zum zeitgenössischen Komponieren; als Konzertpianist und Musiktheoretiker widmet er sich zudem intensiv historischer Musik. Er ist Preisträger des Re:compose Wettbewerbs des Bayerischen Rundfunks und des Förderpreises der Stadt Saarbrücken. Elektronische und instrumentale Kompositionen wurden im SWR und BR Radio ausgestrahlt. Jakob Raab hat u. a. in MusikTexte publiziert und lehrt Musiktheorie an der Hochschule für Musik Karlsruhe. Er studiert zudem Mathematik und beschäftigt sich mit Möglichkeiten der algorithmischen Komposition.

Die bisherigen Residenzstipendien im Überblick

7. Residenzstipendium vom 25. August bis 29. September 2019

Eric M. Domènech und Franz Ferdinand August Rieks waren die Komponisten des 7. Residenzstipendiums vom 25. August bis 29. September 2019. Das Abschlusskonzert mit Uraufführungen der beiden Komponisten für Streichquartett bzw. die Triobesetzung Violine-Klavier-Schlagwerk fand am 28. September 2019 im Woelfl-Haus Bonn statt.

Weitere Informationen finden Sie hier.

6. Residenzstipendium vom 2. September bis 6. Oktober 2018

Matthias Krüger bearbeitete sein Werk K. P. und sein Engel für Akkordeon. Philipp Christoph Mayer komponierte Haus für Flöte, Klarinette, Violine und Violoncello.

Weitere Informationen finden Sie hier.

5. Residenzstipendium vom 3. September bis 7. Oktober 2017

Stefan Beyer komponierte Bleib hier. Schau zu. Mach kein Geräusch für Mezzosopran und Klavier. Samuel Walther komponierte Duo IV für Charles Koechlin für Flöte und Klarinette.

Weitere Informationen finden Sie hier.

4. Residenzstipendium vom 4. September bis 7. Oktober 2016

Benjamin Scheuer komponierte Monstrationen, 4 kleine Szenen für Bariton, Bassklarinette, Zuspielung und Licht. Josep Planells Schiaffino komponierte Drei Stücke für Cello und Klavier. Beide Werke wurden am 7. Oktober 2016 uraufgeführt.

Weitere Informationen finden Sie hier.

3. Residenzstipendium vom 6. September bis 10. Oktober 2015

Konstantin Heuer (Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart) komponierte Aria für Cello und Klavier. Julian Lembke (Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse, Paris) komponierte flux.flous für zwei Violinen. Beide Werke wurden am 10. Oktober 2015 uraufgeführt.

Weitere Informationen finden Sie hier.

2. Residenzstipendium vom 30. August bis 4.Oktober 2014

Antoine Daurat (Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin) komponierte Dove sei? Récitatif pour trio à cordes et électronique. Damian Scholl (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf) komponierte Intimacy für Violine und Klavier. Beide Werke wurden am 4. Oktober 2014 uraufgeführt.

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1. Residenzstipendium vom 7. September bis 4. Oktober 2013

Sven Daigger (Hochschule für Musik Karlsruhe) und Alexander Müller (Hochschule für Künste Bremen) komponierten kammermusikalische Werke für Gesang, Klarinette, Cello, Klavier und für Oboe, Cello und Klavier.

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

"Young Stars"-Konzerte

Die Studienstiftung bietet Stipendiatinnen und Stipendiaten die Möglichkeit, ein eigenes Konzert im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauseszu bestreiten.» Mehr erfahren